Full text: Hessenland (9.1895)

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veröffentlichen. Allein dies Unternehmen erwies 
sich aus mehrfachem Grunde bald als unaus 
führbar, sodaß ich mich genöthigt sah, mir 
eine Beschränkung aufzuerlegen, wie sie in der 
Ueberschrift angedeutet ist. Wenn trotzdem die 
hier vorgeschriebenen Grellzen nicht ganz streng 
eingehalten sind, so wird dies durch den Haupt- 
zweck der Arbeit, vor allem ein Stück hessischer 
Familiengeschichte zu bieten, gerechtfertigt sein. 
Im Jahre 1720 starb zu preußisch Minden der 
königliche Landbaumeister Michael Führer. Wo 
er geboren, ob, wie die Tradition will und das 
von der Familie geführte Wappen anscheinend 
bestätigt*), als ein Abkömmling der alten Nürn 
berger Patrizier- und Adelsfamilie gleichen 
Namens**), scheint alleil Aufklärungsversnchen zum 
Trotz Geheimniß bleiben zu sollen. Abgesehen 
von dem, was jene trockene Kirchenbuchsnotiz 
enthält, verlautet über ihn nichts weiter, als daß 
er der Erbauer der Weserbrücke zu Minden ge- 
wesen und — was uns am meisten interessirt — 
daß ihm 1717 daselbst ein „Söhnlein" geboren 
ist, in der heiligen Taufe Friedrich Wilhelm 
genannt. 
Des Letzteren Lebensgeschichte läßt sich deut 
licher übersehen als die des Vaters, und da sie 
zugleich einiges Interessante bietet, finb ihr die 
folgenden Zeilen vor Allem gewidmet. 
Knaben- und erste Jünglingsjnhre sind auch 
hier noch in Dunkel gehüllt. Die in Strieder's 
„Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und 
Schriftstellergeschichte" Band 4 enthaltene Bio 
graphie Friedrich Wilhelm Führer's, die ich 
meiner Darstellung zu Grunde gelegt, freilich 
auch mehrfach zu berichtigen habe, eilthält keinerlei 
Andeutung darüber. Erst als Studiosus der 
Rechte lernen wir ihn hier kennen und erfahren 
weiter, daß er diesen: Studium mehrere Jahre 
und zwar aus den Universitäten Halle, Jena und 
Rinteln obgelegen. 'Nach letztgenannter Musen 
stadt kam er im Jahre 1740. Anstatt hier aber, 
seiner ursprünglichen Absicht gemäß, seine „aka 
demischen Bemühungen zu endigen", zog Führer, 
wie wir ihn nun kurz nennen wollen, es vor, 
bei einer der beiden Eskadrons des Kavallerie 
regiments Prinz Maximilian st), die in Rinteln 
ihr Standquartier hatten, in Hessen-Kasselsche 
Kriegsdienste zu treten. Hier wurde er schon 
die das h beibehalten hat. Die sonst noch in Hessen viel 
fach vorkommenden Familien Führer haben mit der obigen 
nichts gemein. 
*) Doch fragt es sich eben, vb auch Michael Führer 
es schon besessen. 
**) Fttrer v. Haimendorf, heute Freiherr v. Fürer. 
f) So benannt nach dem Bruder Landgraf Friedrich's 1. 
Anfang des fosgenbeu Jahres zum Adjutanten 
und ein Jahr später zum Körnet befördert.*) 
Unterdessen war, zunächst zwischen Oesterreich 
(Maria Theresia) und Bayern (Karl Albert) 
der sogenannte österreichische Erbsolgekrieg aus 
gebrochen. Beide Parteien bezw. deren Bundes 
genossen bewarben sich im Verlaufe des Krieges 
bei dem damaligen Statthalter, späteren Land 
grafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel um 
Ueberlassung von Hilsstruppen gegen Zahlung 
von „Subsidien", und da letzterer unter dem 
Druck der allgemeinen Verhältnisse zu eitler An 
näherung bald an die eine, bald an die andere 
Koalition sich gezwungen sah, so kam es, daß 
hessische Truppen bald hüben, bald drüben, eine 
Zeit lang sogar hüben und drüben, engagirt 
waren.**) Die Mehrzahl derselben hatte bereits 
in den ersten Kämpfen des Krieges mitgestritten. 
Das Regiment Maximilian, dessen Betheiligung 
uns allein hier interessiren darf, verließ erst 
im Juli 1744 seine Standquartiere in Nieder 
hessen, um nach dem Kriegsschauplatz in Bayeril 
abzurücken, st) Es traf hier im September das 
ganze hessische Corps unter dem Erbprinzen 
Friedrich wieder vereinigtstst) imb nahm mit dem 
selben an den ebenso verlustreichen wie erfolglosen 
Kümpfen gegen die in Bayern eingedrungenen 
österreichischen Heere Theil, denen der Friede zu 
Füssen im April 1745 ein Ziel setzte. Doch es 
warteten seiner noch weitere Kämpfe. Der Friede 
zu Füssen sollte nur einen Wechsel des Kriegs 
schauplatzes bedeuten. In den Niederlanden 
wurde mit Erbitterung von Oesterreich, England, 
Holland einerseits, Frankreich und Spanien 
andererseits weiter gestritten, und das Jahr war 
kaum zu Ende, da tauchten auch hier wieder die 
bekannten hessischen Regimenter auf, die man 
nun einmal nicht entbehren zu können schien, 
darunter auch wieder unser Regiment Prinz 
Maximilian. Zur Abwechslung setzten sie ihr 
Leben einmal wieder für Oesterreichs Sache ein 
und nahmen rühmlichen Antheil an den beiden 
*) Die Adjutantencharge scheint damals die Vorstufe 
zum Offizier gewesen zu fein, Offizier war nur der 
Brigadeadjutant. 
**) Freilich unter der Bedingung, daß sie niemals im 
Felde gegenübergestellt werden sollten. 
t) Der Ouartierliste vom 10. Juli 1744 zufolge lag 
damals das Regiment über einen großen Theil von 
Niederhessen in Quartieren zerstreut. Ta nun feststeht, 
daß es die bayerische Campagne mitgemacht hat und das 
ganze hessische Corps im September in Bayern vereinigt 
war, so darf wohl mit Sicherheit angenommen tverden, 
daß das Regiment sich damals auf dem Ausmarsch 
befand. 
ist) Siehe „Geschichte von Hessen" von Stamfvrd-Röth, 
S. 384.
	        

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