Full text: Hessenland (9.1895)

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Jahresversammlungen erkorenen Städtchen, tagte 
vom 16. dis 18. Juni der hessische Forst- 
verein, welche hier seine 21. Jahresversammlung ab 
hielt. Tie Zeit war neben den Berathungen über sach- 
wissenschaftliche Gegenstände auch geselligen Zwecken 
gewidmet. Am letzten Morgen fand behufs Be 
sichtigung des dortigen Forstreviers ein Ausflug 
aus dem Dampfer „Hannover" nach Oedelsheim statt. 
Wie gut es den heimischen Grünröcken in dem 
schön gelegenen gastlichen Orte gefüllt, beweist 
wohl am besten der Umstand, daß dies seit wenigen 
Jahren der dritte in Karlshasen abgehaltene Forst 
tag war. Vermuthlich wird es noch lange nicht 
der letzte gewesen sein. 
Am 22. Juni beging Justizrath Klippert zu 
Kassel, früher in Hess.-Lichtenau, der Nestor der 
dortigen Rechtsanwälte, seinen 94. Geburtstag in 
voller Rüstigkeit und Frische. Trotz seines hohen 
Alters ist derselbe noch in seinem Berufe thätig. 
Universitätsnachrichten. Dem Senats- 
präsidenten C o i n g zu Berlin, der bis vor kurzem 
in Kassel Oberlandesgerichtsrath war, ist von der 
juristischen Fakultät der Universität Marburg die 
Würde eines Ehrendoktors der Rechte verliehen. 
Todesfälle. In den letzten beiden Wochen 
hielt der unerbittliche Schnitter Tod unter den 
früheren kurhessischen Offizieren eine reiche 
Ernte. Nicht weniger als vier dieser verdienten 
Herren wurden von ihm dahingerafft, nämlich am 
13. Juni Oberst a. D. Theodor Ritz in Charlotten- 
burg, am 23. Juni Oberst a. D. Jakob Nebelthau 
(geboren 1833) in Marburg, am 25. Juni Premier 
lieutenant a. D. August Freiherr von Geyso 
(geboren 1824) und am 26. Juni Major a. D. 
August Schroeder (geboren am 12. April 1828), 
beide in Kassel. Mit Ausnahme des Freiherrn 
von Geyso waren die Genannten nach 1866 sämmtlich 
in die preußische Armee übergetreten. Oberst a. D. 
Jakob Nebelthau, ein Sohn des bekannten 
früheren Oberbürgermeisters, zuletzt Kommandeur 
des hannoverschen Ulanenregiments Nr. 14., lebte 
nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienste 
in Marburg, wo er auf dem Staatsarchiv fleißig ar 
beitete, ausschließlich feinen geschichtlichen Forschungen, 
deren Ergebnisse theilweise im „Hessenland" ver 
öffentlicht worden find. So schrieb der Verblichene 
im Jahrgang V unserer Zeitschrift von 1891: 
„Hessische Zeitungen" (S. 228) und für den 
folgenden Jahrgang größere Aussätze, über „die 
Meuterei des Großherzoglich Frankfurtischen 
Landwehrbataillvns Fulda, im Sommer 
1814" (S. 165 ff.), ferner „Zur Geschichte der 
ältesten Zeitung in Hessen und ihres Be 
gründers" (S. 245 ff.). Unsern Lesern werden 
diese werthvollen Artikel vermuthlich noch in gutem 
Andenken sein. — Nicht minder hat sich der ent 
schlafene Oberst a. D. Ritz litterarisch einen 
Namen gemacht. — Ein warmer Freund der 
hessischen Geschichte und des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde, bei dessen Ausflügen 
er selten fehlte, war ebenfalls der verstorbene Major 
Schröder, dessen schlichtes, biederes Wesen ihm 
viele Freunde erworben hat, die ihn reicht sobald 
vergessen werden. Noch an dem letzten Ausflug 
des Vereins nach Wilhelmsthal im vorigen Monat 
nahm der nunmehr Dahingeschiedene frisch und 
rüstig Theil. — In Bezug aus nähere Angaben über 
die hier Genannten verweisen wir aus das reiche 
Material in dem Aufsätze des kürzlich verstorbenen 
Oberstlieutenants z. D. Gustav Eckhardt über 
„hessische Offiziere in preußischen Diensten" 
| im 5. Jahrgang des „Hessenland" (Beilage zu 
den Nummern 7, 8, 9, 10, 11, 14), der im Jahre 
1891 im Verlage von Friedr. Scheel auch als 
Sonderabdruck erschien. 
Hessische Bncherschau. 
Otto Bähr's letztes Vermächtniß. Unser 
leider im letzten Winter durch den Tod dahin 
geraffter berühmter Landsmann hat uns noch ein 
werthvolles Vermächtniß in seiner erst nach seinem 
Tod herausgegebenen Schrift über das frühere 
K u r h e s s e u hinterlassen *), einer Schrift, in der 
er uns neben einem kurzen Rückblick aus die ver 
gangenen glänzenden Zeiten des Landes die Ver 
hältnisse Kurhessens schildert, wie sie sich vor der 
Einverleibung in die preußische Monarchie entwickelt 
hatten und wie sie nach der Einverleibung geworden 
sind. Verbietet uns auch die Natur dieser Blätter, 
auf den Inhalt des Buches, soweit es in die 
Politik eingreift, näher einzugehen, so mag doch 
soviel gesagt werden, daß Bähr zwar einerseits 
den Standpunkt der kleinen Zahl von Männern 
tadelt, die 1866 möglichst aus die vollständige, 
vorbehaltlose Einverleibung hinwirken zu müssen 
glaubten und damit wahrscheinlich die Ursache zn 
manchen vielleicht vermeidbar gewesenen Maßnahmen 
wurden, daß er andererseits aber weit davon ent 
fernt ist, den Standpunkt derer zu theilen, die den 
Wagen der Weltgeschichte aushalten zu können ver 
meinen; er zeigt uns in der bei ihm gewohnten durch 
sichtigen Klarheit die, leider meist aus persönlichem 
Gebiet liegenden. Gründe, welche unvermeidlich den 
*) „Das frühere Kurhessen" von Otto Bähr. 
Kassel, bei Max Brunnemann, 1895. 8°. 140 S.
	        

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