Full text: Hessenland (9.1895)

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Gerd von Falkenberg 
und die Niederwerfung Tillinghausens im Jahre 153V. 
Von Dr. Wilhelm Chr. Lange. . 
(Fortsetzung.) 
f u jener Zeit (1528) war in der alten Stadt 
Goslar das Reformationswerk nahezu durch 
geführt. Herzog Heinrich der Jüngere, der 
zwar nicht mehr wie vorher öffentlich gegen die 
Stadt auftrat, hegte jedoch und forderte mannigfacheil 
Unfug, den zu Goslars Nachtheile verschiedene 
Parteigänger um diese Zeit trieben. Hermann 
Raßler, Lorenz Weiland und Heinrich Kinder- 
lnann, unbekümmert um das Edikt Maximilian's I., 
das ewigen Landfrieden geboten hatte, sandten 
der Stadt Fehdebriefe, welche meistens der Se 
kretär Hamenftedt des Herzogs Heinrich anfertigte. 
Der Herzog selbst hielt Zusammenkünfte mit den 
drei Obengenannten und ertheilte ihnen durch 
seine Vertrauten Burkard von Saldern und 
Halls Koch Anweisungen. Der letztere war 
übrigens später (1540), nachdem er mit feinem 
Meister zerfallen, Amtmann auf der Trendelburg 
und sah sich gemüßigt, eine lange Schrift gegen 
feinen früheren undankbaren Herrn dem Urtheile 
feiner Zeitgenossen zu linterbreiten. Die Hecken 
reiter besetzten alle Zugänge zur Stadt, fingen 
die Bürger auf, steckten Häuser in Brand und 
erstachen die Pferde itnb Esel, wo sie dieselben 
fanden. Nur durch bedeutende Geldsummen 
konnte sich Goslar den Frieden mit diesen Un 
holden erkaufen. *) 
Zu den drei genailnten Parteigängern fanden 
sich bald noch zwei neue, nicht zu unterschätzende 
Kräfte; es warell dies Georg Ziegenmeier und 
unser Gerd. Zwischen Michaelis und Martini 
(1528) sind die Bemühungen Burkard's lind des 
Hans Koch, — welche sich keinerlei Mühe ver 
drießen ließen —, so weit gediehen, daß mit dem 
vielversprechenden Georg abgeschlossen werden 
konnte. Es wurde ihm eine jährliche Gage voll 
60 Gulden sowie die Verschreibung eiiles guten 
„Amptes" versprochen, ferner sollte die Fehde nicht 
über ein Jahr dauern und außerdem noch 
Goslar an Ziegenmeier eine besondere Gratifikation 
für seine Mühewaltung ans deni Stadtsäckel 
zahlen. Für den mißlichen Fall, daß die Sache 
nicht nach Wunsch abliefe, verpflichtet sich Herzog 
Heinrich d. I. die zuletzt erwähnte Summe ans 
feiner Tasche zu entrichten. Burkard von Saldern 
und der herzogliche Sekretär Hamenftedt fertigten 
ihrer Gewohnheit nach die Fehdebriefe an d'e 
*) Crusius, Geschichte von Goslar. Osterode 1842. 
Stadt an; Hans Koch hatte in feiner Jugend 
seine Ausbildung zu sehr vernachlässigt, so daß 
ihm nun die edle Kunst des Lesens und Schreibens 
nicht zu Gebote stand. Dafür wurde ihm zu 
Theil, Gerd „anweifung und aus sein ansuchen 
fürderung zu thun", nachdem mit diesem ein 
ähnliches Abkommen, — wir haben darüber keine 
Kenntniß —, wie mit Ziegenmeier getroffen sein 
mochte. Man machte sich sodann rüstig an's 
Werk. Hans Koch und Gerd ritten zunächst 
aus und besichtigten das Terrain, auf welchem 
ein Schlag auf die Goslarer Wagenzüge den 
besten Erfolg versprach. Als sehr geeignet erschien 
ein Platz zwischen Lutter (am Barenberge) und 
Langelsheim; beide Orte liegen einige Stunden 
nordwestlich von Goslar. In diese „Haltstet" 
legten sich die Ritter mit der ansehnlichen Macht 
von 100 Pferden, von den herzoglichen Schlössern 
Lichtenberg und Steinbrück (östlich von Hildes 
heim) wurden 18 Fußt'echte beordert, sich an 
den Goslarer Wagenzug zu inachen und diesen 
die Pferde auszuspannen; wenn die Bürger ihnen 
diese wieder abjagen wollten, sollten sie nach dem 
Hinterhalte zu fliehen „vnd die von Goslar also 
locken / vnd aufs die Fleischbanck opfferen". Leider 
wurde aus dem schönen Plan nichts, dagegen 
unternahm man in der folgenden Zeit kleinere 
Uebersälle zum Schaden der Stadt; ob sich Gerd 
an denselben betheiligt, wird zwar nicht berichtet, 
doch ist dies nicht unwahrscheinlich. Erst im 
Beginn des Jahres 1530 hören wir wieder von 
einem größeren Anschlag; wie gewöhnlich waren 
es Hans Koch und Gerd, welche die „haltstat 
aussehn" mußten. Donnerstag nach Valentini 
(18. Februar) wurde ein größerer Zug der 
Goslarer bei Steinseld in der Nähe von Vienen 
burg (nordöstlich von Goslar) angegriffen, wobei 
die Herzoglichen sowie die übrigen Theilnehmer 
der Partie nach löblichem Ränberbranch die 
Gesichter geschwärzt hatten, um nicht erkannt zu 
werden. Die Bewaffneten der Stadt setzten sich 
tüchtig zur Wehr, und es kam zu einem förm 
lichen Gefecht, welches damit endete, daß 11 der 
Goslarer erschlagen und einer schwer verwundet 
wurde, die Beute der Parteigänger bestand in 
60 Pferden. Doch auch die Angreifer hatten 
den Verlust zweier Genossen zu beklagen, ein 
I Edelmann. Braunbock genannt, und ein Knecht 
I fielen; Jörg Ziegenmeier, der „Prinzipal",
	        

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