Full text: Hessenland (9.1895)

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Dr. Dillinghaufen Umschau hielten und sich, als 
sie den Gesuchten nicht fanden, wohl auch mit 
der Person Gerd's begnügt hätten. Dieser war 
jedoch gewarnt und hatte es vorgezogen, einer 
mündlichen näheren Erörterung der Dillinghausen'- 
schen Angelegenheit bei Zeiten aus dem Wege zu 
gehen. Kurz daraus, es war zur Zeit der 
Frühjahrsmesse, taucht er in Frankfurt a. M. 
auf. Die Congeries*), welcher wir diese wie 
*) Zeitschr. s. Hess. Gesch. u. Landesk. VII., S. 364. 
die folgenden Nachrichten über Gerd's Schicksal 
entnehmen, zeigt sich im Allgemeinen für die 
Zeit des 16. Jahrhunderts nicht übel unterrichtet; 
sie nennt zwar irriger Weise den flüchtigen 
Falkenberger Widekind, doch unterliegt es keinem 
Zweifel, daß das Erzählte in dieser Weise sich 
zugetragen, zumal wir in der Lage sind, die 
historische Treue des Berichts an der Hand 
einiger Briefe zu kvntroliren. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Schlacht bei Wilhelmstlinl am 24. Juni 1762. 
Vortrag von Dr. meä. Carl Schwarzkopf. 
(Fortsetzung.) 
rotz der Menge der Feinde ließ sich indessen 
\f_j General von Castries in der Behauptung 
seines Postens nicht beirren und erwiderte 
das Geschützfeuer mit außerordentlicher Lebhaftig 
keit, das Vordringen Spörken's mit Kaltblütigkeit 
erwartend. In diesem kritischen Augenblicke 
erschienen die Spitzen der dritten, vierten und 
fünften Kolonne der Alliirten vor der Front 
der französischen Hauptarmee, und gleichzeitig 
setzte sich die hessische Reiterei in Trab, uni sich 
mit den braunschweigischen Husaren zu vereinigen. 
Diesen überlegenen Streitkräften konnte Castries 
nicht Stand halten; er trat sofort den Rück 
zug durch den Thalgrund der Esse nach Greben 
stein hin an, und hier war es, wo die hes 
sische und braunschweigische Reiterei mit großer 
Energie und wildem Ungestüm aus die sich in 
Ordnung zurückziehenden Franzosen eindrang und 
auch mit Erfolg einhieb. Dicht vor den Thoren 
von Grebenstein stürmten die Braunschweiger auf 
das französische Dragonerregiment Fitz-James, 
rieben es fast ganz auf und entrissen ihm eine 
Standarte. An die Spitze unserer hessischen 
Prinz Friedrich-Dragoner aber stellte sich der 
durch Kühnheit ausgezeichnete Oberstlieutenant 
Ludwig von Ditfurth. Ein langhingezogenes Trom 
petensignal rief unsere Dragoner zur Attaque, 
und nun ging es erst im Trabe, dann im Galopp 
gegen das dicht vor den Thoren Grebensteins 
ebenfalls ziemlich eng gedrängte Regiment Elsaß 
vor. Ein furchtbares Blutbad unter diesem 
Regiment richteten die hessischen Reiter an und 
nahmen demselben zwei bespannte Geschütze, Vier 
pfünder, ab, als dieselben gerade gegen die 
Dragoner abgeprotzt werden sollten. Das Regi 
ment wurde von unsern Dragonern fast ganz 
aufgerieben. Das Regiment Elsaß, was für uns 
von Interesse ist, galt damals als deutsches 
Regiment; man rechnete also damals auch das 
Elsaß, wenn auch nicht politisch, so doch sprachlich, 
zu Deutschland. Dieses Regiment wurde deutsch 
kommandirt und bestand aus lauter deutsch 
sprechenden Mannschaften. Seine Uniform war auch 
nicht die eines nationalsranzösischen Regiments, 
sondern die eines deutschen. Sie bestand aus 
hellblauen Röcken, rothen Kragen und Ausschlägen, 
weißem Unterfutter und ebensolchen Westen, sowie 
silbernen Knöpfen. Die glorreiche Waffenthat 
unserer Prinz Friedrich-Dragoner machte aber in 
Hessen ein solches Aufsehen, daß man nach ihr 
die ganze Schlacht in Hessen nur die Bataille von 
Grebenstein noch bis in die jüngsten Zeiten hinein 
nannte. Leider! sind die von unsern Dragonern 
erbeuteten französischen Geschütze 1808 wieder nach 
Frankreich zurückgewandert. 
Der kühne Angriff der deutschen Reiterschaaren 
nöthigte indessen den General Castries, seinem 
Rückzüge ein noch rascheres Tempo zu geben, und 
wenn auch mit großen Verlusten erreichte er auf 
der Straße von Grebenstein nach Kassel die 
Hauptarmee. 
Wie aber sah es bei der französischen Haupt 
armee aus? Kaum daß der unzeitige Angriff 
Spörken's erfolgte und die ersten Kanonenschüsse 
ffelen, wurde sofort Generalmarsch geschlagen, die 
Zelte abgebrochen und die Mannschaften traten 
unter das Gewehr. Die beiden Marschälle aber 
wußten schlechterdings nicht, was sie thun sollten; 
sollten sie sich zurückziehen?, sollten sie sich schlagen? 
Einstweilen beschlossen sie indessen, stehen zu bleiben, 
ihre leichten Truppen vor der Front ausschwärmen 
zu lassen und ruhig der Dinge zu warten, die 
da kommen würden. Die Hauptarmee der Alliirten 
fand indessen in dem durchschnittenen Terrain
	        

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