Full text: Hessenland (9.1895)

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wein verzapfen, , sondern solches einzig und allein 
Ihm Stephan Großen und feinen mitbeschriebenen 
sein und bleiben. Und da sich der Fall wider 
Zuversicht zutragen und einer oder der andere 
einiges Verzapsens sich gelüsten lasse, Alß sollen 
Stephan Groß vollkommentlich ermächtigt sein, 
solchen Wein, wie sie ihn betroffen werden, zu sich 
nehmen, auch die Verbrecher Unserm L. E.*) und 
Herrn und gemeiner Stadt zur Strafe gegeben 
und nach ihrem Ermessen Abtrag zu thun an 
gewiesen werden. 
Wir Obligiren und verbinden uns auch kraft 
dieses dahin, da vielleicht einer oder der andere 
Wein bei sich legte und da ihm Gäste zukommen, 
solchen alsdann von seinem Wein verzapfen und 
in seinem Hause Ufftragen und denselben bei Maß 
oder Vierteln aus der Stadt in die Torfschaften 
verkaufen und verzapfen svlt und soll dasselbe noch 
männiglich, es sei wer er immer wolle, vernommen 
und wir obgemeldeter Bürgermeister, Rathsvorsteher 
nnb gantze Bürgerschaft allhier Unsern Trink und 
Branntwein bei Ihm Großen und seinen mit 
beschriebenen abzuholen verbunden sein, wie wir 
Unß, Unsere Erben und alle Unsere Nachkommen 
hierzu sestiglich verbinden und obligiren thun und 
verhaftet machen, auch den Uebertreter jederzeit 
Unserem König und Herrn als auch gemeiner Stadt 
zur Strafe gezogen und ihm Großen und seinen 
mitbeschriebenen zu seinem Abtrag in eontinonti 
angewiesen werden. Doch soll Groß und seine 
mitbeschriebenen zu sehen wie zu schaffen verpflichtet 
sein, wie er denn solches zu leisten treulich zu 
gesagt hat. Wir haben uns auch in Mehreren! 
dahin verpflichtet, zugesagt und versprochen, daß, 
solange Stephan Groß und seine mitbeschriebenen, 
auch alle rechtmäßigen Inhaber dieses Briefs die 
uns wohlgelieferten und bezahlten Zwölshundert 
Rthlr. in specie von Unß und Unseren Nachkommen 
Ihm Groß und seinen Mitbeschriebenen nicht ab 
gelegt und wiederbezahlt sein sollen, Weinschank, 
Haus und Stallung und aller Zu-, Jngehörung von 
allerlei Jnquartirung, sie seien auch wie sie wollten, 
Schätzung, contributio, Fahr- und Scharwachten 
und anderen Bürden und Beschwerung, wie auch 
solches Namen Hütte, in alle Wege befreit sein. 
Würde aber Groß allhier Häußer kaufen, soll 
er vff denselben, was recht, billig und sich gebürt, 
vorstehen und contriburien und soll das Haus, 
Ställe und alle In- und Zugehöruug von Uns in 
gutem rechten Bau und Besserung ohne sein und 
der Seinigen Unkost und Zuthun gehalten werden 
und also gebessert, damit hierin die Durchreisenden 
*) Landgravius regens, d. i. Wilhelm V. Sein Vater 
Landgraf Moritz war zwar noch am Leben, hatte aber 
abgedankt. 
wie auch Groß selbsten darin wohnetl und Herberg 
halten können und keine Klage sein möge, und 
sollen auch Groß und die Seinen jedes Jahr, so 
lange obgemeldete Summe an uns unabgemeldet 
verbleibt, ein Klafter Holz aus unserm Walde 
zum Voraus gegeben und dann überdies in allen 
unseren gemeinen gebrauchen gleich allen anderen 
Bürgern gehalten werden, aber soviel Vieh, es sei 
an großem oder kleinem Vieh, als Kuh, Rindern, 
Schweinen, Schaf und Hammelvieh, wie auch sonsten 
was vor Vieh die Bürgerschaft halten thut und 
würde, es habe auch Nahmen wie solches wolt, als 
ihnen belieben tvird und halten kann, allhier zur 
Weide treiben, diesen sollen Groß und seine Mit 
beschriebenen den wir von dem gebührlichen Grund 
und Lohn ohnweigerlich entrichten, aber mit keinerlei 
ferneren Beschwerung in keinerlei Wege belegt 
werden, sondern davon Allen wirklich befreit sein 
und seinen Nutzen zu schaffen hiermit zugesagt, 
versprochen und zugelassen sein. 
Und demnach Stephan Groß, seine Hausfralt 
Barbara, Uns itzv den freundlichen Willen erzeiget 
und zu dieser schwierigen Zeit beigesprungen, die 
vielgemeldeten Zwölshundert Reichsthaler in Zpooio 
vorgesetzt, da sie doch dieselben in andere Wege besser 
anlegen Und Ihnen und den Ihrigen Nutzen schaffen 
kunnten, gestalt landkundig, in weg äußerster Noth 
schuld und Beschwerung fast jedermann durch die 
vielfährige beschwerliche kriegsnvth steckt und ge 
rathen ist, sonderlich aber durch Jtzig Vorzeit die 
nur sehr wohlseil fast bei keinem Menschen auch 
geringe Summe etwann von 100, 200 oder drei 
hundert Reichsthaler zu erlangen sind. Und wir 
außer diesem Mittel dieselbe nicht vffbringen können, 
auch der weinschank itzo mit höchster gesahr geführt 
werden und wohl gar still liegen bliebe. Wie 
auch unsere Gläubiger damit ein Großes thun, da 
sie von Kirchhain aus einem befreiten Ort sich itzo 
anher, da der inquartirung und solange contirmirt 
wird, begeben, damit dann, wenn die Haft*) sich in 
Friedens Stand schicken thut, alsdann dieses weiu- 
schanks sich wiederum annehmen Und durch andere 
Mittel uns zu eignen, ihnen aber zu pension von 
solchem Geld anzunehmen Und uns solchen Wein 
schank wiederum zu cediren oder auch Wie und 
welcher Gestalt wir uns einiges wider seinen Willen 
gebrauchen wil stunden und anmuthen**) sie nicht 
gehört werden so soll solches andere nicht als mit 
bahrem Gelde der ganzen Summe vff den hernach 
benahmten zahlbar. 
Und falls Ihre Uffkündigung vorsteht sein sollte 
und haben wir uns solch aus alle begebenden Fälle 
*) — Verhaftung. 
**) in Anspruch nehmen.
	        

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