Full text: Hessenland (9.1895)

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gärtner, der jedoch als Ausländer trotz seiner 
Natnralisirnng in Oesterreich manche ungerechte 
Anfeindungen zu erdulden hatte. 
T Raummangel verbietet uns leider, über einige weitere, 
in der heutigen Nummer unter „Personalien" aufgeführte 
Todesfälle ausführlicher zu berichten. 
Hessische Bücherschau. 
Geschichte der Deutschvrdensballei Hessen 
nebst Beiträgen zur Geschichte der länd 
lichen Rechtsverhältnisse in den Com- 
menden Marburg und Schiffenberg. 
I. Teil. Bis 1360. Bon vr. Karl Held 
mann. (Sonder-Abdruck aus der Zeitschrift 
des Vereins für hessische Geschichte und Landes 
kunde. N. F. Bd. XX.) Kassel, 1894. 8«. 
191 S. (Mk. 2.) 
In ihrem ersten Teile wurde vorstehende Schrift 
bereits 1892 versaßt und 1893 von der philo 
sophischen Fakultät zu Marburg preisgekrönt. In 
letzterem Jahre noch entstand der zweite Teil als 
Inaugural-Dissertation. 
Ausfallender Weise fließen die Quellen der 
Geschichte des Deutschordens sehr spärlich. Auch 
über die Ballei Hessen, welche die bedeutendste 
deutsche Niederlassung des Ordens ist, bieten die 
Chronisten nur wenige Nachrichten von geradezu 
befremdender Kürze. Dagegen finden wir ein 
reiches und sicheres Urkundenmaterial. An der 
Hand dieses Materials, das in mustergültiger 
Weise von Arthur Whß*) veröffentlicht worden 
ist, liefert der Vers., der ein selbständiges und 
besonnenes Urteil zeigt, eine durchaus gediegene 
Darstellung der Geschichte der Ballei. Die Aus 
führungen sind durch die sorgfältige Behandlung 
der Kultur- und Rechtsgeschichte, besonders wertvoll. 
Die Schrift ist um so dankenswerter, als die 
letzte Darstellung der hessischen Ordensballei**) un 
zuverlässig ist. 
Der erste Hauptteil***) behandelt in seinem 
ersten Abschnitte den deutschen Orden in Hessen 
bis zur Errichtung der Commende Marburg 
(1207—1234). Auf dem Hostage zu Nordhausen, der 
vom 15. August 1207 ab gehalten wurde, schenkte 
*) Publikationen ans den Kgl. Preußischen Staats 
archiven, III. Bd. Hess. Urkundend. I. Wyß, Urk.-Buch 
der Ballei Hessen. I, 1879 (bis 1300); II, 1884 (bis 1360). — 
**) Andersonn, der Deutschorden in Hessen bis 1300. 
Jnaug.-Diss., Königsberg 1891. — 
***) Zu der in der Einleitung angegebenen Litteratur 
möchten wir noch die von Max Töppen heraus 
gegebenen Akten der Ständetage Preußens unter der 
Herrschaft deß Deutschen Ordens, I—III, Publ. d. Ver. 
f. d. Gesch. d. Prov. Preußen (Leipz. 1878—81) nach 
tragen, sowie die Ausführungen in der Hist. Zeitschr. 
36, 580; 45, 125; 46, 431. — 
Friedrich, Sohn des Landgrafen Hermann I. von 
Thüringen, durch seine Gemahlin, die ziegenhainische 
Erbtochter Luckardis, Graf von Ziegenhain-Wil- 
dungen, vor König und Reichsversammlung die 
Kirche zu Reichenbach nebst aller Zubehör an den 
deutschen Orden. Am 25. Februar 1211 wurde die 
Schenkung durch Erzbischof Siegfried II. von 
Mainz bestätigt, jedoch schon am folgenden Tage 
widerrufen, da die Ziegenhainer das Patronat 
verloren hatten, das Verfügungsrecht aber dem 
Erzbischof selbst zustand. Dieser schenkte nun 
seinerseits die Reichenbacher Kirche an den Orden 
mit der Erlaubnis, weitere Erwerbungen zu machen. 
Bedeutende Besitzerweiterungen brachte der Eintritt 
des Grafen Heinrich III. von Ziegenhain-Reichen- 
bach-Wegebach in den Orden (1219); ebenso wurde 
der Besitz 1221 durch Ludwig von Hersseld nicht 
unbeträchtlich erweitert. Seit dieser Zeit finden 
wir Reichenbach als Commende. In Folge des 
ziegenhainisch-thüringisch-mainzischen Erbsolgestreites 
fristete das deutsche Haus in Reichenbach nur ein 
kümmerliches Dasein; jedoch wurde die Macht des 
Ordens an anderen Punkten des Hessenlandes durch 
günstigere Verhältnisse in den folgenden Zeitläuften 
befestigt. Von besonderer Bedeutung war die 
Unterstellung des Franziskus-Hospitals zu 
Marburg unter den Orden am 1. Juli 1234, 
sowie der Eintritt des Landgrafen Konrad mit 
2 Klerikern und 9 Rittern, der noch am 18. November 
desselben Jahres erfolgte. Zugleich wurde dem 
Orden durch Konrad ein bedeutender Landbesitz*) 
zugesichert durch Überweisung landgräslicher Allode, 
j mit voller Abgaben- und Lastensreiheit, allen 
Nutzungen, Gerichtsbarkeit und Banngewalt, wie 
sie die Landgrafen besessen; von Seiten des Land 
grafen wurde auf alle landgräfliche Vogtei, Gerichts 
barkeit und Dienste verzichtet, welche Rechte aus 
den Orden übergingen. Alsbald nun wurde die 
neugeschaffene Ordensniederlassung zur Commende er 
hoben. Der folgende Abschnitt schildert die Commende 
Marburg von 1234 bis 1360. In der Zeit von 
1234 bis 1255 entwickelte sich die Ballei Hessen. 
Außer der Grundsteinlegung zur Elisabethenkirche 
(14. August 1235) und der feierlichen Erhebung 
der Gebeine der Heiligen (1. Mai 1236), welche 
Feier den Namen des Deutschordens zu Marburg 
über das ganze Abendland verbreitete, ist die 1237 
in einem Generalkapitel zu Marburg erfolgte 
Einverleibung der Schwertbrüder Livlands in den 
*) Dieser Besitz bestand aus zwei gesonderten Gebieten; 
das eine lag im Unstrutthale bei Weißensee, das 
andere (Hessen) umfaßte alle landgräslichen Allode in der 
Mark von Marburg nebst der Mühle beim Hospitale 
und alle Güter des landgräflichen Hauses in Mardorf 
und Werflo (Kirchhain).
	        

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