Full text: Hessenland (9.1895)

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NB. Herren und Damen zahlen nach Belieben, 
ander Personen 2 Ggr. und ist von des Morgens 
bis Abends zu sehen. 
Logieret auf der Oberneustadt bey dem Wein 
händler Heinrich. sOstermesse 1767/] 
Mit gnädigster Erlaubniß 
wird heute 
der Französische Feuerwerker Hr. Bollotior, 
die Ehre haben, 
allen respective Liebhabern, ein neues Feuerwerk, 
betitult: 
Die Eroberung 
des Forts Bonckielloi-i, 
so von allen Kennern Bewunderung erhalten wird, 
vorzustellen. 
Zuerst zeigen sich verschiedene Chinesische Bäume, 
worauf ein grosses Kunststück folgen wird, der 
gleichen man hier noch nicht gesehen hat. 
Dieses Stück wird mit verschiedenen künstlichen 
und bisher unbekannten Maschinen gezieret seyn. 
Sodann wird man nach einem neuen bewunderungs 
würdigen Geschmacke das Gefechte verschiedener 
Kriegs-Schiffe gegen die Schanzen der besagten 
Vestung sehen. Man wird von beyden Seiten 
mit glüenden Kugeln gegen einander schiessen; und 
viele Römische Wachslichter werden ein Bom 
bardement vorstellen. Das kriegerische Geprassel, 
die oftmalige Absenerung des Geschützes, und alles, 
was bey einem hitzigen und hartnäckigen Gefechte 
vorkommt, wird dabei aufs genaueste vorgestellet 
werden. Endlich wird eine allgemeine Illumination 
nach der Eroberung der Citadelle den Beschluß 
machen, und zwar aus eine bewunderungswürdige 
Art, daß es eine würkliche Belagerung, mit allem 
Kriegsgetöse vorstellen wird. 
Herren und Damen werden ersuchet, sich in 
zahlreicher Menge einzufinden, indem der Feuer 
werker sein Möglichstes gethan hat, um ihren 
Beyfall zu verdienen. 
Ter Schauplatz ist ans dem Ober-Neustädter Meß- 
Platze. Ter Ansang ist des Abends um halb 6 Uhr. 
Die Person zahlet aus den ersten Platz 16 Ggr. 
Auf dem zweyten 8 Ggr. und auf dem dritten 4 Ggr. 
Tie Billets können auf der Ober-Neustadt in 
der Stadt Frankfurth, allwo er logiret, abgeholet 
werden. Es wird aber denenjenigen, welche noch 
vom Vorigenmahle Billeter haben, zuwissen gethan, 
daß solche nicht gültig, sondern das wiederum 
neue veränderte müssen abgeholet werden. 
NB. Falls es bestimmten Tages Regnen sollte, 
so wird solches aufgeschoben. 
Auch eine Ankündigung in französischer Sprache 
findet sich vor, aus der Ostermesse 1765; wir 
theilen in Uebersetzung daraus einiges mit: 
Mit Erlaubnis 
Sr. Hochs. Dnrchl. des Landgrafen von Hessen-Cassel. 
Zur Nachricht, daß in dieser erlauchten Residenz- 
Stadt angekommen ist 
Charles Duclos, 
und mit ihm 
Erstens: der edelmütige Löwe, genannt Marc. 
Dieses Thier ist von einer Sanftmut, welche 
über alle Einbildungskraft geht, weil es Thatsache 
ist, daß allgemein ein jeder ihn anfaßt und sogar 
küßt. Mit einem Wort, der zahmste Hammel ist 
hundertmal wilder als er. Er macht mehrere 
Kunst- und Kraststücke mit seinem Herrn. Auch 
ist er unvergleichlich gebildet und gelehrt wie ein 
Mensch, dazu reinlich und sauber. Wenn er ein 
Bedürfnis hat, so giebt er durch Zeichen an, was 
er will; in der schicklichsten Weise verlangt er 
das Gesäß, dessen er bedarf. Dieser selbe Löwe 
hat sich mit seinem Herrn ans einem Schiffbrnch 
gerettet, welchen Herr Duclos an der Küste von 
Sicilien erlitt, . . . alle Passagiere gingen unter, 
nur Herr Duclos und fein Löwe retteten sich 
gegenseitig durch Schwimmen. Dieser Löwe heißt 
wegen seiner Sanftmut „der Löwe der Damen". — 
Es folgt dann noch die'Mittheilung, daß Herr 
Duclvs eine Gesellschaft von dressirten Affen und 
Hunden mit sich führt, sowie ein Gedicht aus 
den Löwen Marc. 
Den ersten Platz hat Herr Duclos für den 
Adel reservirt, das übrige Publikum darf sich auf 
den drei andern Plätzen einfinden. Dienstboten 
werden, wie ausdrücklich bemerkt wird, umsonst 
nicht hereingelassen. 
Zum Schluß noch eine „Sehenswürdigkeit" 
aus anderer Quelle. 
Anfangs Januar 1768 ließ sich, wie der 
Gärtner Johann Ernst Gr aß weder dahier in 
seiner Chronik erzählt, ein „Vielfraß" in Kassel 
sehen; auch er kündigte sich mit gedruckten Zetteln 
an und rühmte sich, daß er auf einem Sitz ein 
ganzes Kalb oder zehn Ganse oder zehn Pfund 
Bratwurst beliebst einem mit Steinen ver 
mengten Salat auszehren könne. Diese Speisen 
gedachte er mit 20 Maß Bier als Tischtrunk 
hinunterzuspülen. 
Mag es ihm wohl bekommen sein!
	        

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