Full text: Hessenland (9.1895)

249 
mid waß schmertzen ihr Caspar Roltzhausen must ver 
lassen, daß ich euch offt gefraget, wan er ewer begereth, 
ob ihr ihn wolt nemen, habt ihr: ja, gesaget, 
offt, obwohl ihr mir schon so wohl bekant, und 
ist vilmal geschehen, daß irs gesaget. Sein thun 
hat es ja über 9 jar ausgelösten, daß er nichts 
umb euch gethan, noch hatt ihr ihn so lib. Hett 
er [mit] euch so gemeinet, alß ihr ihm vertrawet, 
er hett wie ein schelm gethan, daß er datier und 
mutter het geschonet, dan er euch nach seiner 
mutter doet freiet, alß hatt er euch lib gehabt 
aus einem falschen hertzen. Dieweil ihr nuhn 
von im so einer falschheith betrogen, acht ich, ihr 
woll mich auch verlassen, es sey also underm adel 
der brauch, ich merck aller erst, weß eß gethan ist, 
wolt also in ungutem von mir scheiden, daß ihr 
doch billich solt bedencken, waß mir feien gewesen 
und mid einander gehabt. Hett ich gemeint, 
eß wer nitt muglich, daß ein creatur uns nun 
mehr hett sollen scheiden dan der doet. Ja so 
wolt ihr mir ihn anthun. O du falsches glück! 
Wie kanstu dich ander leud halben so schnel 
wenden; der schelm wolt mir vergeben, acht, er 
hab euch geben, daß ihr mir must gram sein 
und mich doet wünschet, auch in ewern sin geben, 
mich zu ermorden, dan nimalß gehört Wirt, daß 
trew, ehr oder glauben die losen Niderlender ahn 
Deutschen gethan, auch nicht ahn ihrem erbherrn, 
geschweig ahn ihren eigen freunden; sind, dieweil 
die weldt gestanden, mid schelmstucken umbgangen, 
daß man ihn nachsinget und nachsaget in allen 
landen. Sollen sie dan nicht können durch ihr 
schelmstuck einem weiblichen bild beibringen, daß 
sie ihres reigens muß dantzen. O schätz, o schätz! 
Hertzlibstes meulgen! Hett ihr an unser nun 
funff jar getragene lib einsmals gedacht, eß hett 
die newe lib nicht können noch mögen stad haben . . . 
es ist zumahl ein jamer über jamer, daß ich soll 
mich sorchten und meiden, daß ich in lib auff diser 
weld am liebsten hab und mir erstlich alle hertz- 
liche inbrünstige lib erzeiget, trew und ehr bewisen, 
auch so grohße freundlichkeit, alß mir auff erden 
nitt widerfaren ist. Ach! du lose stund, die dieß 
jamer und trew hertzen wil scheiden. Ach! wie 
habt ihr, höchster schätz, euch können also auff mich 
erzornen und mich verlassen, ach! wie kont ihr 
also eine falschheit gegen mich erdencken, und mir 
alles ubelß ausmutzen, auch mein geben und thun 
und narung versagen und verachten, daß ich doch 
gelts oder guts halben nicht euch gelibet, ihr auch 
offt gesaget, ihr begert nicht wer dan mich, wie 
ich gehe und stehe, ihr wolt auch alle euer kleider 
darumb geben, daß mir nur öffentlich mochten bei 
einander fein. Ach, mein gott! Wie hat sichs 
gewend, wie die 30 000 fl. feind kommen, die doch 
auff ein brief wohl zu schreiben, aber zu zelen, 
gehört geldt darzu. O du teusel, wie blendestn! 
Ist nuhn gelt und anderst grosser und liber alß 
alte trew und hertzliche lib. 
Wie hatt sich daß glück gewandt, daß man mir 
trawet, man wollt ans henden und suessen auff 
Marpurgk krichen und mich verunglimpfen und 
den stuhl zurecht setzenn, daß doch erstlich hieß: 
ich wil dein zu allem gutem gedenckenn. Ich wolt, 
ihr wert bei meiner gsnädigenj stürstinf und srawen, 
ich gönnet eß euch von hertzen oder straff mich 
gott, ihr gedacht mein, wie ihr woldt, so hab 
ich beiden sfürstlichenj genaden nichts gestolen 
und veruntrewet, so wissen beide s. g., weß an 
mir ist, ob ich mein dienst kann bedihnen oder 
nicht. Wan i. f. g. mich nitt wollen lenger zum 
dihner haben, ist die weldt weit, so weiß ich, daß 
man mir muß einen redlichen Abscheid geben oder 
böse stück aus mich bringenn. Macht ihr mir 
ungnad, so hatt ihr mir auch erst genad gemacht, 
acht, es sey meines g. Herrn schad nicht gewesen, 
auch der frommen fnrstinn*). So kompt eß dan 
auff ewer sprichwort: wer euch hab heißen zigen, 
der hab euch auch wider haltten gelernt, wie ich 
wohl itzund mid schmertzen innewerd, ich hab nuhn 
drei abschied genommen von euch, gott behüt 
mich vor dergleichen! Eß wer nicht wunder, mein 
Hertz wer am nechsten gebrochen. Ist der aller 
beste, den ich mein leben lang gehabt und sind 
ihr auch zwen nicht gutt gewesen. Gott erbarm! 
Dieweil ich dan der verlassen soll sein von euch, 
also bitt ich umb 1000 gotteswillen, hab ich euch 
erzornet, ihr wollet mirs vergeben, soll hinfurters 
nitt mehr geschehen und wil mich der leud ent- 
schlagen, auch sie lassen farm und nicht mehr 
gedencken und euch alß meinen schätz in meinem 
Hertz behalten .. . **) und wer bei meinem abschied 
ist, fall mirs zeugnus geben. Wil ich die zeith 
meines lebens in ungutem nimmer gedencken, wie 
ich euch am letzten — gott erbarms — im arm 
gehabt, halten bei euch trew und wil euch in 
meinem hertzen behalten, ich weiß, warumb, bitt 
euch, so eß ubers Hertz zu bringen, auch alß einen 
alten freund nicht sogar vergehen, dan der newe 
noch nitt geraten, befehl euch gott in trewe. So 
ihr wolt wie ich, so helff er unß bald zusamen! 
Amen! 
*) Wahrscheinlich ist die erste Gemahlin Landgraf 
Ludwig's, die Landgräfin Hedwig, eine geborene Prinzessin 
von Wurtemberg, gemeint (f 1590), die in der That eine 
fromme Fürstin war. 
**) Loch im Papier.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.