Full text: Hessenland (9.1895)

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lief mm zu Ende, imi) Johann saß noch immer 
in seinem Loch auf der Blankenau, feine Freunde 
hatten sich an Herzog Heinrich von Braunfchweig 
gewandt und dieser, wie Landgraf Philipp scheinen 
nun Versuche zur Beilegung der Sache angestellt 
zu haben, die jedoch Gerd ablehnte. Da aber 
der Anhang Johann's sowie der Herzog dringen 
dere Vorstellungen erhuben, so schrieb der Land 
graf an Gerd*): „Damit die Sache nicht 
ernstlich werde, so begehren wir, Du wollest den 
Johann von Hagen ohne Entgeld aus eine alte 
Urfehde entlassen." Dann soll für sämmtliche 
Betheiligte ein Tag zum Ausgleich angesetzt 
werden, und zwar auf kommende Okuli (4. März 
1526). In seinem Antwortschreiben erklärt sich 
hierauf Gerd bereit, den Tag zu besuchen, doch 
will er Johann nicht in Freiheit setzen; hierzu 
vom Landgrafen gedrängt, bittet er, sich dieser- 
halb mit seinen Freunden besprechen zu dürfen.**) 
Die Ansicht dieser Herren scheint nun dahin ge 
gangen zu sein, daß die Sache bei längerem 
Widerstreben übel ablausen könne; Gerd stellt des 
*) Am Tage nach Neujahr (2. Januar) 1526. 
**) Schreiben Gerd's an Landgraf Philipp von 
Dienstag nach hl. drei Könige (9. Januar) und Convers. 
Pauli (25. Januar) 1526. 
halb den Gefangenen zu des Landgrafen Händen 
und unterwirft sich der gütlichen Entscheidung 
Philipp's und der Herzoge Heinrich und Erich, 
sich dabei die Rückkehr Johann's ausbedingend 
für den Fall, daß keine Einigung in Güte zu 
Stande komme. *) Der Landgraf ritt nun selbst 
nach Münden und unterhandelte mit Johann 
von Hagen; nach einigen Weiterungen scheint 
dann diese Angelegenheit, endlich in Güte bei 
gelegt zu sein. Aus dem Mitgetheilten kann 
man aber deutlich ersehen, daß Gerd bei dem 
Landgrafen nicht übel angeschrieben war und 
dieser sich viele Mühe gegeben hat, den an den 
Grenzen seines Gebietes ansässigen Unruhestifter 
vor ernstlichem Schaden zu wahren. Leider hat 
sich Gerd dieser Theilnahme wenig würdig ge 
zeigt, indem er gar bald völlig in die Dienste 
der Widersacher des Landgrafen trat. 
Rach diesem Debüt saß Gerd eine Zeit lang 
still, d. h. wir wissen nichts davon, ob er noch 
immer fleißig in der Eisenkappe ausritt. Erst 
zwei Jahre später erscheint er wieder aus der 
Bildfläche. 
(Fortsetzung folgt.) 
*) Schreiben Gerd's rc. Dienstag nach Invocavit 
(21. Februar) 1526. 
Die Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni 1762. 
Vortrag von Dr. med. Carl Schwarzkopf. 
wenige Orte unseres deutschen Vater- 
Fls landes sind so geeignet, den berückenden 
4 Zauber des Frühlings und der Maien 
zeit uns empfinden zu lassen, als der schöne und 
stille Park des Schlosses Wilhelmsthal. Weitab 
von dem Verkehr der Landstraße und dem tosenden 
Geräusche des Bahnverkehrs liegt dieses Kleinod 
landschaftlicher Schönheit und höchster künstlerischer 
Vollendung inmitten stiller, dunkler Wälder, die 
sich von allen Seiten fast an den einsamen Park 
herandrängen. Geheimnißvoll und schweigend 
liegt in der Mitte des Parkes der kleine See, 
in dessen Flnthen die Umrisse des herrlichen 
Baues sich wiederspiegeln. 
Wie aber in dem Innern dieses köstlichen 
Schlosses alles nur Heiterkeit, Anmuth und Vor 
nehmheit athmet, wie hier die wunderbaren Blumen 
des Rokoko in üppigster Weise überall sich empor 
ranken, wie hier glänzend, aber maßvoll überall 
uns dieser berauschende Zauber einer vollendeten 
Kunstrichtung entgegentritt, brauche ich nicht aus 
einanderzusetzen. Eine nie alternde Welt un 
muthiger Rvkokogestalten, eine Fülle von Ein 
drücken und von Erinnerungen baut sich an dieser 
Stelle vor uns auf, und auch der roheste Bauer 
muß hier von dem Flügelschlage der göttlichen 
Kunst gestreift werden. 
Ruhe und Frieden herrschen in diesem still 
verdeckten Paradiese, soweit man umschaut, über 
allen Wipfeln ist Ruhe. Hier, sollte man 
meinen, müssen die Stürme des Lebens sich 
brechen, hier können keine Kümpfe toben, und 
hier wird der wild aufbrausenden Leidenschaft 
durch den Ort selbst ein gebieterisches Halt ge 
boten wie in den heiligen, dichtbelaubten Hainen 
einer von Hellas geehrten Göttin. 
Und doch hat hier seiner Zeit ein wilder und 
heißer Kampf getobt, der schwere und blutige 
Opfer gefordert. Durch die Wipfel der mächtigen 
Eichen und Buchen des Parkes und der zu ihm 
hinführenden Alleen fuhren laut und krachend 
Kanonenkugeln. Der Gesang der Vögel ver
	        

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