Full text: Hessenland (9.1895)

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Melsunger Stadtbuch, „war solche große Wasser 
flut!), daß mau nit allein mit Schifflein an 
Johan Braudaun Hausecken fahren können (dies 
ist wahrscheinlich das schone Eckhaus ain Markte 
und der Brückenstraße), sondern es ist auch das 
Wasser bei dem Brückenthor über dem Schnitz, 
welcher bei der großen Wasserflut!) 1552 am 
10. Januar geschehen, einen ganzen Schuh laut 
Zeichens übergangen, es hat auch diese Flnth nit 
allein die oberste Schneidemühle und Lohmöhle 
und viel Bäume und Zäune hinweggeführt, sondern 
auch einen großen Riß an der Brücken gethan. 
Dasmal sind regierende Bürgermeister gewesen 
Caspar Hilgenberg!, Conradt Möller, Curdt 
Erningk, Johan Thias." 
Rath und Ausschuß kamen zusammen und 
beriethen über die Ausbesserung des Brücken 
schadens. Aber das Bürgerthum war damals 
die Bevormundung durch die Regierungsbehörden 
schon so gewohnt geworden, daß man sich zu 
keinem besseren Entschlüsse aufschwang, als den 
Vogt von Merxhausen und den von der Haida 
bei Morschen holen zu lassen, damit sie als 
„Baumeister zur Brucken" den Schaden be 
sichtigten. Der Strom war geduldig und richtete 
mittlerweile kein größeres Unheil au. Mit 
Weiden und anderen Stoffen füllten dann Acker 
leute die Löcher in dein Baue aus, fuhren Steine 
auf die Brücke und ließen sich dabei das Bier 
des städtischen Brauhauses wohl schmecken. Die 
Beschädigung mußte immerhin bedeutend sein, 
das sehen wir aus den Kosten und Anstrengungen 
bei der Wiederherstellung. Zimmerleute mußten 
ein Balkengerüst an der Brücke aufschlagen, für 
eiserne Stäbe und Klammern gab man allein 
44 Thlr. 12 Albus aus, und ein Pflasterer 
arbeitete mit einem Handlanger fünf Wochen und 
vier Tage, um das Plaster auf und vor der 
Brücke wieder herzustellen. Die Stadt war durch 
das Kriegseleud schon in arge Schulden gerathen, 
aber mehrere Kasseler Gläubiger hatten ein Ein 
sehen und erließen ein Ansehnliches an den Zinsen. 
Die erneuerte Brücke war der Macht des 
Wassers noch immer nicht gewachsen. Schon 
1647 mußte sie durch Eisbalkeu geschützt werden. 
Und seit 1648 sind trotzdem fast jedes Jahr Aus 
gaben für Ausbesserungen an der Brücke ver 
zeichnet. 1675 stand es so schlimm, daß am 
28. Mai der Wegemeister schleunigst die hölzerne 
Brücke, welche löchricht und schädig war, wieder 
herstellen mußte; die gnädige Herrschaft hatte 
nämlich ihre Durchreise angekündigt. Die Un 
brauchbarkeit der steinernen Brücke rührte daher, 
weil der letzte Brückenbogen, unmittelbar an der 
heutigen Vorstadt, schadhaft geworden war. 
Hieran hat man lange gebaut. Schon in einem 
Aktenstücke vom 27. Mai 1678 wird angeführt, 
daß man 1675 bis 1677 an der steinernen Brücke 
gebaut, dazu eine starke Summe Geldes geborgt 
und mit Gottes Hilfe den Bau vollendet hätte. 
Allein Risse und Einsturz wiederholten sich fort 
während. Noch 1715 wurden 16 Eichenstämme 
aus dem alten Schöneberge für den Brückenbau 
angewiesen. In dieser Zeit müssen auch die be 
nachbarten Aemter Fuhren für die Herstellung der 
Melsunger Brücke übernehmen, bedürfen aber 
öfterer Mahnung. Erst 1733 scheint der Brücken 
pfeiler solche Festigkeit erlangt zu haben wie seine 
Brüder. 1746 kam der Obersalzgräse Waitz in 
Kassel auf den Gedanken, auch Wehr und Schleuse 
von Stein zu bauen. Diese Arbeit vollführte 
aber die hessische Regierung allein. 
Trotz der neuen Eisenbrücke, welche jetzt den 
Bahnhof mit der Stadt Melsungen verbindet, 
gehen noch immer Tausende über die alte Stein 
brücke. Aber wer denkt dabei au die Sorgen 
und Schweißtropfen, welche diese Anlage der Vor 
zeit gekostet hat? 
Gerd von Falkenberg 
und die Niederwerfung Tillinghausens im Jahre 1530. 
Von Dr. Wilhelm Chr. Lange. 
(Fortsetzung.) 
M er rechtmäßige Eigenthümer dieser Aktenstücke, 
Jpjj Dillinghausen selbst, wurde „über Berg und 
Os Thal" nach der Blankenau geschleppt, — wir 
kennen Gerd's Haus schon als Aufbewahrungsort 
für Gefangene, — und dort in einen Keller gesperrt, 
wohl der Heimlichkeit wegen; der „Prinzipal" Georg 
Ziegenmeier mußte ihm zu mehrerer Sicherheit Ge 
sellschaft leisten, d. h. ihn bewachen. Gerd, der Viel 
beschäftigte, hatte andere Sachen zu thun, denn zu 
nächst handelte es sich bei ihm um den springenden 
Punkt, den klingenden Erlös der mühevollen 
Unternehmung einzuheimsen. Der Gefangene hatte
	        

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