Full text: Hessenland (9.1895)

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Gisig öcts Lcrrrö, 
Wenn kein Iuübl'ing rvcir'! 
WirtHlos bcrs Leben, 
Wenn es koffnnngsl'eev. 
Wögen öie drei 
Licl) geleiten treu, 
Gl'crirbe, Liebe, Koffnnng 
Aein' Wüstung lei! 
Wicht in dem Web 
Aiu dus Kerz dünn bricht, 
Steigst rvie der Adler 
Auf zum Sonnenlicht. f W. ch. 
Ans alter und neuer Zeit. 
Die Geschichte der im Kreise Ziegenhain in der 
Vertiefung zwischen den Höhen Knüll und Eisenberg 
gelegenen Stadt Schwarzenborn bietet durch ihre 
Verbindung mit der von Ziegenhain, deren Grafen 
auch in Schwarzenborn eine Burg hatten, noch 
mehr aber durch die allgemein bekannten Schwarzen- 
börner Streiche viel Anziehungspunkte dar.*) Es 
werden deshalb die den Ort betreffenden und seine 
inneren Angelegenheiten beleuchtenden Urkunden 
unsern Lesern nicht unwillkommen sein. Von diesen 
drucken wir zunächst folgende der dortigen Gemeinde- 
Repositur abschriftlich entnommene ab, die uns in 
die schwere Zeit des 30jährigen Krieges führt. 
„Schuldurkunde 
vom 24. Juni 1628 (die St. Joh. Baptistae) 
— mit 3 Siegeln in Holzkapseln — 
über 1200 harte unverschlagene volwichtige Reichs 
thaler an Stephan Groß, Bürger zu Kirchhain, 
und Ehefrau, unter Verpfändung vom Weiuhaus, 
die Burgk genarint, sammt dem Schweinestall, und 
mit der Belastung, daß jeder Bürger Schwarzen 
borns von Stephan Groß den Wein beziehe. 
Wir Bürgermeister, Rathsvorsteher und gantze 
Bürgerschaft zu Schwartzenborn thun kund und 
bekennen offen jedermänniglichen vor Unß, Unßere 
Erben und alle Unßere Nachkommen, die wir hiertzu 
festiglich verbinden und verbunden haben wollen, 
daß wir gemeiner Stadt bestens uttb Nutz zu prüfen 
rechtell beständiger und wohlbekannter Schulden 
schuldig worden und sind dem Ehrengerechten 
Stephan Großen, Bürgern zu Kirchhain, Barbaren 
seiner ehelichen Haußfrauwen, und Ihren Erben, 
ailch allen rechtmäßigen Inhabern dieses Brieffes 
Zwölfhundert harte uuverschlagene vollwichtige 
Reichsthaler in Speele, welche Summa sie Unßeren 
Creditores, Ehe Dato dieses Briefs Unß bahr und 
vollkommentlich geliefert bezahlet. Wir zu gemeiner 
Stadt Nutzen und Nothdurft sobald angewendet 
haben Und hiervon Achthundert neunzig und sechs 
*) Vergl. im Näheren den Vortrag darüber in den 
Tour. Mitth. a. Hess.-Nassau u. Waldeck, Jahrg. I, Nr. 10 ff. 
Reichsthaler Konrad Windecker, Weinhändler zu 
Frankfurt, bezahlet und gemeinte Stadt Schwartzen 
born von sich gegebene Obligation wiederum an 
uns gelöset, die übrigen dreihundert und vier 
Reichsthaler haben wir zu anderen gemeiner Stadt 
Schwartzenborn allzu bekannter großen Nothdurften 
und also Alles nützlich wissentlich angewendet, thun 
auch deswegen gemeldeter Person und alle seinen mit 
beschriebenen der Uns wohlgelieferten und bezahlten 
Zwölshundert Reichsthaler in speeie zum beständigsten 
als solches de jure et stylo sich gebäret und in bester 
Form quittiren und Unß geliefert zeugen. 
Hingegen haben wir gemeldeten Stephan Großen 
Bürgern und allen seinen mitbeschriebenen Wirk 
licher an Stadt Interesse Und Capital salvo tarnen 
interim semper manente capitali Angethan Unser 
Weinhaus, die Burgk genannt, sammt dem Kuhstall 
und Schweinestall sammt deren zugehörigen Plätzen 
allen und zugehörig nichts daneben unbeschrieben 
welches er selbst beschrieben oder einen an seine 
Stadt sehen und den ihm ferner Angethanen Wein- 
schank an unser Stadt zu exereiren per expressum 
seines Beliebens reservirt ist. Doch soll Und Will 
Stephan Groß jede und allezeit einem ehrbaren 
Rath ihre Rathstubeu vergönnen, damit daselbsten 
audientz und sonsten Bürgermeister und Rath ihre 
und gemeiner Stadt Sachen tractiren, auch die 
Bürgerschaft Hochzeit und Weinkaufs, wie von Alters 
hero jederzeit beschehen ist, eelebriren können und 
mögen. Ferner haben wir Accis und Uugeld ohne 
unser Zuthuil zu rechter Zeit zu liefern und zu 
entrichten, die fest zuvor lichten*) lassen und wie 
vormals dann bei der Licht sein und jeder Ohm 
ein halb Maß Wein verschaffen und außerdem 
ebensolchen Weinschank weder Unß noch sonst 
jemanden nicht darneben gebe» oder verstatten, 
sondern gegen sein Geld sich diesen gebrauchen soll 
und soll auch zukünftig und so lange Stephan 
Groß solch Halls und Weinschank voil Unß Jnhaben 
und ersitzen wird, kein einiger, er sey weß Standes 
und Würden derselbe allhier in Schwartzenborn 
sein möchte, keinen Wein weder trink noch Brannt- 
*) — aufklären, in Ordnung bringen; noch gebräuch 
lich in „die Anker gelichtet".
	        

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