Full text: Hessenland (9.1895)

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zweite Kolonne, aus Engländern und Hanno 
veranern bestehend, den drei Bataillonen Ahlefeld, 
Bode und Wangenheim, sollte über Oberlistingen 
nach Sieberhausen marschiren und zu derselben 
Zeit den Schreckenberg erreichen. Dann aber 
sollten beide Kolonnen gemeinsam zwischen Fürsten 
walde und Ehrsten vordringen. Beide Kolonnen 
trafen auch rechtzeitig ein. 
Dagegen brach, der Disposition gemäß, die 
Hauptarmee am 24. Juni, Morgens 3 Uhr, 
aus ihrem Lager bei Körbecke auf und mar- 
schirte in sieben Kolonnen auf Pontonbrücken 
bei Liebenau, Lamerden, Eberschütz und Sielen 
über die Diemel. Die erste, zweite, dritte, vierte 
und fünfte Kolonne erreichten, vom Wetter und 
günstigen Wegen begünstigt, bereits nach zwei 
stündigem Marsche den Fuß des Langenbergs bei 
Kelse, gegenüber der feindlichen Front. Die 
fünfte Kolonne ist für uns wieder von Interesse; 
sie bestand aus der hessischen Infanterie mit dem 
Regimenté Mansbach an der Spitze. Prinz 
Anhalt befehligte diese Kolonne; ihr folgten zwei 
Eskadrons Einsiedel, zwei Eskadrons Erbprinz, 
vier Eskadrons Prinz Friedrich-Dragoner, sowie 
acht Eskadrons hannoverscher Dragoner (Estorf, 
Braun, Beltheim). 
Es war dann weiter bestimmt worden: Sobald 
die englischen, braunschweigischen und hessischen 
Regimenter die Höhen von Kelse diesseits der 
Teiche erreicht haben, marschiren sie dergestalt 
auf, daß der rechte Flügel gegen Niedermeiser, 
der linke gegen die Esse in der Richtung aus 
Karlsdorf zu stehen kommt. Die Kelser Teiche 
bleiben vor der Front, ebenso das Dorf Kelse und 
der Langenberg. Die Kavallerie der hessischen 
Kolonne marschirt an dem linken Flügel der 
hessischen Infanterie auf. 
Der General von Spürten, der die sechste und 
siebente Kolonne führt und vor Hümme geht, läßt 
Beberbeck links, Hombressen rechts liegen und 
muß seinen Marsch so einrichten, daß er um 
7 Uhr Morgens auf der Höhe zwischen Uden 
born und Hombressen steht. Aus dieser Höhe 
marschirt er auf, mit der Front gegen Greben 
stein, anschließend an den General Luckner. Der 
Major Specht dagegen mit leichten Truppen 
erhielt den Befehl, von Sababurg nach Holzhausen 
und mit seiner Kavallerie nach Hohenkirchen zu 
marschiren. Oberstlieutenant von Riedesel mit 
den braunschweigischen Husaren erhielt den Befehl, 
die Verbindung zwischen der fünften, der hessischen, 
und der Kolonne des Generals von Spörken zu 
unterhalten. Die Bagage der Armee blieb bei 
den Wartthoren der Bogenbrücke zurück. 
So war es beschlossen, so sollte es auch aus 
geführt werden. 
Es war zwischen 7 und 8 Uhr Morgens, als 
General von Spörken mit seinen beiden Kolonnen 
aus dem Reinhardswalde heraustrat, um seinen 
Aufmarsch in der Richtung gegen Grebenstein zu 
bewerkstelligen. Spörken fand aus der Höhe zwei 
französische Vedetten, die sich sofort bei seinem 
Herannahen zurückzogen. Bei Karlsdorf stand 
nun völlig isolirt das französische Corps des 
Generals Castries. Statt sich nun gegen diese 
so isolirt vorgeschobene französische Kolonne zu 
wenden, der er bereits völlig im Rücken stand, 
und dieselbe abzuschneiden, wandte sich General 
Spörken südlich gegen die Hauptarmee. 
Man nimmt im Allgemeinen an, daß ein 
kleines Wäldchen, die sog. lichte Höhe, ihm die 
Aussicht auf das Lager von Castries verdeckte, 
daß dagegen die Aussicht auf die französischen 
Hauptarmee offen vor ihm lag. Der Fehler war 
aber um so bedenklicher, als Oberstlieutenant 
von Riedesel mit seinen braunschweigischen Husaren 
bereits ebenfalls in der linken Flanke des Castries'- 
schen Corps stand, bereit in dasselbe einzuhauen, 
sobald Spörken angegriffen haben würde. 
Der zweite Fehler des hannoverschen Generals 
von Spörken bestand aber darin, daß er in 
unkluger Bravour seinen Angriff begonnen hatte, 
ohne die Ankunft des Generals Luckner abzu 
warten, der sich auf dem Marsche durch den 
Reinhardswald nach Mariendorf befand. 
Allen diesem Ungeschick aber setzte er noch die 
Krone auf, indem er noch einen britten Fehler 
beging und die endlich aus dem Walde hervor 
brechenden Luckner'schen Schaaren für Feinde hielt 
und gegen dieselben eine lebhafte Kanonade er 
öffnete. Entschuldigt kann dieser Fehler werden 
mit der allerdings ziemlich gleichartigen Uni- 
formirung der damaligen Soldaten aller Heere, 
und es muß noch als großes Glück bezeichnet 
werden, daß der hannoversche Oberstlieutenant 
von Linsingen den Irrthum rechtzeitig erkannte 
und mit eigener Lebensgefahr dessen Fortsetzung 
vorbeugte. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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