Full text: Hessenland (9.1895)

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hältnißmäßig nur, welch' herrliche Thaten sich 
von 1757—1762 ans den Kriegstheatern von 
Hannover, Hessen und Westsalen abspielten und 
wie hier deutsche und englische Tapferkeit vereint 
um den Lorbeer des Sieges kämpften. Es ist 
eine bekannte Thatsache, daß die Fridericianische 
Sonne von jeher so intensiv geleuchtet hat, daß 
dieselbe alle anderen Gestirne verdunkelte, und 
daß auch die diese Sonne umkreisenden Trabanten, 
die sich an die Namen Seydlitz, Schwerin, Ziethen 
u. s. w. anknüpfen, auch ihrerseits durch den von 
ihnen ausstrahlenden Glanz alle anderen Waffen- 
thaten in Schatten stellten, die sich außerhalb 
ihrer Sphäre abspielten. Die großen Verdienste 
Friedrich's und seiner Generale aus den schlesischen 
und böhmischen Schlachtfeldern erkennen Freunde 
wie Feinde gleichmäßig an, unb sind dieselben 
von allen Seiten stets nach Gebühr gewürdigt 
worden. Eine derartige Anerkennung berechtigt 
uns indessen nicht, auch die Thaten anderer Zeit 
genossen zu vergessen oder wissentlich zu ver 
schweigen. Die Thaten anderer Feldherrn dieser 
Zeitperiode brauchen deshalb noch lange nicht 
unter den Scheffel gestellt zu werden und der 
Vergessenheit anheimzufallen. Freilich hat schon 
Herzog Ferdinand von Braunschweig, der Sieger 
von Wilhelmsthal, zu seinen Lebzeiten an sich 
und seiner späteren militärischen Laufbahn eine 
gewisse Zurücksetzung erdulden müssen, die ihn 
schon 1763 veranlaßte, seine Stellung als Corps- 
kommandeur niederzulegen. 
Nicht ohne Grund sah der große König 
immer in Ferdinand einen Nebenbuhler seines 
Ruhms, von dem er sich doch selbst sagen mußte, 
daß er und das ganze Land Preußen ihm viel 
zu verdanken habe. Den öfteren Anblick eines 
solchen Mannes zu ertragen und sich ihm gegeu- 
über gehörig zu benehmen, lag nicht in Friedrich's 
Charakter, und so sieht Ma uvillon, dem ich diese 
Mittheilungen wörtlich entnommen habe, nicht 
in kleinlichen Differenzen oder verletzenden Kri 
tiken gelegentlich der letzten Manöver die Ursache 
des Sturzes Ferdinand's ans der Gunst des großen 
Königs, sondern lediglich in Friedrich's geringer 
Neigung, sich dankbar zu beweisen. Ohne Sang 
und Klang und mit einer höchst kümmerlichen 
Pension, die nicht einmal ausgezahlt wurde, 
erhielt der hochherzige Ferdinand den Abschied. 
Und doch hatte dieser unendlich viel geleistet. 
Ferdinand besaß große Feldherrneigen- 
schasten alls theoretischem wie ans praktischem 
Gebiete und war seiner Zeit in gewissem 
Sinne weit vorausgeeilt, besonders zeigte er 
sich in der Verwendung leichter Truppen den 
meisten Führern seiner Zeit weit überlegen. Die 
hessischen und hannoverschen Jäger Ferdinand's 
bewegten sich bereits in anschmiegenden Tiraillenr- 
ketten, denen jedes Gelände gangbar war, denen 
jede Tageszeit genehm war. Ferdinand war 
kein toller Draufgänger, kein Freund der einfachen 
Niederwersungsstrategie, d. h. der Zertrümmerung 
der feindlichen Streitkraft a tout prix. Der 
Erreichung dieses Zieles vor der zu entfesselnden 
Schlacht gingen bei ihm erst die richtigen Truppen 
bewegungen, die ausschlaggebenden Märsche und 
Manöver voraus, und wie mustergiltig er diese 
Ausgabe zu lösen verstand, die Waffenentscheidung 
erst taktisch vorzubereiten wußte, dafür ist ein 
ganz hervorragendes Beispiel die Schlacht bei Wil 
helmsthal, die eigentlich als eine der instruk 
tivsten Schlachten für die alten unb jungen 
Schüler des Mars gelten kann und schon des 
halb werth ist, der Vergessenheit entrückt zu 
werden. (Fortsetzung folgt.) 
Zur Geschichte der Verkoppelung in Kurhessen, 
Von Carl Prefer. 
» ie Angelegenheit der Verkoppelungs-Gesetz 
gebung gehörte bei uns bekanntlich zu den 
Dingen, die man, wie so manches Andere, 
dem letzten Kurfürsten vorwurfsvoll als eine 
Vernachlässigung anrechnete. Geht man indessen 
den Sachen ans den Grund, spürt man der 
Wahrheit nach, so gelangt man zu einer anderen 
Auffassung; denn nicht selten zeigt sich alsdann 
das, was öffentlich getadelt wurde, nur als 
Ausfluß großer Gewissenhaftigkeit. Hierher ge 
hört auch der Grund des Zurückschiebens einer 
Lösung der Verkoppelnugssrage, das seiner Zeit 
dem Kurfürsten so schrecklich übel gedeutet wurde. 
Nachdem in anderen Ländern längst Gesetze 
über die Zusammenlegung von Grundstücken 
erschienen und in der Ausführung begriffen 
waren, glaubte auch das Ministerium in Kassel 
ein solches Gesetz in Kurhessen einführen zu 
sollen und brachte den von ihm ausgearbeiteten 
Entwurf in einer der gewöhnlichen Ministerial-
	        

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