Full text: Hessenland (9.1895)

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Grotten, und dergleichen, sogar auch die springende 
Wasser, natürlich dem Auge darstelle»; so, daß 
Ich die gegründete Hofnung fassen kann, es werde 
keiner der Zuschauer, welcher dieses kostbare Werk, 
auf welches Ich, ausser der unsäglichen Arbeit, 
vieles verwendet habe, zu sehen würdigen wird, 
mißvergnügt von mir weggehen, sondern Ihm eben 
den Beyfall gönnen, womit solches bereits Hohe 
Herrschaften und Kenner der Kunst zu beehren 
gewürdiget haben. 
Ausser dem zeige Ich, eine in einem Glaß 
künstlich angebrachte Verriegelung, die sich von 
allen andern dieser Art, welche man haben möchte, 
gänzlich unterscheiden und jedermann unbegreiflich 
vorkommen wird; deswegen auch nicht nur schon 
verschiedene grose Fürsten mich gewürdiget haben, 
mich über diese Sache unb deren Beschaffenheit in 
höchsteigener Person zu befragen, sondern es hat 
sich auch dieses Kunst-Stück dergestalt in den Ruf 
gesetzt, daß Ich davon viele Proben habe ver 
fertigen und an grose Höfe und so gar auch nach 
Frankreich versenden müssen. 
Alle diese künstliche Werke sind bey mir diese 
Messe über zu sehen, in der Frau Witwe Clemens 
Behausung, aus der Oberneustadt in der Königs 
strasse, allernächst am Schwarzen Adler, von morgen 
9 Uhre bis mittags um 1 Uhre und wiederum 
von 2 bis Abends um 9 Uhre. 
Und da es nicht thunlich ist dieses Werk Bor 
nehmen Personen ins Hauß zu bringen: so werde 
ich doch, diejenigen Stunden in welchen sie dieses 
Werk besehen zu wollen, befehlen, Ihnen offen zu 
lassen, nicht ermangeln. 
Es bezahlet aber die Person, um dieses alles zu 
sehen, nach Beschaffenheit ihrer Umstände 2, 3 und 
4 Ggr. Standespersonen aber überlässet man es 
ihrer eigenen Entschließung, was sie zu zahlen 
dem Werke gemäß finden wollen. Cassel, den 
20ten August 1770. 
Avertissement. 
Mit hoher Erlaubniß 
Wird mit diesem an alle nach Standesgebühr 
Hochzuehrende Herren und Dames bekannt gemacht, 
daß nach einem accuraten verjüngten Maase, 
nemlich wie 1 gegen 17, so daß dieses Modell 
circa 14 Fuß lang, und 7 Fuß breit, künstlich 
in Londen, und beynahe alles aus denselbigen 
Materien gemacht ist 
durch David Reich von St. Gallen 
Die Hütte des Stiftes 
So wie dieselbige nach Gottes Befehl durch 
Mosen in der Wüsten Sinai zur Verrichtung des 
Levitischen Gottesdienstes ist verfertigt worden, 
beschrieben in dem 2. Buch Mosis Cap. 25, 26, 
27 und 28 wie auch Cap. 36, 37, 38 und 39, 
nach welcher Beschreibung, als auch die der vor 
nehmsten so Christlich als jüdischen Gelehrten 
dieses Werk zusammengestellet ist, vorstellend: 
1) Die Hütte selbst, mit ihren Brettern, Zapfen, 
Füssen, Riegeln und Klammern: vertheilet a) in 
das Heilige der Heiligen, d) das Heilige mit den 
9 Säulen und ihren gestickten Vorhängen, wie 
auch die güldene Geräthe. nemlich im Allerheiligsteu, 
die Lade des Bundes, der Gnaden-Stuhl mit den 
Cherubinen, in der Lade die zwey steinerne Tafeln 
des Gesetzes, dabei die blühende Ruthe Aarons, 
und das Krügleiu zu dem Manna, an einer Seite 
die 5 Bücher Mosis, an der andern aber die nach 
der Zeit dazu gekommene Schuldopser der Philister, 
nemlich die 5 güldene Mäuse und Feige-Warzen, 
in dem Heiligen aber der güldene Rauchaltar, der 
güldene Tisch der Schaubrodten mit seinen Brodten, 
Schüsseln, Schalen, Gabeln und Röhren, als auch 
der güldene Leuchter mit seinen Knäuffen, Blumen 
und Lampen, desgleichen die Decken über die Hütte, 
sowol die zu beyden Seiten mit Cherubinen ge 
stickte, als auch die drey übrigen. 
2) Der um die Hütte gebauete Vorhos mit 
seinen 56 Säulen, Vor- und Umhang in dem 
Vorhof der Brandopfers-Altar mit seinem Geräthe 
als Aschen-Töpse, Gabeln, Schauffeln, Rauchpsannen, 
desgleichen das Eherne Saudfaß mit seinem Fuß, 
wie auch die Schlacht-Tische und Säulen, da 
werden auch vorgestellet durch Figuren in ihrer 
Kleidung, einige Opfer und andere Verrichtungen, 
zu zeigen die Weise wie, und den Ort wo, endlich 
auch ins grosse die Kleidung des Hohenpriesters. 
Dieses oben gemeldete soll von heute an bis 
den 21. dieses Monaths mit nöhtig beyzufügender 
Auslegung gezeiget werden im Kunsthause zweymal 
des Tages, als um 4 und 6 Uhr Nachmittags, 
da die Auslegung jedesmal mit dem Glockenschlage 
seinen Ansang nehmen soll. Man bezahlet für 
den ersten Platz 8 ggr. und für den letzten Platz 
4 ggr. Mau zweifelt nicht, daß alle, die Lieb 
haber sind, es sey von den jüdischen Alterthümern 
ins besondere, oder vom Gottesdienst und der 
heiligen Schrift insgemein, oder wenigstens von 
Künsten und Wissenschaften, werden hoffentlich an 
dieser so viel möglich accuraten, als auch köst- und 
künstlichen, wie auch nützlichen Vorstellung ein 
Vergnügen finden. Worzu ich dann insbesondere 
die Wohlehrwürdigen und Hochgelahrten Herrn 
Professores, Pastores, als auch andere Gelehrte, 
gehorsamst freundlichst invitire, als welche mir 
noch bis daher aller Orten die Ehre ihres Zuspruchs 
gegönnet.
	        

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