Full text: Hessenland (9.1895)

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in Fulda vorhanden gewesenen Landesarchivs 
wird ein Gasthof „zum wilden Mann" erwähnt, 
in welchem zwei Brüder von Eberstein, Philipp 
und Mangold, welche ehemals die Besitzer der 
Aemter Schackau und Eckweisbach waren, im 
Jahre 1525 von einem Fuldaer Notar eine 
Urkunde haben aufnehmen lassen. Bein: Abbruch 
des Hauses im Jahre 1826 wurde ein großer 
Stein entdeckt, in welchen ein „wilder Mann" 
eingehauen war und der als Schild des Gast 
hauses gedient haben mochte. Vom Vater des 
Verfassers dieser Mittheilungen ward an Stelle 
des „rothen Läppchens" ein Neubau errichtet und 
der aufgefundene Stein sorgfältig aufbewahrt. 
Er befand sich in späteren Jahren noch im elter 
lichen Wohnhaus in der Marktstraße an: Eingang 
zum Keller. Irren wir nicht, so trug er auch 
noch eine Inschrift. 
Durch nur ein Haus vom „rothen Ochsen" 
getrennt finden wir das „Schwarze-Manns- 
Haus", welches lange Jahre im Besitz der sehr 
angesehenen Familie Kramer sich befand. Nach 
dem Tode des Kaufmanns Kramer in den zwanziger 
Jahren dieses Jahrhunderts wurde dessen Wittwe 
in Fulda allgemein als „die Schwarzmünnin" 
bezeichnet. Es wurde auch Schenkwirthschast in dem 
Hause betrieben, und es diente in den zwanziger 
und dreißiger Jahren den Lyzeisten als beliebter 
Versammlungsort. Der Name „Schwarzer Mann" 
soll dadurch entstanden sein, daß ein Fuldaer 
Bürger und Metzger, Namens Kramer, welcher 
am Ende des vorigen Jahrhunderts im „schwarzen 
Bären" gewohnt und von dort aus iu dieses 
Haus übersiedelte, ein sehr starkes schwarzes, 
krauses Haar und dunkele Gesichtsfarbe hatte. 
Die Straße wieder hinaufgehend, gelangen 
wir in der oberen Judengasse an ein Gebäude, 
in dem früher die Verbrecher in Gewahrsam ge 
halten wurden, welches'„das Stockhaus" genannt 
wurde. In ihm fanden auch die Verhöre der 
Gefangenen statt, von denen manch' einer, im 
weißen Gewand und eine weiße Zipfelmütze 
auf dem Kopse aus einem Karren sitzend, zur 
Seite des Seelsorgers seinen Weg zur Richtstätte, 
welcher früher durch den „Galgeugraben" führte, 
antrat. In den zwanziger Jahren dieses Jahr 
hunderts haben wir drei solcher traurigen Aus 
züge mit angesehen. Auch der große, hagere 
Mann, dessen Obhut die Gefangenen, deren viele 
in Zellen unter der Erde saßen, anvertraut 
waren, und welcher unter der Bezeichnung „der 
„Stockmann" allgemein bekannt war, steht mir 
noch lebhaft vor Augen, wie er in langem blauen 
Rock, hohen Stieseln, mit einem Säbel, dessen 
Koppel über die Brust ging, einen Rohrstock iu 
der Hand, Sonntags den Dreimaster aus dein 
Kopse, jeden Morgen zum Vorstand des Kriminal 
gerichts des kurfürstlichen Obergerichts, würdevoll 
durch die Straßen schreitend, sich zum Morgen 
rapport begab. Im Jahre 1843 wurden die Ge 
fangenen in den: neu erbauten Gerichtsgebüude am 
äußeren Graben untergebracht, das Stockhaus aber 
diente der israelitischen Gemeinde zu Schulzwecken. 
Nicht weit davon, am Ende der oberen Judengasse, 
lag die Gastwirthschaft „zur schwarzen Hexe", 
welche ja wohl nur eine einfache Schenke gewesen 
sein mag. Sie ist längst eingegangen, war später 
das Eckstein'sche, dann das Schuhmacher Birken- 
see'sche Haus. Ueber den Ursprung der Bezeichnung 
dieses Hauses erzählt man sich, daß eine schwarz 
gelockte, schwarzäugige Schöne einen jungen Fuldaer, 
dem sie das Bier verabfolgte, so gefesselt und 
bezaubert habe, daß er tagelang in der Schenke 
zubrachte, so daß ihn seine Mutter stets von dort 
zur Arbeit zurückbringen mußte. Das schwarze 
Mädchen, soll die Mutter gesagt haben, „hat es 
ihm angethan" und ihn „behext". 
Der an die „schwarze Hexe" angrenzende, seit 
Jahren eingegangene Gasthof „zum goldenen 
Stern" war einer der ersten Gasthöfe in Fulda. 
An dessen südlichem Giebel ist ein weithin sicht 
barer goldener Stern angebracht. Auf einer in 
der Fuldaer Landesbibliothek befindlichen litho 
graphischen Abbildung des Hauses wird dasselbe 
als „Gasthaus zum großen goldenen Stern" 
bezeichnet. In ihm tagte längere Zeit die Aus 
gleichungs-Kommission zur Auseinandersetzung 
wegen der staatlichen Verhältnisse über die vom 
Großherzogthum Fulda losgetrennten, an Bayern, 
Weimar und Hessen-Darmstadt gefallenen Gebiets 
theile. Die Zahl der hierbei geschriebenen Akten soll 
eine ungeheure gewesen sein. Im Jahre 1831 
wurde eine große Anzahl polnischer Offiziere, 
denen sich auch Priester angeschlossen hatten, aus 
ihrer Flucht nach Frankreich im Gasthaus „zum 
Stern" von Fuldaer Herren reichlich bewirthet. 
Die Polen waren aus Leiterwagen angekommen 
und wurden auf diese Weise auch weiterbesördert. 
Wir besitzen aus damaliger Zeit noch zwei Mantel- 
knöpfe, die uns als Knaben von 12 Jahren zwei 
polnische Offiziere zum Andenken geschenkt hatten. 
Ganz in der Nähe des „goldenen Sterns" lag 
ein Gasthos „zum Storch", über dessen Eingangs 
thüre ein in Stein gehauener Storch sich als 
Schild befand. In den achtziger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts hatten daselbst vier junge 
Erzherzöge ihren Aufenthalt mit ihrem Hof 
meister genommen, um aus ihrer Reise das 
Osterfest in Fulda zu feiern, woraus man schließen 
kaun, daß der „Storch" ein besseres Gasthaus war.
	        

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