Full text: Hessenland (9.1895)

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Sas Auge des Friedens. 
Bis zu dem Grunde hell und klar 
Gar manchen See ich fand, 
Als ich vor langen Zeiten war 
Im alten Holstenland.' 
Es lag der See so friedlich still 
Und ringsum grüner Wald. 
Ich dacht', wer Frieden finden will, 
Hier findet er ihn bald. 
Ich kenn' ein freundlich Augenpaar, 
Hell bis zum Herzensgrund, 
Das blickt allzeit so rein und klar, 
Weil's Herze kerngesund. 
Es liegt auf blauem Augenstern 
Ein Glanz so rein und mild, 
Der wohl vom Frieden in dem Herrn 
Als Unterpfand mir gilt. 
Gkard MisKamp. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Welche Fürsorge in althessischen Zeiten 
der Baumpflanzung und Schonung der 
Bäume gewidmet worden i st. Vor uns 
liegt ein über hundert Jahre altes Büchlein, das 
die Widmung tragt: „Den halb (!) Ehrwürdigen, 
Wohlehrenvesten und Wohlgelahrten Herren Schul- 
meistern, beu Ehrengeachteten, Wahlweise» und 
Fürsichtigen Herren, Herren Schultheißen Widmet 
diese zusammengetragenen Blätter, Straußenberg beit 
1. Mai 1764, der Verfasser." Sein Titel lautet: 
„Der deutsche Baumgärtner. Nach den 
Grund- und Lehrsätzen der berühmtesten Männer 
der Gärtnery, besonders aber des Franzosen Quintinye, 
des Engländers Millers, und des Deutschen, Herrn 
Reicharts. Schleusingen, 1 7 6 4. Druckts und 
verlegts Joh. Christoph Rennsperger." Ter Haupt 
theil des Buches giebt nach einer trefflichen Vor 
rede, in der der ungenannte Verfasser sich über den 
großen Nutzen von allgemeinen Baumpflanzungen 
nusspricht, sowie Grundsätze ausstellt, wie die Liebe 
zu den Bäumen, zu deren Zucht und Pflege, am 
leichtesten in der Bevölkerung wachzurufen sei, 
eingehende Vorschriften über Bodenbehandlung, über 
Pflanzen der Bäume, über die verschiedenen Ber- 
mehrungsarten u. dgl., hauptsächlich den Obstbau 
behandelnd. Dabei beruft er sich au vielen Stellen 
aus Verordnungen deutscher Landesregierungen, welche 
die Baumzucht zum Gegenstand haben, aus die 
„Landesordnung des Herzogs Ernst von Gotha", 
die „Magdeburger Policehverordnung", die „Quer- 
furtische Forst- und Jagdordnung", die „Hoch- 
sürstliche Anordnung von Meiningen" u. a. m. 
Aus diesen werden einzelne dem Verfasser passende 
Stellen zitirt. Am meisten hat ihm aber imponirt 
die „schöne Hessencasselsche Verordnung 
wegen des Baumpflanzens de Av. 172 4", 
welche am Schlüsse des Buches wörtlich und in 
ihrer ganzen Ausdehnung beigefügt ist. Diese 
Verordnung, die freilich im Geiste jener Zeit ab 
gefaßt ist und oft breitspurig die geringsten 
Kleinigkeiten behandelt, verdient dennoch in dieser 
Zeitschrift wieder einmal an's Licht gebracht zu 
werden. 
Im Eingang wendet sich Landgraf Karl 
zu Hessen, Fürst zu Herzfeld, Graf zu Cntzen- 
elttbogen, Tietz. Ziegenhayn u. s. w. an seine 
Unterthanen, bei denen er voraussetzt, daß sie den 
Nutzen der Bäume wohl einsehen, wie eine „nützliche 
: und für treffliche Sache es um das Baumpflanzen 
sey", um derentwillen sowohl von seinen Hochlöblichen 
Vorfahren als auch von ihm selbst nach und nach 
viele „heilsame" Verordnungen erlassen und wieder 
holt wurden, und äußert sein „sonderbares" Miß 
fallen darüber, daß ihnen an vielen Orten die 
schuldigste Folge nicht geleistet worden. Er wolle 
zwar „die bisher zur Ungebühr unterlassene 
Beobachtung Seiner und Seiner Hochlöblichen 
Vorfahrer christlöblicher Gedächtniß ausgelassener 
Verordnungen vor jetzo noch zu derer Nachlässigen 
Verantwortung gestellet seyn lassen, anbey aber 
einen jeden und sonderlich die Beamten, wie auch 
Gerichtsbarkeit habende von Adel, desgl Bürgermeister 
und Rath in Städten in gnädigstem Ernst erinnert 
haben, dieser und vorigen aus Landesväterlicher 
Fürsorge ausgelassenen BerordnungenPflichtschuldigst 
nachzuleben, und mit allem angelegenen Fleiß und 
Sorgfalt dahin zu sehen, daß die abgegangene Obst-, 
Weydeu und andere Stämme nicht allein an denen 
Straßen und Wegen, wie auch gemeinen Gebräuchen 
in Städten und Aemtern, auch adelicher Gerichts 
barkeit diesen instehenden Frühling wieder ersetzet, 
sondern auch noch mehrere Pflanzungen angefangen 
und von Jahr zu Jahren verbessert und vermehret 
werden mögen." 
Tie eigentliche Verordnung bestimmt zunächst, 
daß ein jeder Einwohner, nicht allein die von Adel, 
er sei Beamter, Bürger, Bauer oder Pastor, sofern 
er einen bequemen, mit Sonne und Lust versehenen 
j Platz besitze, sich eine Baumschule anlegen solle. 
Weil ein solcher nun nicht jedem zu Gebote stünde, 
so soll bei jeder Stadt und Dorfschaft ein gegen 
Osten und Süden gelegener Gemeindeplatz „nach 
Proportion des Ortes Mannschaft" von ca. */2 bis
	        

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