Full text: Hessenland (9.1895)

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alle beneficien und gutthaten Rechtens wie auch 
dieselben genannt und in Recht versehen sind, hin 
künftig erdacht oder erfunden werden möcht, hiermit 
öffentlich, wissentlich, wohlbedachtlich und genugsam 
verwarnt, begeben, renuntiiren auch denselben sammt 
und sonders verpflichtet und daheim an Eides 
Statt, da solches nicht statthaben soll, auch keine 
Obrigkeit off Unser oder Unser Nachkommen an 
suchen Uns keine Amtshülse wiedersahren lassen, 
sondern vielmehr zu strafe nehmen und nichts desto 
weniger dieser conti-act in allen Punkten und 
Elauseln stets festgehalten werden. 
(gez.) Ao.*) 
Reinhardt von Dallwich, Joannes Salfeld. 
Junghenn Eles, Baltin Schröder. 
Bürgemeister. L. Schröder. 
G. M. 
*) Jahreszahl nicht angegeben. 
Mus Keimath und Fremde. 
Am Abend des 19. August traf Kaiser Wil 
helm II. aus Schloß Wilhelmshöhe, wo die 
Kaiserin Auguste Viktoria zu ihrer Erholung 
bereits seit längerer Zeit weilte, ztl längerem 
Aufenthalte ein. Die allerhöchsten Herrschaften, 
welche mit dem 28. August ihr Hoflager wieder 
nach Potsdam verlegt haben, ermangelten nicht, 
die günstige Witterung zum Besuch der prächtigen 
Anlagen und der weiteren Umgebung nach Mög 
lichkeit auszunutzen. Theile der Infanterie 
und der Artillerie der 22. Division, welche aus 
allen Regimentern derselben zusammengezogen und, 
soweit diese nicht in Kassel in Garnison stehen, 
telgraphisch herbeibesohlen waren, manövrirten und 
exerzirten am 21. August in der Nähe von Nieder 
zwehren vor ihrem Kriegsherrn, der sich über die 
Leistungen der heimischen Truppen sehr aner 
kennend äußerte. 
Zum 20. August, dem Geburtstage des ver 
storbenen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von 
Hessen, waren aus dessen Grab wiederum seitens 
der Verwandten und Kinder, sowie vieler anderer 
Verehrer des Kurfürsten prachtvolle Kränze nieder 
gelegt worden, auch wurde die Grabstätte an diesem 
Tage vielfach besucht. 
In Kassel tagte am 26. und 27. August die dies 
jährige Jahresversammlung der deutschen 
Dendrologischen Gesellschaft, welche es 
sich zur Aufgabe gesetzt hat, Baum- und Strauch 
kunde zu fördern. Die Wahl der alten hessischen 
Residenzstadt zum Versammlungsort ist als um 
so glücklicher getroffen 31t bezeichnen, weil die 
Banmpflege in Kurhessen von Alters her eine be 
sonders sorgfältige war, wie noch vor Kurzem in 
dieser Zeitschrift dargelegt werden konnte. Vgl. den 
Aussatz von Dr. A.: „Welche Fürsorge in 
althessischen Zeiten der Baumpslanzung 
und S ch 0 n u n g der Bäume gewidmet 
worden ist" unter „Aus alter mib neuer Zeit" 
in Nr. 12 des laufenden Jahrgangs. 
Universitätsnachrichten. Der Professor 
der Anatomie Robert Bonnet in Gießen 
(geb. 1851) hat gleichzeitig einen Ruf nach Halle 
und einen solchen nach Greifswald erhalten und 
wird letzterem Folge leisten, an seine Stelle als Ordi 
narius und Direktor des anatomischen Instituts 
zu Gießen wird der bisherige außerordentliche 
Professor und Prosektor zu Marburg Dr. Hans 
Strahl (geb. 1857) treten. — Der von Göttin g en 
nach Gießen berufene außerordentliche Professor 
der Rechtswissenschaft Dr. L eist ist zum Ordinarius 
ernannt worden. — Der Professor des römischen 
und des deutschen Rechts Dr. Rudolf Leon 
hard in Marburg (geb. 1851) ist an die Uni 
versität Breslau berufen worden. — Der Privat 
dozent Dr. Karl Sartorius in Bonn (geb. 1865) 
wird einem Rufe als außerordentlicher Professor 
der Rechte an der Universität Marburg Folge 
leisten. — Zum 1. Oktober d. I. ist der außer 
ordentliche Professor Dr. Otto Wiener zu 
Aachen zum ordentlichen Professor in der philo 
sophischen Fakultät zu Gießen und zum Direktor 
des physikalischen Instituts daselbst in Aussicht 
genommen. — Professor Dr. Adolf Barth in 
Marburg wird zum Wintersemester den in Breslau 
nengegründeten Lehrstuhl für Ohren- und Kehl 
kopfkrankheiten übernehmen. — Der bisherige Privat 
dozent in Marburg Amtsrichter Dr. Erann in 
Frankfurt n. Al. ist zum außerordentlichen Professor 
in der juristischen Fakultät der Universität zu 
Berlin ernannt. 
Am 6. August starb in Milwaukee (Wisconsin) 
Oberst Georg Heinrich Walther, einer der 
tapfersten deutschen Offiziere aus dem nord- 
amerikanischen Bürgerkriege, im Alter von 66 
Jahren. Walther, Sohn des kurhessischen Revier- 
försters Walther zu Geismar bezw. Fritzlar, begann 
seine Laufbahn als Portepeesähnrich im hessischen 
Jägerbataillon, nahm aber bereits im Jahre 1851 
seinen Abschied, um über Newyork nach Wisconsin 
in Amerika auszuwandern, wo er als Landmesser 
Stellung fand. Als dann der Bürgerkrieg aus- 
brach, meldete sich der frühere hessische Soldat 
als einer der ersten zum Waffendienst für sein
	        

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