Full text: Hessenland (9.1895)

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nördlich abfallenden Bergrückens, welcher zwischen 
dem Biebesbach und der Jossa einer- und dem 
Breitenbach andererseits bis zu deren Vereinigung 
vor Oberjossa in östlicher Richtung herabstürzt. 
Im nördlichen Thäte liegen Breitenbach, Gehall 
und nahe der Wasserscheide der nach dieser Lage 
genannte Hof Höhenscheid, dessen Name im Saufe 
der Zeit in Huhnstadt oder Honstadt verderbt 
worden ist. Ganz hervorragend ist der Ausblick, 
welcher sich dem Wanderer bei einigermaßen 
klarer Fernsicht voll der Kuppe des Herzbergs 
darbietet. Hoffentlich ist es auch den Theilnehmern 
der bevorstehenden 61. Jahresversammlung 
des Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde beschieden, bei Gelegen 
heit des von dem gastlichen Z i e g e n h a i n 
aus für den 24. Juli geplanten Ausfluges 
nach dem Herzberge den weiten Rundblick, der 
all dieser Stelle kurz erläutert sei, in voller 
Schönheit zu genießen. Gegen Nordwesten schallt 
das Auge zwischen dein Rimberg und Bechtels- 
berg in die grüne Schwalmsläche mit Ziegenhain 
und Treysa, mit der Kegelkuppe der Landsburg, 
dem Thurme des Löwensteins und Schloß Waldeck, 
hinter denen theils die Höhen des westfälischen 
Sauerlandes, theils der breit gelagerte Burgwald 
den Abschluß bilden. Westlich blicken wir über 
Alsfeld und die Altenburg, über das Schwalm- 
thal und die Wasserscheide bei Neustadt hinüber 
bis zu den Felsenkuppeu des Frauenbergs und 
der Amöneburg. Südwestlich steigt aus nebeliger 
Ferne der Taunus und näher der Dillstberg 
hervor. Weiter nach Süden erhebt sich das 
Gelände immer höher bis zu den Gipfeln des 
Vogelsbergs, von denen namentlich der Ulrichstein, 
der Tausstein und der Oberwald sichtbar sind. 
Südlich treten Grebenau, Lanterbach und die 
Burg Eisenbach hervor, weiter nach Südosten 
der Rimberg bei Schlitz, der Röhlingsberg bei 
der Fasanerie, der Rauschenberg und der Frauen- 
berg bei Fulda, sowie über die Schill hinaus 
das Dammersseld, die Milseburg, das Schloß 
Bieberstein und die Rhön überhaupt, ferner Hün- 
seld mit den hinter ihm gelegenen Basaltkegeln 
und namentlich der Rochnskapelle bei Buttlar 
und in tieferer Ferne hinaus zum Theil ganz 
östlich die Blesse, der Beier, der Dietrichs- und 
Oechsenberg, der Jnselsberg, der Soisberg und 
mehr im Vordergründe der Stoppelsberg mit 
den Trümmern der Burg Hauneck, immer weiter 
gegen Norden der Johannisberg bei Hersfeld, 
Landeck, der Seulingswald, das Richelsdorfer 
Gebirge und der Alheimer bei Rotenburg. 
Aus der Höhe dieses prächtigen Aussichtspunktes 
erhob sich seiner die Straße beherrschenden Lage 
entsprechend seit alter Zeit eine Burg, von welcher 
heute immerhin noch stattliche Mauerreste vor 
handen sind. Die Burg bestand aus zwei Theilen, 
der eigentlichen Burg und der elf Stufen tiefer 
gelegenen Vorburg und war ein Bruchstein-und 
Quaderbau aus Sandstein, von dessen Raum- 
verhältnissen die auf die Gegenwart überkommenen 
Ringmauern der Hauptburg mit ihren fünf er 
haltenen Thürmen sowie Mauer und Thorthurm 
der Vorburg Zeugniß ablegen. 
Seitens der Besitzer der Ruine, der Freiherren 
v oir Dörnberg, wird in neuerer Zeit für deren 
möglichste Sicherung gegen weitere Zerstörung 
Sorge getragen. 
Von Süden gelangt der Besucher der Burg 
über eine durch Verlängerung der alten Zugbrücke 
hergestellte Brücke in das rundbogige Thor der 
Vorburg, vor welchem ehedem ein zweites äußeres 
Thor gelegen war. Neben dem inneren Thore 
erhebt sich ein viereckiger Thurm, der sog. Wacht- 
thurm, der einst zur Wohnung des Kom 
mandanten der Burg diente. Vom Thore zieht 
rechts wie links eine Vormauer aus, die der 
Hauptmauer der Vorburg parallel läuft. Zwischen 
beiden Mauern befand sich einst der Zwinger. 
Von Gebäuden der Vorburg stehen jetzt nur noch 
ein nicht mehr bewohnbares Oekonomiegebäude 
und eine in diesem Jahrhundert erneuerte Scheune 
und Stallung. Burg und Vorburg schließen sich 
unmittelbar aneinander, nur daß die erstere, wie 
gesagt, nicht unerheblich höher liegt. Der mächtige 
Unterbau, ein unregelmäßiges Viereck mit vier 
Eckthürmen, erstreckt sich aus dem Felsen des 
Burgberges von Südsüdwesten gegen Nordnord 
osten, auf diesem Unterbau erhoben sich die 
Gebäude. Die an die Vorburg sich anschließende 
gegen Südsüdwest gerichtete Seite der Burg hat 
drei 30—40 Fuß hohe Thürme. Der an der 
linken Ecke der Mauer sich erhebende Thurm, 
der Rittersaal genannt, ein Name, der nach 
Landau in seiner Geschichte der Burg 
Herzberg in der Zeitschrift des Ver 
eins für hessische Geschichte und Lan 
deskunde, Band 6, S. 72—99, dem wir 
hier in der Hauptsache folgen, wohl erst später 
entstanden ist, hatte früher ein Kuppeldach. Jetzt 
dient er den Landleuten der Umgegend, die jähr 
lich am Himmelfahrtstage den Herzberg zu be 
suchen pflegen, als Tanzplatz. Der zweite rechts 
am Ende dieser Seite stehende Thurm, dessen 
hohes, spitzes Dach im Ansang dieses Jahrhunderts 
wesentlich verringert wurde, besteht nur in seinem 
unteren Theil aus massivem Gemäuer, wogegen 
die beiden oberen Stockwerke, welche heute die 
Wohnung des freiherrlich von Dörnberg'schen
	        

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