Full text: Hessenland (9.1895)

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sollte betn Gefangenen keine Lebensgefahr noch 
lebenslängliches Gefängniß aus dem Handel ent 
stehn. Diese an sich recht lobenswerthen Ver 
sicherungen scheinen nun einem der Theilnehmer 
der Expedition, der auch mit zur Eskorte gehörte, — 
dem guten Jörg Ziegenmeier, nicht mehr recht 
glaubwürdig gewesen zu sein, es wollte ihn be- 
dünken, „die fachen giengen nicht recht zu, würde 
auch nicht eyn gut ende*) nemen, vnnd 
nicht alleyn dem Doctor, sondern auch jme gefahr 
des leibs darauff stehn". Er gedachte deshalb, 
sich ganz von der Angelegenheit zurückzuziehen, 
insbesondere aber, nicht mit nach Schöuiugen zu 
reiten, doch wurde er vott Burkard ernstlich bedeutet 
und auf anderen Sintt gebracht. Da trotzdem 
noch sein Ausrücken befürchtet wurde, so verfiel 
man auf bett ingeniösen Gedanken, ihn auf einen 
hinkenden Gaul zu setzen. Unter sothauen Um 
stünden hielt der Trupp seinen Einzug in der 
herzoglichen Veste, woselbst der Gefangene in eine 
zum Gefängniß hergerichtete Badestube gesperrt 
wurde; weil außerdem Ziegeumeier Erfahrung in 
derlei Angelegenheiten besaß, wurde derselbe ver 
*) In dem in der Kasseler Bibliothek befindlichen i 
Exemplar „Unmenschliche . . . übelthaten k." [)'. o.] sind 
diese Worte unterstrichen und mit der Randbemerkung von 
gleichzeitiger (1544) Hand versehn: proplretn. 
anlaßt, dem Gefangeneit als Wächter Gesellschaft 
zu leisten. Es war nun vorauszusehn, daß Georg 
— der offenbar noch der beste unter den kalt 
blütigen Bösewichtern war und, wie es scheint, ein 
gewisses Wohlwollen gegen seinen Pflegebefohlenen 
gefaßt hatte, — in Folge des engen Zusammen 
lebens in einer Art votl vertraulichem Verhältniß 
mit Dillinghausen kommen würde; eben dies 
gerade wünschte man und zwar in der Absicht, 
durch Georg den Gefangenen noch in Bezug auf 
irgend welche wichtige Dinge auszuhorchen. Aber 
nur zu bald verlor Dillinghausen diesen, wenn 
auch unsichern Freund. Es stellte sich nämlich 
innerhalb kurzer Zeit heraus, daß Ziegenmeier 
das Stillsitzen nicht vertragen konnte, er erkrankte 
und wurde durch Jakob Wildschütz, den Büchsen 
meister, und Christof von Eichstädt, den Kammer 
junker des Herzogs, ersetzt. Alle Angelegenheiten, 
welche den Gefangenen betrafen, betrieb man aus 
leicht einleuchtenden Gründen mit besonderer Heim 
lichkeit; so wurde Wildschütz durch Hameustedt 
im Schloß zu Wolfenbüttel vor Herzog Heinrich's 
Zimmer eidlich verpflichtet, über alles und jedes 
Stillschweigen zu beobachten und alles, was ihm 
in dieser Sache besohlen würde, unweigerlich 
auszuführen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Nie Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni 1762. 
Vortrag von Dr. med. Carl Schwarzkopf. 
(Fortsetzung.) 
ernt ich Ihnen nun jetzt eine ausführliche 
Beschreibung der sich entwickelnden Schlacht 
bei Wilhelmsthal zu geben versuche, so 
bitte ich um Ihre gütige Nachsicht, da Sie es 
mit der Darstellung eines Laien, der sich der 
Schwierigkeit seiner Aufgabe wohl bewußt ist, und 
keines Fachmannes zu thun haben. Mir kommt 
es indessen darauf au, Ihnen ein klares und über 
sichtliches Bild der Schlacht zu geben, nnb da 
kaun ich nichts Besseres thun, als Sie auf eine 
vorliegende Karte verweisen, die meines Wissens 
von einem Stabsoffizier der hiesigen Garnison 
zwecks eines Vortrages über dasselbe Thema 
gezeichnet wurde und die so klar und übersichtlich 
ist, daß eigentlich an der Hattd dieser ganz vor 
züglichen Karte jedes Kind den Gang der Schlacht 
begreifen kann. Ich bitte Sie deshalb nachträglich 
noch von dieser Karte genaue Kemttuiß zu nehmen, 
da ohne dieselbe mein Vortrag, so zu sagen, in 
der Luft schwebt und unverständlich bleibt. 
Wie die Verbündeten, hatten auch die Fran 
zosen ihre ganze Armee bei Kassel bereits 
am 20. Juni zusammengezogen. Diese französische 
Armee bestand indessen durchaus nicht aus lauter 
Nationalfranzosen, sondern in ihr dienten Nassauer, 
Sachsett, Pfälzer und vor allem auch Schweizer 
regimenter. Diese Fremdregimenter unterschieden 
sich auch äußerlich durch die Grundfarbe der 
Montur von bett französischen Regimentern, welche 
durchweg weiße Uniformen trugen. Die Grund 
farbe für die zehn Schweizerregimenter war roth, 
die für die deutschen Regimenter, Elsaß, Nassau, 
Zweibrücken u. s. w., dagegen blau. Bewaffnet 
war die französische Infanterie mit einem Säbel 
und einer Flinte mit Bajonett, welches auch 
während des Feuerns auf dem Lause blieb. Auch 
in der Kavallerie waren fremde Regimenter, 
deren Montur roth war, während die national- 
französischen Reiter blaue und die Dragoner 
grüne Montur hatten. Die Dragoner waren,
	        

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