Full text: Hessenland (9.1895)

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Saalbuche von 1575 aufgefallen, in den Melsunger 
Urkunden fehlt er. Da nun das Jahr 1575 
volle acht Jahrhunderte von dem Beginne der 
Sachsenkriege Karl's des Großen entfernt liegt, 
so kann man diese Erwähnung unmöglich als 
einen geschichtlichen Beweis für die Zeit jenes 
großen Kaisers benutzen. 
Ein klein wenig besser sieht es mit der Kaisers- 
a n. Jetzt heißt nur der mit Eichen, Buchen und 
Fichten bewaldete Abhang des Karlshagen „Kaisers- 
cut", ehemals führten aber richtiger die darunter 
gelegenen Wiesen des Kirchhvfer Grundes diesen 
schönen Namen. Urkunden von 1420 und 1423 
geben davon Kunde. Dieses find die ältesten 
Erwähnungen der Kaisersau, welche sich bisher 
nachweisen lassen. Landgraf Philipp der Groß 
müthige spricht 1561 in einem Briefe von der 
Kaisersau am Kehrenbache, dem Melsunger Saal 
buche von 1575 ist der Name ebenfalls nicht 
fremd, und später findet er sich häufig. 
Der Ausdruck Karlshagen führt uns näher 
an die Zeit Karl's des Großen heran. In Ur 
kunden von 1332 und 1415 wird er Karlshain 
genannt, 1421 Karleshan, 1424 Karleßhain, 
1495 Knrlishain. Im Melsunger Saalbnche, 
worin der Name außerordentlich häufig vorkommt, 
und in den Stadtrechnungen seit 1640 ist die 
regelmäßige Schreibweise Carleshain. Vielleicht 
giebt es aber eine viele ältere Anführung. In 
dem Güterverzeichnisse des Klosters Corvey an 
der Weser ist von einem Orte Karlasthan die 
Rede. Die Aehnlichkeit dieses Wortes mit unserem 
Karlshagen in den Urkunden seit 1421, im Saal 
buche und in den Kämmereibüchern springt sofort 
in die Augen. Da nun das Kloster Corvey mehr 
Grundbesitz im Hessengaue hatte, und die Lage 
des Ortes Karlasthan bisher nicht bestimmt 
werden konnte, so liegt die Möglichkeit vor, daß 
wir hier unsern Karlshagen wiederfinden. Der 
erste Herausgeber der Corveyer Ueberlieferungen, 
Falke, seht die Uebergabe der Ländereien auf 
dem Karlasthan an das Kloster Corvey in die 
Zeit zwischen 1010 und 1014. Auch wenn wir 
Falke keinen Glauben schenken, so müssen wir 
anerkennen, daß die Namensform Karlasthan ans 
eine sehr frühe Zeit hinweist. 
Wir ziehen aus den vorstehenden Erörterungen 
folgenden Schluß. Die drei Ausdrücke Heerhagen, 
Kaisersau und Karlshagen sind zwar bei näherer 
Betrachtung bedeutend älter, als sie auf den ersten 
Blick zu sein scheinen, allein einen deutlichen Hin 
weis auf Karl den Großen und dessen Zeit 
bilden sie nicht. 
Die Möglichkeit wächst jedoch, wenn wir den 
alten länglichen Lagerwall in Betracht ziehen, 
I der am Abhange des Karlshagens, unter den 
Bäumen der Kaisersau, das Auge des aufmerk 
samen Beobachters fesselt. Er ist ans platten 
Steinen aufgeschichtet, bietet durch eine Schneise 
einen vorzüglichen Ausblick in den Grund nach 
Melsungen zu und zeigt Aehnlichkeit mit einigen 
Manerresten ans Hohensyburg bei Hagen in 
Westfalen, dem Sigeburgun der alten Sachsen. 
Auf dem Karlshagen haben die Franzosen im 
letzten Feldzugsjahre des siebenjährigen Krieges 
' auch ein Lager gehabt; aber der Melsunger 
Kaufmann Konrad Ferdinand Hüter, der dieses 
Lager unter dem Schutze eines französischen Offiziers 
besichtigte, berichtet ausdrücklich, daß es ans der 
andern Seite des Karlshagens, oberhalb des 
Dorfes Schwarzenberg, angelegt war. Aus 
grabungen unter sachkundiger Leitung würden die 
sicherste Auskunft über den Ursprung des Lagers 
in der Kaisersau geben. — 
Die karolingischen Geschichtsquellen wissen nichts 
von einem Aufenthalte Karl's des Großen und 
des fränkischen Heeres in der Melsunger Gegend, 
ebenso wenig von einer Ueberbrückung der Fulda. 
Allein die alten Erzähler pflegen immer in großen 
Zügen zu berichten und nur das anzuführen, was 
sie für wichtig halten. Daher ist ein Schweigen 
der Ouellen kein schlagender Gegenbeweis. Es 
ist sogar nicht unwahrscheinlich, daß Karl der 
Große einmal mit seinem Heere die Melsunger 
Gegend durchzogen hat, und zwar, wenn dies 
wirklich der Fall gewesen ist, genau vor elf 
hundert Jahren, also 795. Damals trat 
er den Feldzug gegen die Sachsen von Kost 
heim an, welches südlich vom Main, in der 
Nähe von Mainz zu suchen ist. Er gelangte bis 
in den Bardengan, an den heutzutage noch die 
Stadt Bardowiek in der Lüneburger Gegend er 
innert. Der nächste Weg mußte ihn über den 
Melsunger Karlshagen führen. Im Innern 
Deutschlands gab es um diese Zeit noch nicht 
viele Landstraßen, ein Heer folgte daher nach 
Möglichkeit den vorhandenen Handelswegen. Nun 
überschritt die rheinisch-thüringische Handelsstraße 
bei der Fähre, eine gute halbe Stunde oberhalb 
Melsungens, den Fuldastrom, und an diesen Weg 
schloß sich in nördlicher Richtung am rechten 
Fuldanfer die Waldstraße, die unter der Kuppe 
hin über den Galgenberg und dann über den 
Karlshagen führte. Eine Urkunde von 1387 
nennt diese Straße, die in lateinischen Quellen weit 
früheren Ursprungs via silvatica heißt, mit ihrem 
deutschen Namen Waldstraße. Das ehrwürdige Alter 
der Straße ist nicht zu bezweifeln, brachte man doch 
auf diesem „Sälzerwege" ein wichtiges Genußinittel, 
das Salz, von Sooden an der Werra in den
	        

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