Full text: Hessenland (9.1895)

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dem übrigen Heere sollten die feindlichen Länder 
eingenommen werden. Dem Kurfürsten von 
Sachsen übergab Philipp den größten Theil seiner 
Truppen und kehrte in sein Land zurück. Der 
Abschied von Giengen wurde von den oberländischen 
Ständen nicht gehalten, sie Wandler: sich an den 
Kaiser durch Abgeordnete, entsagter: dem Bunde 
und erkauften die Aushebung der Acht mit großen 
Summen. Anfangs März 1547 brach Kaiser- 
Karl durch die Pfalz nach Böhmen, vereinigte 
sich mit derr Truppen seines Bruders und Moritz' 
und betrat im April Sachsen. Auf der Lochauer 
Haide, drei Meilen von Mühlberg, wurde der 
Kurfürst geschlagen (24. April) und mit dem 
Prinzen Ernst von Branrrschweig-Gruberrhagen 
gefarrgerr nrrd zum Tode verurtheilt. Um sein 
Leben zu retten, ging er die Wittenberger Kapi 
tulation ein, entsagte für sich und seine Nach 
kommen der Kurwürde und mußte in Haft bleiben. 
Bon allen seinen bisherigen Bundesgenossen 
verlassen, ohne zur Kriegssührung ausreichende 
Geldmittel zu besitzen und ohne Verlaß auf seine 
eigene Ritterschaft, entschloß sich Philipp zur 
Unterwerfung. Die ersten Bedingungen, unter 
denen König Ferdinand und Herzog Moritz den 
Landgrafen mit dem Kaiser versöhnen wollten, 
waren ziemlich nttlbe: Abbitte und Fußsall, 
Anerkennung des Reichskammergerichts, Heraus 
gabe der Urkunden aller bisherigen Bündnisse, 
die gegen den Kaiser oder den römischen König 
gedeutet werden konnten; Abgabe von acht Fähnlein 
Knechte und 400 Pferden aus sechs Monate oder 
138000 Gulden; Leistung der Hilfe gegen die 
Türken, Stellung eines Sohnes als Geisel. Der 
Landgraf ging aus alle diese Bedingungen ein, 
begab sich nach Leipzig und hörte dort zu seiner 
Verwunderung, daß Ferdinand und Moritz ihm 
inehr versprochen hatten, als der Kaiser geben 
wollte. Die wirklichen, dem Landgrafen verheim 
lichten Bedingungen waren: Ergebung auf Gnade 
und Ungnade, 150000 Gulden; Schleifung aller 
hessischen Festungen mit Ausnahme von Kassel 
und Ziegenhain; Herausgabe allen Geschützes 
und aller Munition; Oeffnung des ganzen Landes 
für den Kaiser. Diese Forderungen erklärte der 
Landgraf für unbillig und befahl seinen Räthen 
die Maßregeln zur Gegenwehr. Nur um sein 
Land zu retten, wollte sich Philipp zu einigen 
Bedingungen verstehen; dies wurde dem Kaiser 
mitgetheilt. 
Von den kaiserlichen Räthen aber waren bereits 
Schlingen gelegt, um den Landgrafen um jeden 
Preis ihrem Herrn in die Hände zu liefern. 
Die Vermittele:' unterzeichneten in einer Be 
rathung mit dem Bischof von Arras, Granvella, 
eine geheime Nebenerklürung, in der die kaiserlichen 
Räthe nach Ertheiluug der Unterschrift das Wort 
„einiger" in dem Versprechen „das im dem 
Landgraven solche ergebung weder zu leybstraff 
noch zu einiger gesencknuß raichen" in „ewiger" 
umänderten. Ein Einladungsschreiben zur An 
nahme der beigefügten Kapitulation und ein 
Geleitsbrief in das kaiserliche Feldlager wurde 
dem Landgrafen zugesandt. „Es wolte sich auch 
E. L. der Key. Mas. auf gnade vnd vngnade 
forderlich einstellen, dau wir versprechen E. L. das 
dieselbige dardurch vber die Artickel wider an leybe 
noch gnthe, mit gesencknus Bestrickung oder Schme- 
lerung Jres laudes nicht sollen beschwert werden, 
Vnd damit E. L. vns desto stattlicher zuglauben, 
Sv verpflichten wir vns mit dißer vnser schrifft, 
Wo E. L. vber solche Artickell, wan sich E. L. 
aus gnade vnd vngnade stellen wirdet einiche be- 
schwerung begegnen wurde, das wir vns keines 
wegs versehen« das wir vns alsdan ans E. L. 
erfordern persönlich wollen einstellen, vnd das 
erwartten, das E. L. vber die Artickell auf solche 
einsteltnng wurde auferlegt." Die Kapitulation 
genehmigte der Landgraf <7. Juni zu Kassel) 
und reiste alsbald zum Kaiser nach Halle ab. 
Hier begann die bis zum Jahre 1555 dauernde 
Gefangenschaft des Landgrafen. Fortsetzung folgt.) 
Cin hessischer Gfsiner und Gelehrter ans dem vorigen 
Jahrhundert. 
Ein Beitrag zur hessischen Familiengeschichte von I. Führer. 
Mler vor einiger Zeit im „Hessenlande" ge- 
15) äußerten Anregung entsprechend, daß sich bald 
, auch für andere Familien als die seither be 
handelten die Verfasser von Familiengeschichten 
finden möchten, beabsichtigte ich ursprünglich, eine 
ausführliche Geschichte der Familie Füre:*) zu 
*) So schreibt sich die Familie seit Anfang dieses 
Jahrhunderts mit einziger Ausnahme der ältesten Linie,
	        

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