Full text: Hessenland (9.1895)

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D'rauf lassen sie — wie Brüder vertraut — 
Voll selig, frohem Behagen, 
Sich nieder in's blühende Haidekraut, 
Neugierig mit Sagen und Fragen. 
Vom Lnllusfeuer, nach Diesen und Den, 
Vom Vetter ,Su'rß nach der Base Rehn, 
Und „Loll's! Broder Loll's!" 
Dann eilen sie in den Wald hinein 
Und lesen Reisig zusammen; 
Da lohet im herbstlichen Sonnenschein 
Ein Feuer bald züngelnde Flammen. 
Sie tanzen und schreien als Festbardit, 
Wie, wenn sie noch stäken ini Knaben-Habit: 
„Loll's! Broder Loll's!" 
Und erst, als der letzte Funken verglüht, 
Da spricht der Waidmann zum Andern: 
„„Heut' bist Du mir Gast! Du hast wohl die Güt', 
Mit nach dem Forsthaus zu wandern. 
Dort soll, bei perlenden Tropfen vom Rhein, 
Die Kirmeß der Heimath begraben sein! 
Loll's!! Broder Lolls!!"" 
»-¡-äH--* 
Ludwig Wahr. 
Aus alter und neuer Irrt. 
Ausgrabungen zwischen Niederjossa 
und Niederaula. Seit einigen Wochen ist ein 
Einwohner von Niederjossa (Kreis Hersseld) 
damit beschäftigt, auf einem ihm gehörigen Grund 
stücke in dasiger Feldflur, ungefähr in der Hälfte 
der Entfernung zwischen Niederjossa und Nieder 
aula, wo, wie er von seinem verstorbenen Vater 
gehört hatte, „mal etwas gewesen sein sollte", 
Nachgrabungen vorzunehmen. Diese haben, nicht 
tief unter der Oberfläche, die Fundamente eines 
beinahe viereckten Gebäudes, etwa 4,5 m im Quadrat, 
bloßgelegt, andere Mauertheile im Erdboden fest 
gestellt und verschiedene Gegenstände zu Tage 
gefördert, welche beweisen, daß eine menschliche 
Wohnstätte sich dort befunden hat, die aus ein 
hohes Alter schließen läßt. Beispielsweise sind 
Mauern bloßgelegt, die ans groben Feldsteinen, 
anscheinend ohne Mörtelverbindung, hergestellt sind, 
ferner hat man Töpfe und Topfscherben aus ge 
branntem Thon gefunden, die mit der Hand (ohne 
Scheibe) geformt und deren Böden beutelartig aus 
gebaucht sind, sodaß sie nicht fest ausstehen. Man 
zerbricht sich den Kopf darüber, mit welchen Ueber- 
bleibseln der Vergangenheit man es hier zu thun 
hat. Einsender dieser Mittheilung hat sich die 
Fundstätte angesehen und ist ans den Gedanken 
gekommen, daß es sich hier vielleicht um ein Vor 
werk der von Landau in seiner „Beschreibung des 
Knrfürstenthums Hessen" erwähnten, aus dem Wart 
berge über Niederaula belegen gewesenen „Glau 
burg" handelt, einer hessischen Burg, die schon 
früh, im 15. Jahrhundert, zerfallen sein soll. Die 
unerhebliche Entfernung dieser Oertlichkeit von der 
Fundstätte, die Lage der letzteren selbst aus einer 
Anhöhe dicht an der Straße, die von dem Vor 
werke zu ' beherrschen war, die noch vorhandenen 
Spuren einer einstigen Befestigung geben mir 
Grund zu meiner^Annahme, deren Prüfung be 
rufenerer Seite hiermit anheimgestellt sei. L. D. 
Ein an den letzten Kurfürsten gerichtetes 
Bittgesuch um Verleihung einer Ordens 
auszeichnung. Zur Erheiterung unserer Leser 
bringen wir hier den Brief eines Feldschützen aus 
dem Hanauischen an den letztverstorbenen Kurfürsten 
zum Abdruck, worin der Absender um Verleihung 
des silbernen Verdienstkreuzes oder einer anderen 
derartigen Auszeichnung petitionirt. Der Brief ist 
datirt vom 5. November 1861. Das Original 
besitzt die Murhardftche Bibliothek in Kassel. 
„Hoch Wohlgeboren Ihrer Königliche Hoheit 
Ich Habe Schon Schonvielmahl in der Zeitung gelesen, 
daß einer ein Kind Aus dem Wasser Gerettet Hat und 
das sei Bei seiner Hoheit zur Sprache gekommen und 
derselbe Hat von seiner Hoheit das Silber Verdienst Kreuz 
erhalden und Ich Habe einen Mann der Sich er Trienken 
Wolde Gerettet u. Habe ihn Trei Schriette Vor dem 
Wasser (!) eingefangen und der sich Noch Tätlich Gegen 
mich Wieder-Setzt Aber Kraft meines Amtes (!) Gries 
ich ihn bei dem Halz und Triekte ihn zu Boden und ich 
Schickte so gleich Nach Haus Nach dem Bürgermeister und 
mier Brachten ihn Wieder nach Haus und er Lebt Heut 
Noch und Ich Habe von 1833 bis 1838 Im Jäger 
Battaillon Gestanden In der 3 Comp. und Bin Jetzt 
Sieben Jahren Feldschütz Wenn diesses Bei seiner Königliche 
Hoheit zur Sprache gekommen Wiehrre so Hette ich von 
Gott und Rechtswegen ein Goldnes Verdint 
Hoch Wohl Geboren Ihrer Königliche Hoheit sie Werden 
es mier nicht übel nehmen ich Hette Wohl den Antrag 
Bei der Polizei Derction Stellen Sollen Aber ich Weis 
selbst Wo Mein Landes Vatter Wohnt ich Habe ja so 
manch Mahl Posten vor ihm Gestanden und Habe ihn 
Treu Bewacht und das Kind darf sich vor seinem Vatter 
nicht Fürten. 
Hoch Wvhlgeboren Ihrer Königliche Hoheit 
Wenn ihrer Hoheit An mich denken Solde Was Wierde 
es mier Vor ein Vergniegen Machen ich Will Aber von 
Gold und Silber nicht Sagen es darf Ja Sonst ein 
Medal sein sie Wierde mier ebenso Viel Vergniegen Machen 
und Wenn sie nur einen Werd Hette von einem Silber 
groschen sie Muß Aber von seiner Hoheit Kommen Sonst 
Hatte sie keinen Werd Kente mich Aber Ihrer Königliche 
Hoheit Perselich so Bin ich überzeugt ich Bekeme ein 
Silber Kreiz es darfen Auch Alten Berichte Abgefotet so 
Laut einer Wie der Ander Ich Bitte Aber Ihrer König 
liche Hoheit Solde ich etwas zu Viel Geschrieben Habe so 
nehme Ich es Augenblicklich Wieder zurick Ihr Selig 
verstorbner Fligel Adiutanten von Kaldenborn Herr
	        

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