Full text: Hessenland (9.1895)

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die bei der Kanzlei ventilirt werden, um soviel 
weniger einiger Parteilichkeit zu be 
fahren, wollen Ihre Fr. G. über dasjenige, 
was diesfalls in der Kanzleiordnung schon ent 
halten, darinnen zum Ueberfluß noch ferneres 
den Räthen per Kknerulsra rslaxationain ihrer 
Pflichten 6V6ntua1it6r erlassen." 
(Fortsetzung folgt.) 
Sehenswürdigkeiten der Kasseler Messen im vorigen 
Jahrhundert. 
Mitgetheilt von vr. Hugo Brunner. 
(Fortsetzung.) 
J,V6rti886N16Nt. 
Ich habe geglaubet, meinem Vaterlande keine 
Unehre zu machen, wenn ich die Gaben, welche 
die göttliche Güte mir zuflüssen lassen, und von 
denen eine Probe abzulegen, mich in den Standt 
gesetzt hat, nicht nur im Merck selbst, Sr. Hoch- 
fürstl. Durchl. unserm ruhmwürdigst regierenden 
Landesherrn, unterthänigst vor Augen stellte, sondern 
auch bey Gelegenheit der hiesigen hochansehnlichen 
Messe dem öffentlichen Urtheile aller Kunstliebenden 
billigen Richter, in gebührender Ehrfurcht anheim gäbe. 
Ich verhoffe also, von einem Hochverehrten Publicum, 
die Erlaubnis zu erhalten. Demselben folgende Nach 
richt ertheilen zu dörffen, daß Ich Johann Andreas 
Bauer, Kunstschreiner zu Eschwege in Hessen, vor 
ungefehr 14 Jahren, angefangen habe, diejenige 
Wissenschafft und Übung, womit Ich in meiner 
Prosession mich hervorzuthun bemühet gewesen bin, 
auch auf andre Kunstwerke zu verwenden, und 
durch Nachsinnen und Fleiß, auch mit gedultiger 
Hand, etwas hervorzubringen gesucht habe, wodurch 
in andern Menschen, die Güte Gottes, durch welche 
er auch schlechtscheinende Gesässe, mit Weisheit 
und Verstand nicht selten ausrüstet, zu bewundern 
Gelegenheit geben möchte. In dieser Gesinnung 
habe Ich dann, nach langwieriger unverdrossener Ar 
beit, ein Mechanisch-Optisches und Hydrauliches [so!] 
Werk zu stände gebracht, welches, bey seinem 
ersten Anblick, sich als ein längliches 4 Fuß hohes, 
oben mit er Galerie versehenes Gebäude, vor 
Augen stellet, welches allenthalben auswendig ver 
goldet, oder mit Silber und Vermiß überzogen, 
und mit vielen, mit eigener Hand verfertigten 
Figuren und andren Zierathen, so umgeben ist, 
daß Ich wohl hoffen kan, es werde dieser erste 
Anblick, den Liebhabern der Kunst und des Schönen, 
nicht Mißfällig seyn. Durch die an dieses Gebäude, 
welches nur das äusere Gehäuse ist, angebrachte 
Maschinen, erhebet sich nach und nach, aus dessen 
innern ein prächtiges überall mit Gold-, Silber und 
Vernisirten Farben, auch vielerlei) Figuren bedecktes 
Gehäuse, dergestalt, daß solches nicht nur dadurch 
aus 8 Fuß hoch wird, sondern daß auch, wenn es 
sich völlig in die Höhe erhaben hat, das Ganze in 
genauer Übereinstimmung mit allen seinen Theilen 
bleibet, sodann auch meinem Begriff und meiner 
Meinung nach, die Regeln der Architectur und 
eine gute Symmetrie, daran sind gewahret worden. 
Dieses Gebäude giebt alsdann denen Zuschauern, 
sowohl in seinen Facaden, als auch, wenn sie 
durch Gläser in das Inwendige hinein sehen, 
folgende Geschichte, aus eine liebliche und erquickende 
Weise zu erkennen: 
1) Abrahams vorhabendes Opfer seines Sohns 
Jsaacs, samt den damit verbundenen Umstünden. 
Nächstdem ist daran zu sehen. 
2) Der prächtige Thron Salomons und wie er 
aus demselben das weise Urtheil fället. 
3) Die Freudenreiche Geburt unsers Heilandes. 
4) Wie der Heyland mit seinen Jüngern das 
Osterlamm isset. 
5) Die Gesangennehmung desselben im Garten 
Gethsemane. 
6) Des Apostels Petrus Verläugnung unseres 
Heylandes, in des Hohenpriesters Pallast. 
7) Die Geiselung des Herrn Christus, und sein 
Tragen des Creutzes nach Golgatha. 
8) Die Kreutzigung desselben zwischen den zween 
Schächern. 
9) Die Begräbniß, 10) Die Auferstehung. 
11) Die Himmelfahrt des Herrn Christus. 
12) Die 12 Aposteln, als Märterer mit ihren 
Marterzeichen. 
13) Die Martergeschichte der ersten Christen 
unter dem Kahser Diocletianus. 
14) Eine sehenswürdige Grotte, mit allerhand 
künstlich angebrachten springenden Wasser. 
Es muß dieses einem jeden Kenner der Kunst 
sowohl, als auch allen andern, welche etwas schönes 
und wunderbares zu sehen Lust tragen, um so 
vergnüglicher ins Auge fallen; da alle diese Ge 
schichte und Nachahmungen der Natur, in lauter 
Holtz künstlich eingearbeitet sind, und sich mit 
allen ihren Höhen und Vertiefungen, Sälen, Hölen,
	        

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