Full text: Hessenland (9.1895)

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Hand haltende; auf Befehl der Zuschauer fliesset 
aus dem Schuabel der Taube entweder wcisser 
oder rother Wein, oder aber beydes zugleich, wie 
es verlanget wird. 
Tie dritte Figur stellet einen schwartzen Mohren 
vor, welcher in der rechten Hand einen Hammer 
hält, und eine Glocke vor sich stehen hat, aus 
bloßen Befehl bewerckstelliget er folgendes: 
1) Zeiget er mit denen Hammer-Schlägen die 
Stunden und Viertelstunden an. 
2) Wenn sich viere von denen Herren Zuschauern 
eine Charte ausziehen, zeiget der Mohr nicht allein 
die Nummer, sondern aus die Farbe. 
3) Kau einer der Zuschauer eine Zahl im 
Sinne haben, aber nicht höher als Zwölfe, sobald 
der Mohr gefraget wird, zeiget er mit dem Hammer, 
wie viel derjenige im Sinne hat. 
4) Zeiget er mit dem Hammer, wie viel Lichter 
auf denl Tische stehen, wie viel weggenommen 
worden, und wie viel hinzugethan werden. 
Oberwehnte Figuren sind allhier auf der Ober- 
Neustadt in der Stadt Stralsund zu sehen, und 
zwar Vormittags von 9 bis 12 Uhr, des Nach 
mittags von 2 bis 8 Uhr. Es wird alle Stunden 
darmit angefangen, es mögen viele oder wenige 
Personen da sein. 
[1747.] 
Mit Hochfürstlich-gnädigster Erlaubniß. 
Non plus ultra. 
Heute den 12ten März 1769. 
Wird die hier anwesende 
Gymnastice Gesellschaft 
des berühmten 
Antonii Brambilla 
ihr Meisterstück zeigen, 
und 
unterschiedliche Stücke 
sowohl der Stärke als des Gleichgewichtes, 
.vorstellen. 
NB. Der Herr Brambilla, der Spanier, und 
das junge Kind, machen auss neue solche Stücke, 
welche die Zuschauer in die äusserste Verwunderung 
setzen werden. 
Das junge Kind: 
Hochwertheste Zuschauer! 
Jene Wohlgewogenheit, welche Sie mir bis 
hiehin durch dero Gegenwart und dabey bezeigtes 
Vergnügen bewiesen haben, läßet mich hoffen, das 
Sie Ihre Geneigtheit weiterhin gegen mich lver- 
doppeln werden; dann solche Stücke, welche ich 
die Ehre habe. Ihnen zu zeigen, machen mir noch 
größere Hofnung, mich Ihres weitern Wohlwollens 
zu versichern, weilen Sie selbige von einem Kinde 
in so geringen Alter und kleiner Leibes-Gestalt, 
niemal werden gesehen haben, 
nemlich: 
Mein liebster Herr Vater nimmt ein Trinkglas 
mit dem Fuße in seinen Mund, sehet aus dessen 
Rand einen Degen mit der Spitze, und ich stelle 
mich mit dem Kopfe oben aus den Knopf des 
Gefäßes mit auseinander gestreckten Füßen in der 
Luft. Nicht zweiflend, ein solches Stück werden 
meine Hochwerthen würdig achten Ihrer geneigten 
Aufmerksamkeit, und weitern Gunst zu einem 
Kinde, welches jederzeit dahin trachten wird, sich 
Ihnen gefälliger zu machen. 
Der Schauplatz ist dahier aus beut Tuchhause. 
Der Ansang wird seyn Abends präcise um 6 Uhr. 
Tie Person zahlet auf den ersten Platz 6 Ggr., 
ans den zweyten 4 Ggr. und aus den dritten 
2 Ggr. 
NB. Diejenigen, welche sich bei dem Eingänge 
nicht aushalten wollen, können in der Castinals- 
Gasse im Fäßgen, gegen Zahlung, Billets erhalten. 
Mit Verwilligung einer Obrigkeit. 
Denen respeetive Herren und Dames wird mit 
wenigen hierdurch bekant gemacht, daß allhier an 
gekommen ein lebendige See- oder Meer-Hündin / 
die schwimmend und lauffend zu sehen ist / 
welches Geschlecht von Flinio und Bartolino ein 
Meer-Schwein seiner Fettigkeit halber und von 
Schonfeldio ein Delphin Septentrionalis genennet 
wird. Ihre Länge ist 50 Zoll lang ./ und 25 Zoll 
in seiner Dicke breit / aus der Erden bedient sie 
sich nebst ihres waltzenden Leibes ihrer beyden 
sorder und im Schwiminen ihrer beyden hinter- 
Veine / statt zweyer Ruder / ihr Wedel oder 
Schwantz ist eines gestutzten Hundes-Schwantz 
gleich ähnlich / ihre schönen und in vier Farben 
sich verwechslende grosse Augen / und die gleich 
darhinter sich befindliche Ohren / ingleichen ihr 
Bart und ihre freundliche und leutseelige Mine / 
besonders wann man ihre eintzige Nahrung von 
Fischen gibt / dannenhero es kostbar zu unter 
halten / Massen keine andere Speise als Fische 
geniesset / meritiren nebst ihren Wolfis-ähnlichen
	        

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