Full text: Hessenland (9.1895)

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jede Erklärung das Kloster zwischen sich und den 
Geliebten rückte, einerlei ob sein Glück daran 
zerschellen mußte. Aber heute —" sügte er 
dann — die Angen verloren an ihrer Gestalt — 
hinzu. — 
„Ja heute —, was bin ich heute, Herr Professor, 
Sie Allwissender, der Sie nicht einmal nach 
meinem Namen fragten?" 
„Heute ? Wohl immer noch der alte Trotzkops, 
der es dem Zufall überließ, ob er den Mann, 
dem dieser selbe Trotzkops einst heiße Worte in's 
Ohr brannte, wiederfinden würde, oder nicht. 
Ob . . 
„Das ist nicht wahr. — Nein," unterbrach sie 
ihn mit flammenden Augen, „von dem Tage an, 
da ich der Eltern Schuld getilgt, — frei wurde 
und mich schließlich auch selbst wiedergefunden 
haben würde, — von da an sollte meine zweite 
Mission beginnen, und die war, den Mann 
zu suchen — der — der —" 
»Der, Josepha —" 
„Ter mein Glaube, meine Zuversicht, meine 
Liebe war, durch alle die Jahre hindurch, dessen 
Andenken meine Seele zum Himmel trug, während 
ich im Elend schmachtete, der mein ganzes Sein 
geadelt hat und—, der mein Hort geblieben, 
auch wenn ich ihm niemals wieder im Leben 
begegnet wäre." 
„Und ich, Josepha?" fragte er, den Arm um 
ihren Leib pressend, — „trug ich nicht auch Dein 
Bild auf dem Altare meines Herzens und opferte 
ihm mein Heiligstes?" 
„Ja, das thatest Du. Tu warst ein Gläubiger, 
der Ausdruck suchte für den Kultus seines Herzens, 
Du wallsahrtetest an die Stätte, die unsere Liebe 
geheiligt hatte, — und daß Du — daß Du das 
konntest, Berthold, dafür danke ich Gott!" — 
Es würd lifküiigt 1 gemacht! 
Den Brill fchunt uff der Nose, 
De Blärrer^ usfgeschloh'n, 
So ftitt 3 hü on der Ecke 
Un singt ze schüllen on. 
Klingelingling, Klingeling! 
„Es würd beküngt gemacht!" 
Nü hilt^ hä erscht mo stille. 
„Bär hutto dann do gelacht?" 
De Jongen wunn en ützen, 
. Den ahlen Schniererfritzo. 
„Dü künnt's je doch nit läsen, 
D'r Brill äß Üch nix nütz!" 
„Aber noch Jemand", sagte sie nach einer 
Weile, sich sanft aus des Geliebten Arme lösend, 
„noch Jemand wallsahrtete zu seinem Heiligthume, 
nach einem Grabe, und ich fand in ihr eine 
Mutter, die Dich mir zugeführt hat." 
Tie Thüre öffnete sich, und Frau Römer trat, 
mit feuchten Augen, über die Schwelle. Sie 
reichte beiden, stumm die Hände, das glückliche 
Paar neigte sich über dieselben und küßte sie. 
„Und nun zu Tisch," sagte Josepha in ihrer 
unwiderstehlichen Art, „Mama an die Spitze der 
kleinen Tafel und wir, ihre Kinder, an beiden 
Seiten. Wir wollen unser kleines Haus ein 
weihen und ein Glas Tiroler aus die gesegnete 
Wallfahrt nach Omessen trinken." 
„Und aus unsere demnächstige Vermählung in 
der kleinen Kirche von Axamus," sagte der 
Professor, „nicht so, Josepha?" 
„Sv schnell?" fragte sie schelmisch zu ihm 
ausschauend. 
„Schnell? Ich meine, fünfzehn Jahre — das 
wäre treu gedient?" 
„Versteht sich, Kinder," sagte Frau Römer, 
„ich werde Euere Hände ineinander legen." 
„Und dann nach Rom und Neapel —, meinst 
Du nicht, Josepha?" 
„Und unsere häusliche Einrichtung?" 
„Die wird unterdessen Mama Römer besorgen," 
sagte diese in dem Vollgefühl wieder für Jemanden 
sorgen zu können, — „sie wird das neuvermählte 
Paar in Rostock empfangen. Aber nun zu Tisch, 
Kinder, denn, ehrlich gesagt, mich hungert." 
Sie ging voran in das nächste Zimmer, wo 
sie in aller Eile die kleine Tafel mit Blumen 
geschmückt hatte —, und die beiden Glücklichen 
folgten nach. 
„Üch fall d'r Deiwel langen!" 
Krischt 7 hü, un schällt noch mo. 
Nü goocken üch 3 de Gänse. 
„Sidd dü dann öch schunt do?" 
Ich rüff 9 den Borgemeester, 
Bann Dü" itzt nit bariert! 
Glich 11 hahlt Dä üche Mailer, 
Sist än's Loch spaziert! 
Zum erschien: Haspelmesser 
Äß ün Borg'meesterschhüß." 
's brängt" Jerer singen Haspel, 
Will" hä en messen müß!"
	        

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