Full text: Hessenland (9.1895)

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Altes Haupt ergraut in Moosen, 
Junges Haupt umlockt der Mai. 
In dem Frühling pflückt man Rosen 
Und man tanzt nach der Schalmei. 
Steckt ein Pfeil in tiefem Herzen, 
Brennt's von bittersüßen Schmerzen, 
O, wie selig macht das Bild, 
Welches lächelt zaubermild! 
Allen unsern schönen Damen 
Klinge laut jetzt Lob und Preis, 
Die mit neuer Fahne kamen, 
Schönster auf dem Erdenkreis. 
Laßt uns schlingen um die Kränze, 
Lasset folgen frohe Tänze! 
Der Teutonia geweiht 
Bist du, Tag der Herrlichkeit! 
O. LI). Z>. 
Universitätsnachrichte n. Professor Dr. jur. 
Friedrich Oetker zu Rostock wird zum 1. Ok 
tober einem Ruse an die Universität Würzburg 
als ordentlicher Professor für Strafrecht und 
Strafprozeß Folge leisten. — Der außerordentliche 
Professor an der Universität Marburg Dr. Gerhard 
Alexander Leist ist als ordentlicher Professor 
des römischen Rechts nach Gießen berufen und 
hat diese Berufung angenommen. — Ferner wird 
der ordentliche Professor in der juristischen Fakultät 
zu Marburg Dr. Karl Bergbohm von dort 
scheiderl, um die Professur für öffentliches Recht 
ail der Universität Bvnil zu übernehmen. 
Am 30. Juni waren 25 Jahre verflossen, seit 
dem der Besitzer lind Verleger der „Oberhessischen 
Zeitung" Johann August Koch in Marburg 
als solcher gewirkt hat. Der rastlosen Pflichttreue 
des Jubilars ist es zu verdanken, daß sein Blatt 
sich von kleinen Anfängen zu achtunggebietendem 
Ansehen emporgearbeitet hat. 
Todesfälle. Am 6. Juli verschied Rechts 
anwalt Justizrath Wilhelm Thon zu Kassel, 
wo er seit 1879 seinen Wohnsitz hatte. Vordem 
hatte er in Nentershausen bezw. seiner Vaterstadt 
Sontra seinem Berufe gelebt. Der Verstorbene, 
geboren am 6. Mai 1830, stammte aus althessischer 
Familie nnb stand in gutem Ansehen. — Am 
4. Juni verstarb in Chicago, wo er sich all 
gemeiner Achtung erfreute, nach einem unermüdlich 
thätigen Leben Ingenieur Hermann Kröschell, 
geboren 1818 in Sooden an der Werra, ein 
Neffe Adolf Herrsch el's, des Begründers der 
weltbekannten Maschinenfabrik in Kassel, nach den 
„Newyorker hessischen Blättern" einer jener Bürger, 
welche durch ihre Thatkraft und Bildung die 
Weltstadt Chicago zu dem gemacht haben, was 
sie heute ist. 
Hessische Bücherschau. 
Helius Eobanus Hessus Rex poetarum. 
Gedichtet von Carl Preser. Für vier 
stimmigen Männerchor mit Klavierbegleitung 
komponirt und der Marburger Studentenschaft 
gewidmet von Franz Melde, opus 11. 
Marburg (Oskar Ehrhardt) 1895. 
E o b a n u s Hessus (mit dem Dichternamen 
Helius), unser hessischer Landsmann, das Haupt 
des Erfurter Humanismus, ein Zeitgenosse und 
Freund Ulrich's von Hutten, Professor der schönen 
Künste in Erfurt und hernach der Geschichte und 
Dichtkunst in Marburg, wo er 1540 starb, hat, 
wie noch kürzlich in Nr. 11 dieser Zeitschrift er 
wähnt wurde, in dem im vorigen Jahre verstorbenen 
Professor Dr. Karl Krause aus Sontra einen 
trefflichen Biographen gesunden. Nun ist dem 
Eobanus, der nicht nur als Gelehrter und Dichter, 
sondern auch als feucht-fröhlicher Liebhaber des 
edlen Rebensaftes einen Namen hatte, auch das 
Glück zu Theil geworden, von Carl Preser 
in einem schwungvollen Gedicht besungen zu werden. 
Kein Geringerer als Geheimrath Franz Melde) 
der Komponist des beliebten „Hasso-Borussen- 
Marsches", hat die frische, stimmungsvolle Dichtung 
für vierstimmigen Männerchor mit Klavierbegleitung 
in Musik gesetzt und der Marburger Studenten 
schaft gewidmet. Wir haben Gelegenheit gehabt, 
das Lied zu hören und können ohne weiteres 
sagen, daß die Komposition als eine durchaus 
gelungene und dem Geiste der Dichtung ent 
sprechende zu bezeichnen ist. Die Oskar Ehrhardtffche 
Universitütsbuchhandlung hat dann das oprm 11 
des Geheimraths Melde von der Hand eines be 
kannten Malers mit einem wohlgelungenen Titelblatt 
versehen lassen und so würdig ausgestattet. 
Marburg, seine Hauptgebäude, Institute und 
Sehenswürdigkeiten nebst einem Führer in 
Marburgs Umgebung. Mit dem Plan der 
Stadt und 34 Abbildungen. Herausgegeben 
von A. Koch. Dritte verbesserte und ver 
mehrte Auslage. Marburg (N. G. Elwert) 
1895. IX und 164 Seiten. 8. Preis 1 Mark. 
In dem vorliegenden Buche bietet sich uns ein 
alter Bekannter in wesentlich verjüngter Gestalt 
dar, dessen Ziel, zu den Naturschönheiten, den 
Kunstschätzen und den Heimstätten der Wissenschaft 
unseres lieben Marburg als zuverlässiger Führer 
zu dienen, gewiß voll erreicht werden wird. Wir 
wollen es uns nicht nehmen lassen, das in jeder 
Beziehung trefflich ausgestattete und sorgfältig 
gehaltene Merkchen der Aufmerksamkeit unserer
	        

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