Full text: Hessenland (9.1895)

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Infolge des überaus günstigen Wetters war die 
Betheiligung von Nah und Fern eine recht zahl 
reiche. Nach Erstattung eines eingehenden Jahres 
berichts durch den Vorsitzenden, berichteten Mit 
glieder der verschiedenen Sektionen des Vereins 
über deren Thätigkeit. Nach Erledigung weiterer 
geschäftlicher Angelegenheiten wurde Di-, med. 
W. Lange von der Ständischen Landesbibliothek 
zu Kassel Hum Leiter der „Touristischen Mit 
theilungen" vom 1. Juli d. I. ab gewählt 
und dem bisherigen Herausgeber des Blattes, 
Landesbibliothekar Dr. Fr. Seelig in Fulda, 
für seine Mühewaltung durch Erheben von den 
Sitzen der Tank der Versammlung ausgesprochen. 
Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Professor 
Dr. Zuschlag in Kassel, wurde in Anerkennung 
seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Die 
nächste Jahresversammlung wird in Rotenburg 
abgehalten werden. An die Verhandlungen schloß 
sich ein gemeinsames Mittagsessen, das den besten 
Verlauf nahm. 
A u s der zwanglosen Vereinigung 
geborener Kur Hessen zu Berlin. Am 
26. Mai verschied zu Spandau nach langem, 
schwerem Leiden der königliche Kreisphysikus 
Dr. L. Schulz, ein Klassengenosse des jetzt 
regierenden Kaisers. Er sollte tu diesen Tagen 
zum Medizinalrath ernannt werden. Die Ver 
einigung geborener Hessen-Kasseler zu Berlin ver 
liert in ihm ein treues Mitglied; der zweite 
Verlust in diesem Jahre. — Einer der Begründer 
der Vereinigung, der kaiserliche Postrath K. S chvn- 
hals, starb am 25. Januar in Köln a. R. 
Seine Rückkehr nach Berlin stand nahe bevor, da 
er bereits zum vortragendett Rath im Reichs 
postamt ernannt war. — Der Pfarrer K. Schlicht 
kehrt nach zehnjähriger Thätigkeit als erster 
Prediger zu Jerusalem nach Deutschland zurück, 
um die Pfarrei Rudow bei Berlin zu übernehmen. 
— Die zwanglose Vereinigung geborener Kur- 
Hessen unternahm am Himmelfahrtstage ihren dies 
jährigen Sommerausflug und zwar fuhreir die 
Teilnehmer, deren nicht weniger als 60—80 
Personen waren, auf einetn Sonderdampfer unter 
eigener, großer roth-weißer Flagge nach Schmöckwitz. 
Die Festlichkeit nahm den ungetrübtesten Verlauf und 
wird allen Betheiligten lange in froher Erinnerung 
bleiben. — Das demnächst erscheinende neue 
Mitgliederverzeichniß der Vereinigung hoffett wir 
s. Z. zur Kenntniß unserer Leser bringen zu 
können. Wünschen wir den Bestrebttngen unserer 
Landsleute in der großett Reichshauptstadt auf 
Erhaltung des engett Zusammenhangs auch für 
die Zukunft besten Erfolg! 
Am 31. Mai feierte der Lehrer am Real 
gymnasium zu Kassel Johannes Spangenberg 
sein 5Ojähriges Dienstjubiläum, desgleichen am 
1. Juni Lehrer Georg Dabin an der Müdchen- 
mittelschule daselbst. Beide Jubilare, die sich noch 
völliger Frische des Geistes und Rüstigkeit des 
Körpers erfreuen, wurden durch Verleihung des 
Kronenordens 4. Klasse ausgezeichnet. 
Universitätsnachrichten. Deut ordentlichen 
Professor der Theologie Weiß, welcher zu Anfang 
des laufenden Sommersemesters von Göttingen 
nach Marburg berufen wurde, ist von der Göttinger 
theologischen Fakultät die Doktorwürde honoris 
causa verliehen worden. 
Todesfälle. Während des Gottesdienstes 
am ersten Pfingsttag, Vormittags, wurde der erste 
Geistliche der Oberneustädter Kirche, Pfarrer 
Wagner, von einem Schlaganfalle betroffen, als 
er eben seine Predigt beendigen wollte. Die 
plötzliche Erkrankung des allverehrten Geistlichen, 
von welcher dieser nicht wieder genesen sollte, 
erregte lehhafto Theilnahme. In der Abendstunde 
am Donnerstag den 6. Juiti raffte ihn der Tod 
hinweg. Pfarrer Christian Wagner, geboren 
am 29. April 1829 in Netra, bekleidete nach 
Vollendung seiner Studien die Pfarreien in 
Haueda bei Liebenau und in Praunheim bei 
Bockenheim und wurde 1870, zunächst als zweiter 
Prediger, an die Oberneustädter Kirche in Kassel 
berufen, wo er bis zu seinem Heimgang eine 
segensreiche Wirksamkeit entfaltete und stets bestrebt 
war, den Armen und Bedrängten ein Helfer in 
der Noth ztt sein. - Am Donnerstag den 13. Juni 
früh verschied eine der ältesten und in weiten 
Kreisen bekanntesten Bewohnerinnen der Stadt 
Kassel, die verwittwete Frau Emilie Zahn geb. 
Spohr, eine würdige Tochter Meister Louis 
Spohr's, aus dessen erster Ehe, welche sich bis 
in ihr hohes Alter neben ungewöhnlicher körper 
licher Rüstigkeit eine seltene Beweglichkeit des 
Geistes und Munterkeit des Wesens bewahrt hatte. 
Hessische Bücherschau. 
A. Gild, Heimathskunde von Kassel und Um 
gegend. (Verlag von Erttst Hühn in Kassel), 
hi. Auflage, 0,60 Mark. 
- —, Landeskunde der Provinz Hessen-Nassau. 
(Verlag von Ferdinand Hirt, Breslau.) 
II. Auslage. 0,40 Mark. 
Der Verfasser, ein bekannter Kasseler Schul 
mann, hat sich durch die Herausgabe beider
	        

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