Full text: Hessenland (9.1895)

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andere aber des Druckes werth wären." Sv 
heißt es u. A. in der an seinem Grabe von dem 
Felsberger Metropolitan Elard Biskamp ge 
haltenen Trauerrede. Wir sehen hier die außer 
gewöhnliche Vielseitigkeit der Bildung, die wir oben 
andeuteten, und haben nur noch hinzuzufügen, daß 
Führer auch ein Verehrer der Kunst gewesen ist. 
Leider scheinen die „vielen Aufsätze" sämmt 
lich verloren gegangen zu sein. Nur von zweien 
ist uns wenigstens der Titel erhalten. Der 
eine lautet: „Abbildung der Kriegskunst in Be 
ziehung auf den Offizier, vorgestellt in einer 
militärischen Aufmunterungsrede von einem Ver 
ehrer der Kunst." Göttingen und Kiel 1771. 
Die königliche Gesellschaft in Göttingen erlaubte 
dem Verfasser, der sich im Herbst 1770 einige 
Tage dort aufhielt, diese Rede in ihrem Ver- 
sammluugslokale und in Gegenwart der ein 
geladenen Gelehrten und Offiziere vorzulesen. 
Sie fand Beifall und wurde auf vielseitigen 
Wunsch, namentlich der anwesenden Offiziere, ge 
druckt. 
Der andere Aufsatz trägt folgenden Titel: 
„Solution du problèiue propose par la Società 
de l’agriculture de Cassel pour Fan 1776, 
ayant pour objet les moyens de retablir la 
valeur des immeubles maisons, jardins et 
terres cultivables, tombés au dessous de la 
moitiée de leur juste prix, par Mr. F. G. F. 
1777." Der Aufsatz war in der Fornì eines 
Dialogs zwischen einem Staats- und einem Land- 
mann gehalten und füllte sechs Blätter. Er 
wurde ebenfalls gedruckt. 
Soviel über den Gelehrten! Zu Führer's 
Berufsthätigkeit in den letzten Jahren feines 
Lebens ist noch zu bemerken, daß er 1773 Hesseu- 
Kafselfcher Wege- und Brückeningenieur wurde 
und vom folgenden Jahre ab bis zu feinem Ende 
den vielseitigen Beruf eines Commissarius loci 
und zwar über die Städte Homberg, Gudensberg, 
Felsberg, Borken und Niedenstein ausübte. Er 
starb in seinem Wohnort Felsberg am 24. Sep 
tember 1781, mit Hinterlassung der Wittwe 
(geborene Bippon) sammt zwei Töchtern und vier 
Söhnen, von denen drei ebenfalls in hessischen 
Kriegsdiensten standen. Zu seiner Charakterisirung 
mögen noch die Schlußworte der zum Theil schon 
zitirten Grabrede dienen: „Ihm fehlte es gewiß 
nicht an Fähigkeiten, wodurch er hätte berühmt 
werden können. Sein Temperament aber war 
zu gleichgiltig gegen den Ruhm in der großen 
Welt. Er begnügte sich, in der kleineren den Ruhm 
eines uneigennützigen, ehrlichen und dienstfertigen 
Mannes zu behaupten. Aber auch im gläubigen 
Vertrauen auf den göttlichen Erlöser, den er in 
jüngeren Jahren nicht genugsam gekannt und 
geehrt, nun aber schon lange hatte kennen und 
verehren gelernt, starb er." 
Wir schließen hiermit die Lebensgeschichte des 
gemeinschaftlichen Stammvaters der heute in Hessen 
und über Hessen hinaus verbreiteten Familie und 
fügen zum Schluß noch einige Worte über die 
Söhne des Friedrich Wilhelm Führer, die Be 
gründer der einzelnen Linien, hinzu: 
1. Christoph Friedrich Wilhelm, ge 
boren zu Felsberg am 26. März 1751, wurde 
1767 Fähnrich im Regiment „von Donop" (Hom 
berg) , im folgenden Jahre in das Regiment 
„Garde" (Kassel) versetzt und 1772 im Regiment 
„von Donop" zum Secondlieutenant befördert. 
Er starb als Lieutenant in diesem Regiment am 
4. September 1774 (73?). Von ihm stammt 
die.oben erwähnte Linie ab, die das h noch im 
Namen führt und heute vertreten ist durch den 
, Sanitätsrath Dr. Karl Franz Führer zu Wolf 
hagen und den Bergfaktvr Friedrich Joseph 
Benedix Führer zu Mahlstatt. 
2. Karl August, geboren am 15. Januar 
1753 zu Felsberg, wurde im Dragonerregiment 
j „von Schlotheim" 1774 Fähnrich und 1776 in 
das Regiment „von Knyphauseu" als Secvnd- 
' lieutenant versetzt. Er machte als Brigade 
adjutant (Brigademajor) den amerikanischen Feld- 
! zug mit und nahm nach Beendigung des Krieges 
als Kapitän seinen Abschied. Er starb am 
1 8. Dezember 1836 zu Felsberg. Sein Sohn und ein 
Enkel wurden ebenfalls wieder Offiziere. Letzterer 
lebt noch als k. k. österreichischer Oberstlieutenant 
a. D. zu Wien. 
3. I o h a u n H e l f r i ch, geboren am 13. August 
1758 zu Felsberg, wurde im Dragonerregiment 
„von Schlotheim" 1774 Fähnrich und 1777 zum 
Secondlieutenant befördert. Später stand er als 
Premierlieutenant im Leibdragonerregiment und 
zuletzt beim Regiment „Gensd'armes", wo er 
1794 als Rittmeister feinen Abschied nahm. Unter 
Jerome bekleidete er zu Felsberg die Stellung 
eines Cantonsmaire. Er starb daselbst im Jahre 
1816. Die Nachkommen haben sich theils dem 
geistlichen, theils dem juristischen Staude gewidmet. 
4. Karl Friedrich Viktor, geboren ?, 
wurde 1776 Fähnrich im Regiment „von Knyp- 
haufen", ging als solcher ebenfalls mit nach 
Amerika, wurde aber bei dem Ueberfall von Trenton 
gefangen genommen und engagirte sich bei dem 
vorzugsweise aus hessischen Deserteurs bestehenden 
„Rebellencorps" als Kapitän. Er starb 1794 in 
Virginien ohne Nachkommenschaft. 
5. Konrad Martin Ludwig, geboren zu 
Felsberg am 11. April 1770, lebte später als
	        

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