Full text: Hessenland (9.1895)

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geflissentlich überhörte oder in seinen Repliken 
„aus ihrem eignen Unwerth" beruhen ließ. 
Letzteres war aber leider den Werkzeugen nicht 
möglich. Es scheint, als ob die übrigen Theil- 
nehmer alle Schuld auf Gerd von Falkenberg 
und Georg Ziegenmeier geschoben haben, und 
gegen diese beiden entlud sich bald genug das 
Gewitter und der Sturm, welcher den einen 
tüchtig genug hin und her geschüttelt, den andern 
aber zuletzt in seinen Strudel hinabgezogen und 
verschlungen hat. 
Während noch Dillinghausen in seinem Ge 
fängniß zu Schöningen schmachtete, war schon 
die Zeit gekommen, wo Ziegenmeier, in des Reiches 
Acht, sich genöthigt sah, seine Person möglichst 
den Blicken der Verfolger, den Reisigen der ver 
bündeten Städte, zu entziehen. Da auch dem 
Herzog viel daran gelegen war, daß durch eine 
Gefangennahme seines Getreuen der üble Handel 
nicht an's Tageslicht kam, so wurde Georg auf 
Anordnung Heinrich's durch den von Stechau 
und Hans von Gladenbeck nach Calfurt (Cal- 
vörde) zunächst zu Matthias von der Schulenburg 
gebracht, der ihn schon früher geschützt hatte; 
aber hier war nicht lange seines Bleibens. Nach 
einiger Zeit, die er im Mecklenburgischen ver 
borgen gelebt, erschien er wieder zu Schöningen 
wie ein mahnendes Wahrzeichen an die böse 
That, und beschwerte sich bitter „des vmbtreibens" ; 
man versteckte ihn also hier wieder vier Wochen, 
bis Hektor Böhm kam und ihn mit sich nach 
Franken auf sein Schloß Betzel nahm. Außer 
bei dem genannten Ritter ist Ziegenmeier fernerhin 
bei Hans von Hutten, Philipp von Rüdigheim 
u. A. vom Adel in Franken, „den: oberland, am 
Vogelsberg, vff der Kintzing vndergeschleufft". 
Von dort holte ihn ein Reisiger Burkard's von 
Saldern, Dietrich Schwartz, wieder zurück in's 
Braunschweigische, wo man ihm in der Grafschaft 
Hoya im Kloster Heiligenberg ein Versteck anwies; 
und nur zeitweise verließ er dasselbe, um die 
Herzoglichen ein wenig mit allerlei Forderungen 
zu ängstigen. Es war überhaupt unter sothanen 
Umständen Ziegenmeier nicht zu verdenken, daß 
er in Ansehung der vielen Mühsale und Fähr- 
lichkeiten endlich auch einmal etwas von dem 
Lohn zu sehen verlangte, welchen Heinrich 
seiner Zeit für die Auslieferung Dillinghansen's 
versprochen hatte. Zu diesem Zweck wandte er sich 
zunächst an einen der Bürgen des Geschäfts, den 
von Saldern. Auf dessen Veranlassung wurden 
nach einigen Weiterungen durch Andreas Bessel, 
den Pfennigmeister des Herzogs, 1000 Gold 
gulden in Hannover zur Disposition Burkard's 
von Saldern hinterlegt, und dieser ließ die ge 
nannte Summe daun durch Gerd's Bruder, 
Widekind, erheben, des letzteren Quittung war 
im Jahre 1544 noch vorhanden und vorzulegen. 
Der geistliche Herr — Widekind hatte ein 
Kanonikat zu Bruchsal, trat dann aber in den 
weltlichen Stand und ist der Großvater des durch 
Magdeburgs Vertheidigung bekannten schwedischen 
Obersten Dietrich von Falkenberg*) geworden, — 
übergab die 1000 Gulden hieraus zu Boden 
werder den Brüdern Georg's, Berthold und 
Hermann Ziegenmeier; in welcher Weise Gerd 
abgefunden wurde und ob er überhaupt etwas 
bekommen hat, wissen wir nicht, sicher aber ist, 
daß die Gesammtsumme von 4000 Gulden nicht, 
wie eine Nachricht angiebt, bald nach Dilling- 
hausen's Ueberlieferung durch einen Vorschuß 
Rabodo's von Westphal zur Auszahlung kam. 
Vermuthlich hat jedoch Widekind (für Gerd) die 
gleiche Summe schon vorher empfangen, da er 
sich andernfalls wohl an den erwähnten 1000 
Gulden schadlos gehalten haben würde. Wegen 
dem dann noch bleibenden Rest von 2000 Gulden 
stand Georg Ziegenmeier übrigens im Jahre 1544 
noch in Forderung gegen Widekind, hat aber ver 
dientermaßen sicherlich das Nachsehen gehabt, 
denn die vorausgegangenen Ereignisse, sowie der 
Tag von Kalefeld waren gerade nicht geeignet, 
Forderungen besondern Nachdruck zu verleihen, 
welche in einem so üblen Handel begründet 
waren. Nachdem Georg seinen Verdienst ein 
geheimst, fanden noch eine Reihe Drangsalirungen 
Goslars von Seiten der Herzoglichen statt, um 
die Bürger zu einer Einigung mit Ziegenmeier 
zu nöthigen — das Festhalten des Herzogs an 
diesen Mann ist ein Zug seines Wesens, der mit 
manchem widrigen versöhnt —, aber die Stadt 
lehnte lange Zeit jeden derartigen Versuch be 
harrlich ab. Endlich im Jahre 1538*) ist es dem 
vielvermögenden Landgraf Philipp gelungen, die 
Goslarer mit ihrem langjährigen Feind zu ver 
tragen; als seine Brüder und Vettern werden 
hierbei genannt: Berthold, Otto, Hermann, 
Hennig, sowie Kaspar und Balthasar Ziegenmeier, 
welche sämmtlich in den Vertrag aufgenommen 
wurden; ausgeschlossen wird ausdrücklich von 
Goslar Herzog Heinrich, dessen Plänen zu jener 
Zeit auch gar nicht mit Frieden gedient war. 
Unsere Aufmerksamkeit wendet sich nach dieser 
längeren Abschweifung wieder Gerd von Falken 
berg zu. Wir erzählten, daß am 17. Mürz 1531 
die Reiter des Landgrasen in Blankenau nach 
*) Gefallen am 10./20. Mai 1631. 
*) Montag nach Sonntag Palmarum 1538. Ungedr. 
Urk. im Archiv der v. d. Malsburg zu Elmarshausen. 
Gütige Mitth. vr. W. G r o t e f e n d 's.
	        

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