Full text: Hessenland (9.1895)

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hinunter. Sie setzten dann ihren Rückzug nach 
dem Möncheberg und von da nach ihrem ver 
schanzten Lager auf dem Kratzenberg fort. Dies 
französische Lager war da, wo jetzt der berühmte 
Festplatz für das mehr oder weniger verkrachte 
Maifest war, und der jetzt im Besitz des Herrn 
S. Aschrott befindliche Tannenküppel war die 
stärkste Schanze dieses französischen Lagers, das 
General Stainville mit 15,000 Mann besetzte. 
Der größte Theil der Armee, besonders die 
Kavallerie, ging indessen in der Nacht zum 
25. Juni ober- und unterhalb Kassels auf Schiff 
brücken über die Fulda und bivouakirte theils 
aus dem Forste, theils auf der Höhe von Land 
wehrhagen. 
Die alliirte Armee dagegen nahm ihr Lager 
um 8 Uhr Abends auf dem Brand, rechts an 
Weimar, links an Hohenkirchen gelehnt, Mönchehof 
in der Mitte; das Hauptquartier des Herzogs 
Ferdinand aber kam nach Wilhelmsthal. Hinter 
Mönchehof standen die Zelte der hessischen In 
fanterie, während hinter Hohenkirchen die hessische 
Reiterei stand und hier absattelte. General 
Luckner mit seinem Corps lagerte bei Holzhausen, 
Lord Granby aber lagerte auf den: Dörnberge, 
und hier bezogen auch ihr Lager die Caräos 
dl6U8, die Gardedragoner, von denen ich vorher 
etwas ausführlicher gesprochen habe. In Heckers 
hausen selbst lagen die beiden hannoverschen 
Jägerbataillone unter General Freitag, die eben 
falls schon früher Erwähnung gesunden haben. 
(Schluß folgt.) 
Gerd voll Falkenberg 
und die Niederwerfung Tillinghausens im Jahre 153V. 
Bon Dr. Wilhelm Chr. Lange. 
(Schluß.) 
n Frankfurt traf Gerd seinen Freund Hans 
|[ Thomas von Rosenberg; „der war des 
^ Schwäbischen Bunds Feind, von deswegen, 
daß ihm der Bund sein Raubschloß zerbrochen 
und verstört hatte." s Pocksberg in Franken, 
vom schwäbischen Bund am 14. Juni 1523 
eingenommen und am 15. niedergebrannt. ] *) 
Beide beschlossen nun, zusammen weiter ihr Glück 
zu versuchen und zwar diesnial, da ihre Unter 
nehmungen aus dem festen Lande Schiffbruch 
gelitten, auf dem Wasser. Wie ein Ronlan 
klingt es, wenn wir lesen, wie die beiden auf 
dem Rheine sich in einem Kaufmannssahrzeug 
einschiffen, wie ihre Gesellen und Diener in einenr 
anderen Boote ihnen folgten und sich dann unter 
halb Mainz des Kaufmannsschiffes mit ihrer 
Hilfe bemächtigen. Mit wehender kaiserlicher 
Flagge, mit „Pfeiffen und Trommen, gleich [als] 
wären sie Kriegsleut dem Kayser zuständig," 
fahren sie weiter an den zahlreichen Zollstütten 
vorbei, aber die Rache für ein solches Vergreifen 
an geheiligtem Kaufmannsgut folgte ihnen mit 
Windeseile. Kaum waren sie im Lande zu Kleve 
an's Land gestiegen, um nach Piratensitte die Beute 
zu theilen, war auch die Nachricht schon dort, 
die Glocken der Dörfer ertönten, und, von allen 
*) Joseph Baader. Die Fehde des Hans Thomas 
von Absberg wider den schwäbischen Bund rc. München 
1880. sAbbildnng Nr. 7.) 
Seiten umringt, fiel die Schaar der rheinischen 
Korsaren in die Hände des aufgebotenen be 
waffneten Landvolks. Nachdem man die Ge 
fangenen einstweilen in ein Haus gesperrt, sandte 
man nach der hohen Obrigkeit, aber bevor die 
selbe ihre Hand nach den Uebelthätern ausstrecken 
konnte, hatte es einer derselben, Rosenberg, ver 
standen, sich unsichtbar zu machen. Eine größere 
Quantität Wein, welche Hans Thomas spendete, 
hatte die nicht ungewöhnliche Folge, daß die 
Wächter sich bezechten, vielleicht auch die Ge 
fangenen; da nun die Thüre durch die davor 
liegenden Bauern verwahrt war, so „fiel Hanß 
Thomas zum Stubensenster hinaus und kombt 
davon", die übrigen aber, sechs vom Adel, dar 
unter Gerd von Falkenberg und drei Knechte, 
wurden dem Herzog Johann von Kleve über 
geben. Als die Nachricht von diesen Ereignissen 
nach Kassel gelangt war, schrieb der Landgraf 
an den Herzog und giebt zunächst ein kurzes 
Referat über das Verschwinden Dillinghausen's 
— soweit er selbst zu jener Zeit darüber insormirt 
war; dann führt er fort: „Da wir nun erfahren, 
daß etliche in Eurem Land niedergeworfen und 
gestrickt sind, darunter auch Gerdt, so bitten wir 
deshalben mit den Gefangenen nicht zu eilen 
[unb . . .] ihn auszuforschen vor Gericht, wo 
sich der Doktor befände, damit derselbe, wenn er 
noch nicht umgebracht sei, befreit werden könne."
	        

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