Full text: Hessenland (9.1895)

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zu liegen. Durch die genaue Kenntniß der 
Uniformen wird uns wenigstens die Beschreibung 
einer Gefechtsszene ungleich lebendiger; die 
Figuren werden ungleich plastischer, die An 
schauung hat eine feste Stütze gewonnen; ich sehe 
ein ganzes Regiment vom Obersten bis zum 
Tambour, die Brigade ungleich deutlicher vor 
mir; ein bis dahin schwarzer Bilderbogen erhält 
auf einmal bunte Farben, — die Kenntniß der 
Uniformen ist mir danach nicht so nebensächlich, 
als gemeiniglich angenommen wird, und so werde 
ich denn Ihnen auch die Uniformen der zumeist 
betheiligten Regimenter vielleicht malgre votre 
coeur beschreiben, um eben meiner Schilderung 
der Schlacht mehr Leben und stärkere Färbung 
zu geben. 
Von den drei hessischen Reiterregimentern, die 
sich in der Schlacht so auszeichneten, trug das 
Regiment Einsiedel statt der weißen Röcke zum ersten 
Male paille Collets mit Beibehaltung seiner grünen 
Kragen und Klappen: erst im folgenden Jahre 
wurde das Grün in Schwarz verwandelt. Das 
Regiment Erbprinz trug dagegen weiße Röcke 
mit dunkelblauem Kragen und Ausschlägen, während 
das Prinz Friedrich-Dragonerregiment, das sog. 
gelbe Dragonerregiment, Hellblau mit gelben 
Kragen und Aufschlägen trug. 
Dem Luckner'schen Corps war zugetheilt das 
hessische Husarenregiment, das, vier Eskadrons 
stark, unter Oberstlieutenant von Gräsendvrf stand. 
Hellblaue Pelze, weiße Dvlmans, goldbesetzt, und 
hohe Pelzmützen mit weißem Kalpak gaben den 
hessischen Husaren ein recht stattliches Aussehen. 
Ungeachtet einer glänzenden Attaque waren die 
Verluste der hessischen Reiter sehr gering. Prinz 
Friedrich-Dragoner hatten 3 Todte, 4 Verwundete, 
12 vermißte Gemeine, Erbprinz 3 Verwundete und 
6 Vermißte, Einsiedel 1 Todten, 3 Verwundete 
und 1 Vermißten, sowie insgesammt einen Ver 
lust von 43 Pferden. 
Mitthütig in der Schlacht, aber ohne irgend 
welchen Verlust zu erleiden, waren unter dem 
Prinzen von Anhalt und dem Generalmajor 
von Bischhausen und zwar im ersten Treffen 
zwei Bataillone Mansbach, ein Bataillon 3. Garde 
und ein Bataillon 2. Garde. Im zweiten Treffen 
standen unter den Generälen von Gilsa, von 
Wilke und von der Malsburg je zwei Bataillone 
Malsburg, Gilsa, Bischhansen, Prinz Anhalt und 
Wutginan. Der Reserve gehörten noch an unter 
Major von Wintzingerode hessische Jäger zu 
Pferd und zu Fuß und von den bekannten 
Chasseurs aller vier Nationen noch hessische Jäger 
unter Major Rall. 
Was die Uniform der hessischen Infanterie 
angeht, so war dieselbe durchweg blau; gelbe 
Westen trugen nur die beiden Bataillone Garde, 
während die Westen der andern Regimenter weiß 
waren, Regiment Mansbach trug poneeaurothe 
Ausschläge und Kragen, Malsbnrg solche in gelb, 
Gilsa solche in schwarz, Bischhausen paiUe-sarben, 
Wutginan und Anhalt hatten ebenfalls poncean- 
roth. Die Kopfbedeckung waren durchweg Hüte, 
da erst 1765 Grenadiermützen für die Grenadiere 
und Füsiliermützen für die Füsiliere eingeführt 
wurden. Die Jäger trugen schwarze Hüte, grüne 
Westen und Röcke und poneeaurothe Aufschläge 
und Kragen. 
Jedes Regiment zählte zehn Kompagnien, ein 
schließlich der Grenadierkompagnien, die indessen 
schon früher zu selbstständigen Bataillonen sormirt 
und häufig detachirt wurden. Das Regiment 
war ungefähr 800 Mann stark und hatte zwei 
Fahnen. Jedes Reiterregiment hatte zwei Eska 
drons, die aus drei Kompagnien bestanden, und 
war ungefähr 300 Mann stark. 
Die Bewaffnung der Reiter bestand in Pallasch, 
Pistole und Karabiner. Das Mittelglied zwischen 
Infanterie und Kavallerie, eine Waffe für sich, 
waren die Dragoner?) Was die Artillerie an 
geht, so hatte jedes Regiment zwei dreipfündige 
Geschütze, sog. Regimentskanonen, im Gegensatz zu 
den Positionsgeschützen, welche die verschiedenste 
Verwendung fanden, indessen hessischerseits keile 
einziges Mal in Aktion kamen. Im Ganzen waren 
es 21 000 Hessen, die unter dem Befehle des 
Herzogs Ferdinand im Beginn des Jahres 1762 
standen. 
Ihnen wie ihren Mitstreitern standen gewaltige 
Heeresmassen entgegen, Frankreich hatte nämlich 
im Anfange des Jahres 1762 beschlossen, mit 
zwei gewaltigen Armeen in Deutschland auf 
zutreten und zwar mit einer Hanptarmee von 
80,000 Maien in Hessen und einer von 30,000 
Mann am Niederrhein, letztere unter dem Befehle 
des Prinzen von Conde. Zum Führer der großen 
Armee war aus den Vorschlag der allmächtigen 
Pompadour der Prinz von Soubise gesetzt worden. 
Um indessen nicht allzu großen Schaden durch 
diesen bei den Franzosen selbst als unfähig gel 
tenden Feldherrn anrichten zu lassen, hatte man 
den Marschall von Estree wieder herbeigezogen, 
um gemeinsam mit Soubise den Oberbefehl zu 
*) Daß dem so war, zeigt das bekannte Volkslied, 
in dem es heißt: 
Es zogen drei Regimenter wohl über den Rhein, 
Ein Regiment zu Pferde, ein Regiment zu Fuß, 
Und auch ein Regiment Dragoner.
	        

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