Full text: Hessenland (9.1895)

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Handwerksburschen lieb. Unter dieser Ueber- 
schrift veröffentlicht die letzte Nummer der „Erwin ia" 
in Straßburg folgendes Lied: 
In Lust. Lust leben wir. 
In Lust, Lust schweben wir. 
Und wer in Lust-Lust schwebt, 
Der is mi Bruder. 
Ich geh in's Müller's, 
Und du in's Becke, 
Ich krieg e Häufele Mehl 
ttnd du e Wecke. 
In Lust. Lust rc. 
Ich nehm de Speck 
Und du die Anke; 
I sah: Vergelt der's Gott, 
Und du mußt danke. 
In Lust, Lust rc. 
Ich häng de Schnappsack an 
Und du de Stecke, 
I streif de Dörfer aus 
Und du de Flecke. 
In Lust, Lust rc. 
Hat mich mei Meister net lieb. 
So läßt er's bleibe, 
Wer weiß, ob mir's gefällt. 
Bei ihm zu bleibe. 
In Lust, Lust rc. 
Hab ich noch Geld, Geld, Geld 
In meiner Tasche, 
So hab ich Gluckgluckgluck 
In meiner Flasche. 
In Lust, Lust leben wir, 
In Lust, Lust schweben wir, 
Und wer in Lust-Lust schwebt, 
Der is mi Bruder. 
Von diesem Liede wird ausgesagt, daß es ans 
der Gegend von Hagenau sei. Ich entsinne mich 
jedoch, in meiner Jugend die beiden letzten Strophen 
in dem hier gegebenen Zusammhange in Kassel 
gehört, ja sogar selbst, unter anderen Jungen, mit 
gesungen zu haben. Auffallend ist in der vierten 
Strophe das Wort „Anke" für Hinterkops, Nacken, 
das in ganz Hessen ein gebräuchlicher Ausdruck ist, 
sowie in der zweiten Strophe das Wort „Wecke", 
das ebenfalls (s. Vilmar's „Idiotikon") nach 
Hessen führt. Wer weiß über dieses Lied, als 
denl hessischen Volksmunde nicht fremd, Auskunft 
zu geben? Gart Sreser. 
Aus Aelmath und Fremde. 
Den Freunden des „Hessenland" können wir 
heute mittheilen, daß die für den Grabstein 
Ferdinand Zwenger's eingegangenen Gelder, über 
die seiner Zeit quittirt ist, dem Vorsitzenden des 
in Fulda zusammengetretenen Ortsausschusses Privat 
mann Nehrkorn behändigt sind, und daß die Her 
stellung eines einfachen, aber würdigen Denkmals 
der bestens bekannten Firma Gramer in Fulda 
übertragen worden ist, die mit der Ausführung 
der Arbeit bereits begonnen hat. 
Unser hessischer Landsmann Oberbaurath Schäfer, 
Professor au der technischen Hochschule zu Karls 
ruhe, der rühmlichst bekannte Gothiker, hat für 
den beabsichtigten Ausbau des im Jahre 1688 
von den Franzosen so schmählich zerstörten Heidel 
berger Schlosses Pläne entworfen, die an maß 
gebender Stelle vollen Beisall gefunden haben und 
alsbald zur Ausführung gelangen sollen. 
Der eingestürzte G l o ck e n t h u r m von 
Hersseld. — Wenn noch in Nummer 10 vom 
laufenden Jahrgange dieser Zeitschrift geschrieben 
wurde: ob der am 26. Mürz d. I. theilweise 
eingestürzte Glockenthurm, das älteste Bauwerk der 
Stadt Hersfeld, zu erhalten sein wird, ist noch un 
entschieden, die Meinungen Sachverständiger darüber 
sind getheilt, — so sind wir jetzt zu unserer Freude 
in der Lage, unsern Lesern aus zuverlässigster Quelle 
mittheilen zu können, daß die Erhaltung des alt 
ehrwürdigen Bauwerkes gesichert ist und die Ar 
beiten zur Wiederherstellung des eingestürzten Theiles 
unverzüglich in Angriff genommen werden sollen. 
Diese Nachricht wird nicht nur der Bürgerschaft 
der alten Stadt Hersseld, sondern allen Freunden 
geschichtlicher Alterthümer hoch willkommen sein. 
Universitätsnachrichten. Am 22. September 
verschied zu Göttingen, 73 Jahre alt, der seitherige 
Professor der Rechte an der Universität Zürich 
Heinrich Alexander Friedrich Fick, ein Bruder 
des Würzburger Physiologen Adolf Fick und Sohn 
des weiland kurhessischen Oberbauraths Fick zu 
Kassel. Fick las vor allein über römisches Recht, 
Handels- und Wechselrecht, doch liegt seine wissen 
schaftliche Bedeutung besonders in der Förderung 
der schweizerischen Handels- und Wechselgesetzgebung 
und in seinen geistreichen Arbeiten über das 
schweizerische Obligationenrecht, für dessen Zustande 
kommen er auch kräftig gewirkt hat. Die 
literarische Produktion des Verstorbenen war 
überhaupt eine großartige, kaum zu übersehende; 
alle bedeutenderen juristischen und national 
ökonomischen Blätter zählten ihn bis in die letzte 
Zeit zu ihren fleißigsten Mitarbeitern. In Nr. 15 
dieses Jahrgangs konnten wir noch über die ihm 
kürzlich bei Gelegenheit der Niederlegung seiner 
Professur aus Gesundheitsrücksichten zu theil ge 
wordenen Ehrungen berichten. 
Am 24. August ist in Wien unser Landsmann 
Gustav Sennhvlz, städtischer Garteninspektor 
daselbst, nach kurzem Leiden verstorben, das er sich 
auf einer Forschungsreise nach den Adrialändern 
, zugezogen hatte. Sennholz war ein sehr kenntniß- 
I reicher Botaniker und ein sehr tüchtiger Landschasts-
	        

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