Full text: Hessenland (9.1895)

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Die Antwort des Herzogs schildert in derselben 
Weise wie die Congeries die Ausschreitungen 
der Piraten und ihre Gesangennehmung, nur 
beziffert sie die Zahl der Gesungenen auf 11; 
dann heißt es: „Wir haben Gerhard wegen des 
Doctor fragen lassen, aber nichts erfahren.*) 
Auch Erzbischof Johann von Trier hat Botschaft 
hierher gesandt und die Gefangenen ihrer That 
halber anklagen lassen. Auch ist uns ein kaiserliches 
Mandat zugegangen, worin männiglich bei Acht 
und Oberacht geboten wird, den Gefangenen 
keinen Vorschub zu thun, sondern diese an Leib 
und Gut zu strafen." Soweit diese Quelle. Den 
Ausgang der Sache berichtet die Congeries kurz 
mit den inhaltsschweren Worten: „aber seine 
*) Samstag nach Jubilate [6. Mais 1531. D. Cleve. 
Weil er natürlich selbst nicht wußte, wo derselbe sich befand. 
¡pcmtalo. 
Als ich noch auf kleinen Füßen 
Neben meinem Vater ging — 
Und mich wie an einen Riesen 
Fest an seine Hände hing, 
Wenn die Abendschatten sanken 
Und wir waren noch im Feld — 
Da in schlummernden Gedanken 
Eingelullt mir schien die Welt — 
Sprach er oft in laut'rer Güte: 
„Kindlein — schließ' die Augen zu, 
Denn ich weiß es, Du bist müde! 
Halt' mich fest und schlaf' in Ruh!" 
Und ich that es. Schlummertrunken 
Weiter ging's durch Wies' und Thal, 
In den schönsten Traum versunken, 
Zugedeckt vom Mondesstrahl. 
Ach, die treuen Vaterhände, 
Die behutsam mich geführt, 
Daß ich keine Furch' im Wege, 
Keinen Stein und Dorn gespürt! 
Ach — die große, tiefe Liebe! 
Wird mir jetzt der Weg zu schwer, 
Möcht' ich jetzt die Augen schließen — 
Keiner führt mich so wie er! 
T. Keiter-Kellner. 
Ans alter und neuer Zeit. 
In allen Garnisonstädten des früheren Kurhessen, 
namentlich aber in Kassel, haben bei Gelegenheit 
der fünfund zwanzigjährigen Wiederkehr 
der Tage von W e i ß e n b u r g und Wörth 
[sc. des ' von Rosenberg) Gesellen (unter denen 
von Adel war Widekind von Falckenberg) wurden 
dem Hertzog von Cleve geliefert, und mit dem 
Schwerd vom Leben zum Tode gericht; also ist 
Widekind von Falckenberg aus dein Regen ins 
Bad kommen, und seiner Handlung verdienten 
Lohn empfangen." *) — Wir können nach dem 
Angeführten kaum daran zweifeln, daß Gerd's 
Haupt unter dem Schwerte des Henkers gefallen 
ist; an eitler Stelle der „Citation" [s. o. vom 
I. 1539] wird er als „Weilant" bezeichnet. 
Das war das Ende Gerd's von Falkenberg. 
*) Die von uns zu Grunde gelegte Handschrift der 
Chronik (Ms- Hass. fol. 12 in Bibi. Cassel.) gibt, wie 
schon erwähnt, irriger Weise den Namen Widekind statt 
Gerd. Widekind starb erst 1562 als Drost zu Herstelle. 
mehr oder minder großartig verlaufene Erinnerungs 
feiern der Feldzugskameraden von 1870/71 bezw. 
der aktiven Regimenter und Bataillone stattgefunden. 
Dieselben sind der Anlaß gewesen, daß wir uns 
des Werthes der Errungenschaften des großen 
Jahres von neuem lebhafter bewußt geworden sind, 
und sie haben im Besonderen uns freudig des 
hervorragenden Antheils gedenken lassen, der 
namentlich auch den aus der alten ruhmreichen 
hessischen Armee hervorgegangenen Regimentern 
des XI. Armeecorps gerade an den ersten be 
deutungsvollen Siegen des fast beispiellos ersolg- 
reichett Feldzugs gebührt. Sie haben zugleich aber 
auch wehmüthig-dankbare Erinnerungen an die 
jenigen geweckt, die damals für das Vaterland 
gekämpft nttd gelitten, ja, ihre Hingabe mit dem 
Tode besiegelt haben. 
In diesem Sinne sei unsern Lesern aus den 
bereits in Nr. 13 des „Hessenland es" vom 
1. Juli d. I. angezogenen Lebenserinnerungen des 
Herrn H. Fränkel in Kassel Folgendes mit 
getheilt : 
„Daheim traf die Unglücksbotschast ein, daß der 
Einjährig-Gesreite E. G. im 14. Husarenregiment, 
ein Sohn des Hauses, in welchem ich über 16 Jahre 
lang angestellt gewesen, in der Schlacht bei 
Wörth gefallen sei. Auf Wunsch der Familie 
unternahm ich die Aufgabe, mich auf den Kriegs 
schauplatz zu begeben, um womöglich die Leiche 
ausfindig zu machen und dafür Sorge zu tragen, 
daß dieselbe in heimischer Erde ihre Ruhe finde. 
Durch die unausgesetzten Truppenzüge war der 
regelmäßige Personen- und Güterverkehr auf der 
Eisenbahn eingestellt. Der Herr Oberpräsident
	        

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