Full text: Hessenland (9.1895)

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Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen. 
1504—1567. 
Von H. M e tz. 
(Fortsetzung.) 
» ie schon lange erwartete Kirchenversammlung 
wurde endlich zu Trident unter dem Vorsitze 
~ | dreier päpstlicher Kardinallegaten eröffnet 
(7. Januar 1546). In Folge der hier gefaßten Be 
schlüsse verweigerten die Protestanten die Beschickung. 
Nunmehr glaubte der Kaiser, daß er mit Gewalt die 
Protestanten unterdrücken und ernstlich aus die 
Herstellung der Nuhe und Ordnung bedacht sein 
müsse. 
Auf dem Wege nach Regensburg zum Reichs 
tage, hatte der Kaiser eine Unterredung mit dem 
Landgrafen Philipp in Speyer. Karl V. bat den 
Landgrafen hierbei, dem Reichstage persönlich bei 
zuwohnen, und entließ ihn dann freundlich. Trotz 
dem schickte Philipp, wie die meisten protestan 
tischen Fürsten, nur Gesandte zu der Versamm 
lung. In diesem Fernbleiben der Fürsten sah 
der Kaiser eine Beleidigung seiner Majestät 
sowie einen Ungehorsam, die er bestrafen zu 
müssen glaubte. Der Krieg war unvermeidlich. 
Der Kaiser begann zu rüsten. Mit dem 
Papste Paul III. schloß er einen Bund, in diesem 
wurden dem Kaiser, außer einer baaren Summe 
von 200000 Kronen, die Hälfte der Jahres 
einnahmen der spanischen Kirchen, der Verkauf 
von Klostergütern bis ans 500000 Kronen, 
12000 italienische Fußgänger und 15000 Reiter 
aus sechs Monate versprochen (9. Juni 1546). 
Dem aus seine Seite übergegangenen Markgrafen 
Albrecht von Brandenbnrg-Kulmbach, Johann 
von Küftrin und dem Deutschmeister Wolsgang 
von Schutzbar, genannt Milchling, befahl der 
Kaiser, Reiterei zusammenzubringen. An mehrere 
Städte des protestantischen Bundes schrieb er, 
daß nicht den Protestanten als solchen, sondern 
den Schmalkaldischen Bundesgenossen, als Frevlern 
gegen das kaiserliche Ansehen, der Krieg gelten 
sollte, sowie denjenigen, die das Verbrechen be 
gangen hätten, seine Majestät zu beleidigen 
(crimen laesae majestatis). 
Am 20. Juli 1546 sprach der Kaiser in einem 
Manifest über den Kurfürsten von Sachsen und 
den Landgrafen von Hessen die kaiserliche und 
des heiligen Römischen Reichs Acht und Aber 
acht aus. 
Eifrig rüsteten sich die Schmalkaldischen Ver 
bündeten. Binnen vier Wochen wurde von Herzog 
Ulrich von Württemberg und den oberlündischen 
Städten ein dem vormals gesammelten Heere 
weit überlegenes Heer aufgeboten, das Hans von 
Heydeck und Sebastian Schärtlin anführten. 
Die beiden Häupter des Bundes kamen in Ichters 
hausen zusammen und verpflichteten sich durch 
Vertrag, 9000 Reiter, 16000 Fußgänger, 1400 
Schanzbauer, und hinreichendes Geschütz bei 
Meiningen (20. Juli) zusammenkommen zu lassen. 
Der Zug ging über Schweinfurt bis Donauwörth. 
Hier vereinigten sich mit ihm die Hauptmänner 
von Augsburg und Ulm, Schärtlin und Schank 
witz. Ter Protestanten Heer belief sich auf 
47000 Mann. Anfangs wurde von beiden 
Seiten jede Schlacht vermieden, bis es am 
28. August zum Zusammenstoß der feindlichen 
Heere bei Ingolstadt kam. Drei Tage dauerte 
die Kanonade, blieb aber erfolglos, da unter den 
Protestanten eine allzu große Unentschlossenheit 
über den vorzunehmenden Angriff herrschte. Kurz 
hinter einander eroberte der Kaiser Neuburg und 
Donauwörth, besetzte das von Schärtlin verlassene 
Laugingen und drängte seine Gegner durch kleine 
Scharmützel zurück. Zwistigkeiten brachen unter 
den Verbündeten aus, es murrten die oberlündischen 
Städte, daß alle Last des Krieges auf ihnen 
allein ruhe, die erwarteten Hilfsgelder blieben 
aus, eine bei Giengen sich darbietende Gelegenheit, 
den Kaiser gefangen zu nehmen, wurde nicht 
benutzt. Im Abschiede zu Giengen beschloß der 
Bund unter Heyduck's und Schärtlin's Befehlen 
nur 8000 Fußgänger und 1000 Reiter zum 
Schutz von Oberdeutschland zurückzulassen, mit
	        

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