Full text: Hessenland (9.1895)

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Aus Heimath und Frcindr. 
Wie im ganzen Deutschen Reiche vom Fels zum 
Meer ist auch in unserem Hessen lande in Stadt 
lind Dorf die 25jährige Wiederkehr des Tages 
von Sedan, zu dessen ruhmvollem Ausgang einst 
die hessischen Truppen so Erhebliches beigetragen 
haben, ihrer höhere Bedeutung entsprechend, be 
sonders festlich begangen worden. Die Betheiligung 
war allenthalben in Hessen eine sehr rege, so daß 
in der That von einem „Volksfeste" im besten 
Sinne des Wortes geredet werden kann. 
Eine Anzahl Kasseler Mitglieder des Vereines 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
unternahm Mittwoch, den 1t. September, bei 
leider nicht besonders günstigem Wetter einen 
Ausflug nach Fritzlar und Züschen behufs Be 
sichtigung der Sehenswürdigkeiten und Schätze des 
Fritzlarer Doms und der bei Züschen am Wege 
nach Lohne zu gelegenen Hünengräber. In Fritzlar 
übernahm Dechant Kreisler daselbst in liebens 
würdigster Weise die Führung, während der 
Direktorial-Assiftent Dr. Böhlau vom königlichen 
Museum zu Kassel, der Konservator des Vereins, 
bei Züschen an Ort und Stelle einen lehrreichen 
Vortrag über das bereits früher aufgedeckte, be 
kanntlich in den Besitz des Vereins übergegangene, 
wie über ein zweites vom Redner selbst erst einige 
Tage zuvor geöffnetes Hünengrab hielt. 
Notizen. Der Erbgras Gustav zuPsenburg- 
Büdingen (geboren zu Meerholz am 18. Februar 
1863) verlobte sich in Heringsdorf nach einer Mit 
theilung aus Meerholz mit der Prinzessin Thekla 
von Schönburg-Waldenburg (geboren zu 
Gauernitz im Königreich Sachsen am 7. August 
1867). — Landesgeologe Dr. Theodor Ebert, 
ein Sohn des im Februar 1888 in Kassel ver 
storbenen Konsistorialraths und Superintendenten 
Dr. theol. Ebert, ist zum Professor für Paläonto 
logie an der königlichen geologischen Landesanstalt 
und Bergakademie in Berlin ernannt worden. 
In dem am 2. September im 66. Lebensjahr 
in Kassel verstorbenen Oberstlieutenant z. T>. 
Gustav von Carlshausen ist wiederum ein 
verdienter ehemaliger kurhessischer Offizier aus 
dem Leben geschieden. Nach der Einverleibung des 
Kurfürstenthums in die preußische Monarchie trat 
Rittmeister von Carlshausen, bis dahin im 1. kur 
hessischen Leib-Husaren-Regiment, in die preußische 
Armee über und zwar in das Schleswig-Holsteinische 
Husarenregiment Nr. 16, in dem er als Rittmeister 
und Eskadronchef den Feldzug gegen Frankreich 
mitmachte, der ihm das eiserne Kreuz einbrachte. Im 
Jahre 1875 wurde er zum Major befördert und in 
das westpreußische Kürassierregiment Nr. 5 versetzt, 
dem er bis zu seinem Austritt aus dem aktiven 
Dienste, der am 12. Juni 1879 erfolgte, angehörte. 
Zur Disposition gestellt, ließ sich von Carlshausen 
in Kassel nieder, wo er wegen seines liebens 
würdigen Wesens sich großer Beliebtheit erfreute. 
— Sehr große Theilnahme findet in Kassel das 
am 9. September Abends plötzlich erfolgte Hin 
scheiden des Regierungsraths I o h a n n E r n st B e s s e r 
daselbst an einem Herzschlage, der als Folge eines 
Herzleidens anzusehen ist, das sich der Verstorbene 
vermuthlich im Feldzuge gegen Frankreich zugezogen 
hatte. Der Heimgegangene, der erst im 43. Lebens 
jahre stand, erfreute sich als Mitglied der könig 
lichen Generalkommission zu Kassel, wo er fast 
20 Jahre seines thätigen Lebens in angesehener 
Stellung zugebracht hat, wie in seinem sonstigen 
öffentlichen Wirken allgemein hohen Ansehens und 
Vertrauens. Möge ihm die Erde leicht sein! 
Hessische Bücherschau. 
Dr. Karl Ackermann, Repertorium der 
landeskundlichen Litteratur für den 
Preußischen Regierungsbezirk Kassel, 
das ehemalige Kursürstenthum Hessen. 
Sechster Nachtrag. — Ders., Autoren- 
Register für den Haupttheil und die Nach 
träge I—VI. Kassel, 1895. Selbstverlag 
des Herausgebers. 
Wer zu einer Zeit, wo Ackermann's Repertorium 
noch nicht vorhanden war, sich über irgend einen 
Gegenstand unterrichten wollte, der dem Gebiete 
der hessischen Landeskunde angehörte, war in übler 
Lage: es erforderte schon eine langjährige Bekannt 
schaft mit der einschlägigen Literatur, um aus 
dem vorhandenen Material das Wichtigste einiger 
maßen vollständig zusammenzutragen; wie Vieles 
mußte unbenutzt bleiben, weil es in alten, ver 
schollenen Sammelschriften vergraben oder an Stellen 
veröffentlicht war, wo man es nicht vermuthen 
konnte. Erst jetzt, nachdem durch den unermüdlichen 
Fleiß des oben genannten Gelehrten das Werk, 
das nunmehr außer dem Haupttheil sechs Nachträge 
und ein Autorenregister umfaßt, im Großen und 
Ganzen fertiggestellt worden ist, läßt sich die Masse 
des Stoffes bequem übersehen, und erst jetzt ist 
eine sichere Grundlage für eine wissenschaftliche 
Bearbeitung der Landeskunde von Kurhessen ge 
geben. — Bei einer so schwierigen und lang 
wierigen Arbeit, wie sie der Verfasser unternommen 
hat, ist es selbstverständlich, daß hier und da
	        

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