Full text: Hessenland (9.1895)

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Schlachten bei Nocour (11. Oktober 1746) und 
Lawfeld (2. Juli 1747). In beiden Schlachten 
mußten die Verbündeten den Franzosen das Feld 
räumen. In beiden aber hatten sie auch dem 
größten französischen Feldherrn der damaligen 
Zeit gegenüber gestanden. 
Kehren wir nun nach dieser, für nothwendig 
gehaltenen Abschweifung, zur Sache zurück! 
Wir erwähnten bereits, daß das Regiment Prinz 
Maximilian im Juli 1744 aus seinen Stand 
quartieren aufgebrochen sei. Führer stand da 
mals in der Kompagnie des Majors Karl 
von Schwertzell. Er machte sämmtliche fünf 
„Campagnen" seines Regiments mit, die baye 
rische und die drei ersten in den Niederlanden 
noch als Körnet, die fünfte mit der Schlacht bei 
Lawfeld als Lieutenant.*) Im Jahre 1748, 
wohl gleich nach Abschluß des Friedens, reichte 
er seinen Abschied ein, erhielt denselben aber ent 
weder nur aus bestimmte Zeit bewilligt oder 
machte selbst nur vorübergehend Gebrauch davon, 
da er zwar im Regimentsrapport vom 80. De 
zember 1748 als „keine Dienste thuend" aus 
geführt wird, seine Entlassung aber erst im Jahre 
1751 erhielt. Mittheilungen über interessante 
persönliche Erlebnisse und Thaten scheinen nicht 
vorhanden zu sein. Soviel steht jedoch fest, daß 
Führer ein in jeder Beziehung tüchtiger Offizier 
gewesen ist. Seine Vorgesetzten stellten ihm zur 
Unterstützung des erwähnten Abschiedsgesuches dem 
Landgrafen gegenüber das Zeugniß aus, „daß er 
in den vorgefallenen Campagnen und allen 
Militäroccasionen als ein rechtschaffener Offizier 
sich erwiesen habe". 
Vom Jahre 1751 bis 1757 that Führer keine 
Dienste. Wahrscheinlich nahm er nach seiner 
Entlassung zunächst die unterbrochenen juristischen 
Studien wieder auf. Eben in diesen Jahren der 
Muße mag er aber nurf) seine Bildung zu jener 
außerordentlichen Vielseitigkeit erweitert und ver 
vollkommnet haben, die wir später an ihm be 
wundern werden. In diese Zeit füllt auch eine 
zweijährige Reife nach Frankreich, die er im 
Jahre 1753 mit den beiden Prinzen Friedrich 
August und Johann Adolf von Nasfau-Usingen 
unternahm. Leider fehlt jede nähere Nachricht 
darüber. 
Wir kommen nun zu jener Zeit, wo Führer 
zum zweiten Male die Wissenschaften mit dem 
Kriegshandwerk vertauschte. Im September 1756 
hatte im fernen Osten der siebenjährige Krieg 
0 Diese^ Schlacht scheint die letzte kriegerische Aktion 
gewesen zu sein, an der das Regiment sich betheiligte, doch 
blieb letzteres noch bis in den Dezember 1748 hinein in 
polland zurück. Vergl. Rapport vom 30. Dezember 1748. 
begonnen. Schon im folgenden Jahre aber sollte 
sich im Westen Deutschlands ein zweiter Kriegs 
schauplatz aufthun. England, die einzige mit 
Preußen verbündete auswärtige Macht, bildete 
aus englischen, hannöverschen, braunschweigischen, 
gothaischen und sämmtlichen hessischen Truppen 
die sogenannte alliirte Armee, die zunächst unter 
dem Oberbefehl des Herzogs von Eumberland 
stand, seit 1758 aber von dem ebenso tapferen 
wie genialen Herzog Ferdinand von Braunschweig 
geführt wurde und bis zum Ende des Krieges 
hier im Nordwesten Friedrich bem Großen un 
schätzbare Dienste leistete. 
Wie in den meisten der betheiligten Armeen, 
so wurde 1758 auch in der hessischen ein Jäger 
corps errichtet. Diese durch ihre Tapferkeit be 
rühmt gewordene Truppe bestand zunächst nur 
aus zwei Kompagnien zu Fuß, wurde aber schon 
im folgenden Jahre um weitere zwei vermehrt, 
wozu dann am Ende desselben Jahres noch zwei 
Kompagnien zu Pferde hinzukamen. Am Schluß 
des Krieges wurde das Corps wieder aufgelöst. 
Tie Führerstellen besetzte man wie die der 
in diesem Kriege neu errichteten Truppentheile 
überhaupt vorzugsweise mit pensionirten Offizieren. 
Der Held unserer Darstellung, der während des 
ersten Kriegsjahres als „Kommissarius" *) thätig 
gewesen, erhielt eine Kapitänsstelle unb zwar als 
ehemaliger Kavallerieofsizier vermuthlich in einer 
der beiden berittenen Kompagnien. Nur so ver 
mag ich mir es auch zu erklären, daß mein seliger 
Großvater ihn als „Rittmeister" den siebenjährigen 
Krieg mitmachen ließ. Dieselbe Ouelle wußte 
auch, wenn ich mich nicht irre — es ist schon 
lange her — von einer Verwundung dieses 
„Rittmeisters" zu erzählen. Zu Anfang des letzten 
Kriegsjahres, im Januar 1762, wurde Führer 
unter Beförderung zum Major vom Jägercorps 
in das Regiment von Kutzleben versetzt. Wes 
halb er hier schon im August 1763 seinen Ab 
schied nehmen mußte, ist nicht bekannt. Ten 
Majorstitel behielt er bei. 
Damit schließt die militärische Laufbahn 
Führer's. Wir haben ihn nun noch als Gelehrten 
zu betrachten. 
„Sein Verstand und treues Gedächtniß versah 
ihn mit einer Menge nutzbarer Kenntnisse, nicht 
nur in historischen und philosophischen, sondern 
auch in politischen, statistischen, ökonomischen, 
Finanz- und Kameralwissenschasten war er un- 
gemein erfahren. Hiervon zeugen auch viele 
schriftliche Aufsätze, deren einige gedruckt sind, 
*) Das „Kriegskommissariat" war eine unserer heutigen 
Intendantur entsprechende Einrichtung.
	        

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