Full text: Hessenland (9.1895)

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wie schon oben erwähnt, ursprünglich beritten ! 
gemachtes Fußvolk und nahmen in der fran 
zösischen Armee immer noch diese ursprüngliche 
Mittelstellung ein, während in der preußisch- 
alliirten Armee nach dem Vorbilde des großen 
Kurfürsten die Dragoner bereits als einfache 
leichte Reiter galten. 
Am 22. Juni machte diese französische Armee 
eine kleine Bewegung vorwärts und lagerte sich 
bei Grebenstein. Um nun den Herzog von 
seinem Eindringen in Hessen abzuhalten, um ihm 
den Uebergang über die Diemel zu versperren, 
wäre es viel richtiger gewesen, dieses Lager vor i 
und nicht hinter der Diemel aufzuschlagen. 
So blieben die Franzosen aber ans halbem Wege 
zwischen Kassel und der Diemel stehen. 
Ihr rechter Flügel hatte die Stadt Grebenstein > 
vor seiner Front und lehnte sich au einen 
morastigen Bach, der von Hohenkirchen nach 
jenem Orte hinfließt, die Esse. Die Front ihres 
Lagers lief in gerader Linie auf der Höhe bis 
Meimbressen hin, einem im Grunde liegenden 
Dorfe, durch welches gleichfalls ein Bach fließt; 
rechts vor sich hatten sie Schachten und den 
Schachtener Driesch. Vor ihrem Zentrum stand 
wieder ein Corps Infanterie fast parallel mit 
ihrer Armee auf dem sog. Warteberg unter 
Führung des Grafen Stainville. Jenseits Meim 
bressen und des Baches hatten sie ein gleich 
kleines Corps' etwa quer vor ihrer linken Flanke 
aufgestellt. Endlich hatten sie eine gute Meile 
weit vorwärts vor ihrem rechten Flügel den 
Generallieutenant Marquis du Castries ausgestellt 
mit einem starken Corps Infanterie und Ka 
vallerie bei Karlsdorf, dicht am Reinhardswalde, 
indessen weit vorgeschoben und ganz isolirt. 
Den Zweck dieser Aufstellung wie dieses Lagers 
vermochte Niemand einzusehen, und Mauvillon 
nimmt vielleicht nicht mit Unrecht an, daß nur 
die Nähe des reizenden Schlosses von Wilhelms 
thal, wo sich das Hauptquartier befand, der 
Grund dieser planlosen Ausstellung gewesen sei. 
Die Stellung war um so unbegreiflicher, als 
durch die Wegnahme der Sababurg der ganze 
Reinhardswald in den Besitz der Alliirten ge 
kommen war und von hier aus eine Umgehung 
derselben doch leicht zu ermöglichen war. 
Kaum hatte Ferdinand von dieser höchst un 
günstigen Stellung der Franzosen durch aus 
gesandte Mannschaften, insbesondere auch durch 
einen Herrn von Apell aus Kassel, der von 
Kassel aus mit der Post nach Höxter gereist 
war und die französischen Stellungen bei Greben 
stein passirt hatte, Kenntniß erhalten, so beschloß 
er, einen entscheidenden Schlag gegen die nichts 
ahnenden französischen Marschälle auszuführen 
und sie in ihrem Lager zu überfallen. 
Hannoversche Husaren und Jäger hatten schon 
am 22. Juni die Debouchos bei Westuffeln und 
Grebenstein erreicht, hier stießen dieselben Plötzlich 
auf den Grafen Stainville, beit Herzog von Cöigny 
und andere Generale, die gerade mit einer Re- 
kognoszirung beschäftigt waren. Rasch griffen 
die Hannoveraner die Generale und ihre Eskorte 
an und nahmen 4 Offiziere und 42 Mann ge 
fangen, während Stainville selbst Leben und Frei 
heit nur der Schnelligkeit seines Pferdes verdankte. 
Ihm gemeldete Bewegungen des Feindes ver 
anlaßten den Herzog Ferdinand, persönlich über 
Sielen nach dem Schöneberg vorzugehen, um von 
diesem hochgelegenen Berge aus sich Kenntniß 
von dem Marsche des Feindes zu verschaffen. 
Er vermochte indessen nicht zu erkennen, ob er 
die ganze französische Armee oder nur einen 
Theil vor sich habe. Nichtsdestoweniger beschloß er, 
unter allen Umständen eine völlige Umgehung 
des Feindes zu bewerkstelligen, und zwei Bestim- 
mungen waren es, die vor allem von größter 
Wichtigkeit für den Gang der Schlacht waren 
und für die ich mir ganz speziell Ihre Auf 
merksamkeit erbitten muß. Es war einmal der 
Befehl an den General Luckner, am 23. Juni 
von Uslar nach Wambeck zu marschiren und noch 
an demselben Tage in Gottsbüren einzutreffen. 
Am 24. Juni früh um 2 */2 Uhr setzt sich dantt 
das Luckner'sche Corps —, so hieß es in der 
Ordre weiter —, in Marsch und geht über 
Sababurg durch die Schneise nach Mariendvrs, 
um 7 Uhr Morgens muß es hier eingetroffen sein, 
die Infanterie im ersten, die Kavallerie im zweiten 
Treffen. Diesem Luckner'schen Corps, welches 
aus sieben Bataillonen Hannoveranern, vier 
Schwadronen Luckner-Hnsaren und vier Schwa 
dronen Waldgrave-Dragoner bestand, waren noch 
vier Schwadronen Hessen-Kasselscher Husaren unter 
Oberstlieutenant von Grüfendorf zugetheilt. 
Die zweite nicht minder wichtige Bestimmung 
war an Lord Granby, den Führer des Reserve 
corps, gerichtet. Derselbe sollte aus seiner Stellung 
bei Marburg und am Desenberg aufbrechen, am 
23. Juni die Diemel bei Marburg überschreiten 
und in zwei Kolonnen marschiren. Die eine 
Kolonne, aus dem preußischen Husarenregiment 
von Bauer, dem englischen Dragonerregiment 
Elliot, zwei Bataillonen Bergschotten, zwei Ba 
taillonen englischer Garde, der sog. Brigade 
Beckwith bestehend, sollte über Banna, Ober- und 
Niederlistingen nach Zierenberg marschiren und 
hier links abschwenken und am 24. Juni um 
7 Uhr Morgens am Hangarstein eintreffen. Die
	        

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