Full text: Hessenland (9.1895)

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(!) dr Hchwalm es es schieb) 
(Schwälmer Mundart.) 
O dr Schwalm es es schie, 
Es die Äw^) immer grte 3 ). 
Bos ser Bläume gets^) net do! 
Ö dr Schwälmer es so froh. 
Stramm ö stolz es dr Harr, 
Seng seng Knächt ö die PärrZ, 
Ö seng Jonge fromm ö frei, 
Seng ö bleiwe stets drbei. 
Ö seng Fräho) es net schroh^), 
Ö die Mäd net vo Stroh. 
O seng Müje es ee Bläum, 
Schenres senge werscht de^) kaum. 
Jehres weß, bos es es. 
Alles günz, ohne Rest 
Werscht de senge. All seng eens. 
Ewerhewe büt sich keens?) 
’) An der Schwalm ist es schön. 9 ) Aue. 9 ) grün. 
h Blumen giebt es. °) sind seine Knechte und die Pferde. 
) seine Frau. 7 ) schroh — mager, abschreckend. 8 ) wirst du. 
9 ) Jedes weiß, was es ist. Alles ganz ohne Riß wirst du 
finden. Alle sind eins (— einig). Neberheben thut sich 
keins (— niemand). 
Kurt Muhn. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Ein braver Hesse unb seine Familie. 
Eine alte Chronik*) hat uns folgenden, in seiner 
Art den Geist der Zeit und die etwas rauhen 
Umgangssormen derselben trefflich charakterisirenden 
Vorfall überliefert. 
Als Landgraf Ludwig II. (1458 — 1471) im 
Jahre 1471 auf dem Reichstage zu Regens 
burg war, auf welchem er vom Kaiser Frie 
drich III. mit Hessen, Ziegenhain, Nidda und 
Waldeck belehnt wurde, hatte er „einen Diener mit, 
der war stark, groß und gerade, darzu stolz, und 
welcher der Ehren Abbruch nicht leiden mochte, 
und war Johann Blieber genannt, und bliebe 
auch**), wie ein frommer Diener feinern Herrn 
bleiben sollte. 
*) Chronica und altes Herkommen der Landtgraven 
zu Döringen rc. bei Senkenberg, Lstsctazuri« st histo- 
riarum II. 
**) Offenbar Wortspiel mit dem Namen Blieber. 
Derselbe Johann Blieber brachte allewegen 
seinem Herrn sein Pferd, da war er zu geordnet, 
wan man sollte zrr Rath oder von Hos reiten. 
Einstmals kam er und brachte seines Herrn Hengst; 
so hielte Herr Götz von Algesheim an dem 
Ende, aus des (Erz-) Bischofs von Cöln Pferde, 
da er heim reiten wollte. p Da sprach Johann 
Blieber: „„Reit 7 beiseit! Hier gehört meines 
Herren Pferd her!"" 
Der Ritter antwortet: „„Mein Herr ist ein 
Churfürst und so gut als der deine, und ich so 
gut als du!"" 
Blieber, von Zorn bewegt, sprach: „„Du leugst; 
mein Herr ist fromm und ward noch kein Ver- 
räther, als der deine! So hast du Bösewicht 
C u r t von Padberg verrathen; des. bin ich 
besser dann du, und reit 7 bald, oder aber ich 
will dich abbringender Hals soll dir krachen!"" 
Also mußte der Ritter schamroth von dannen 
scheiden. Da wäre eine große Noth aus worden, 
wäre der Fürst von Hessen nicht so hoch gefreundet, 
und, auch selbst so freimüthig gewesen, unb dar 
gegen der Bischof von Cöln um seiner Unthat 
willen gehaßt, und den Leuten gramselig worden." 
Soweit der Chronist. Was nun zunächst die 
Beschuldigung Blieber's anbelangt, Götz von Alges 
heim habe Kurt von Padberg verrathen, so findet 
man in derselben Chronik die Angabe, daß Götz 
sich durch Anknüpfung eines Liebeshandels mit 
Kurt's Gattin, einer geborenen von Westfalen, 
den Eingang zur Burg Padberg zu verschaffen 
wußte, infolge dessen das Schloß dem Erzbischof 
Ruprecht geöffnet wurde. Der thatsächliche Verlauf 
dieser Dinge liegt noch sehr im Dunkeln. 
Kehren wir zu unserem Johann Blieber zurück. 
Derselbe erscheint noch einmal in einem glanzvollen 
Lichte bei der ruhmvollen Vertheidigung von Neuß 
durch hessische Ritter gegen Karl den Kühnen 
von Burgund im Jahre 1474. Er wird in der 
sog. „hessischen Zeitrechnung" (Zeitschr. des Ver 
eins für Hess. Gesetz. und Landest. VII. 309) der 
„starke und männliche Johann Bleiber, ein tapferer 
Held" genannt. Der Herausgeber fügt hinzu, 
daß der Name richtiger „Blysar" hieße, daß er 
zu Wohra gewohnt habe, zu Rosenthal 
Burgmann gewesen und wahrscheilich ohne Nach 
kommen gestorben sei. Letzteres scheint richtig zu 
sein, denn nach 1474 habe ich den Namen Blivar 
nirgends mehr gesunden. 
Von seinen Vorfahren habe ich folgende notirt: 
Ein Gerlach „Blivar" war 1244 Corveyischer 
Burgmann zu Lichtenfels in Waldeck, ein 
Konrad Blivar 1273 Zeuge in einer Urkunde 
des Klosters Bredelar, und Thomas Blivar
	        

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