Full text: Hessenland (9.1895)

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Schartenberger (vierStunden nordwestlich von 
Kassel) dar. Schon Landau hat diese Ansicht 
vor geraumer Zeit ausgesprochen, und die Unter 
suchungen Dr. W. Grotesend's sowie meine 
eigenen Studien, die sich seit Jahren diesen beiden 
Familien zuwandten, stellen dies außer Frage. 
Zwei Brüder von Schartenberg, Stephan und 
Gerlach gründeten zu Ausgang des 13. Jahr 
hunderts die Linien von der Malsburg und 
von Falkenberg. Von den Nachkommen 
Gerlach's, den Falkenbergs, treten am Ende des 
15. Jahrhunderts drei Brüder dem Forscher in 
Urkunden entgegen: Otto, Johann und Werner. 
Von diesen war Otto ohne Kinder, während 
Johann zwar eine Seitenlinie begründete, die 
jedoch nur etwa ein Jahrhundert angedauert hat. 
Der dritte Bruder, Werner, sehte den Stamm 
fort und hatte mit Negine von Amelunxen süns 
Söhne: Heinrich, Johann, Rabe, Gerd und 
Widekind. Dieser Gerd ist der Mann, mit 
welchem sich die nachsolgenden Zeilen vorzugsweise 
beschäftigen werden. 
Von seinem früheren Leben wissen wir nichts; 
er kommt nur einmal (1517) urkundlich vor. 
Desto mehr aber macht er sich um die Mitte der 
zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts bemerklich. 
Im Jahre 1525 war er Amtmann des Abtes 
von Korvei und lag, — die Ursache des Zwistes ist 
unbekannt —, mit einem Edelmann aus altem 
sächsischen Geschlecht, Johann von Hagen, in 
Fehde, in deren Verlaufe der letztere von Gerd 
aufgegriffen und festgesetzt wurde; wahrscheinlich 
in seiner Residenz, dem Schlosse Blankenau ant 
linken Weseruser unterhalb Herstelle. Gerd hatte 
mit seinem Bruder Rabe dieses feste Haus vom 
Abte bezw. von der Stadt Höxter in Pfand- j 
besitz, und bildete dasselbe, wie wir noch in der ; 
Folge sehen werden, einen trefflichen Stützpunkt 
für Unternehmungen, welche des öfteren mit dem 
Landfrieden sehr in Widerspruch standen. Aus 
die Kunde von dem unerfreulichen Ereignisse 
begann die Sippe des Gefangenen sich zu rühren; 
bei dem Landgrafen Philipp, von welchem die 
Falkenberger nicht wenige ihrer Besitzstücke zu 
Lehn trugen, beklagte man sich und beschuldigte 
außer Gerd auch noch dessen Bruder Rabe der 
Mithilfe an dem Attentate auf den von Hagen. 
Rabe ließ das nicht auf sich sitzen, er schreibt an 
den Landgrafen, daß er bei der Niederwerfung 
Johann's nicht betheiligt gewesen, und betheuert 
seine Unschuld, er wolle dieselbe nöthigensalls, 
wie einem Ritter gezieme, erweisen.*) In gleicher 
Weise sucht er sich auch bei den Personen zu 
*) Sonntag nach Martini (12. November) 1525. 
entschuldigen, an deren yutem Willen ihm ge 
legen sein mußte, nämlich bei Herzog Erich 
von Braunschweig und dem Abte von Korvei. 
Dem gegenüber — wir befinden uns in einer sehr 
schreibseligen Zeit — richten die Freunde Johann's 
eine geharnischte Epistel an die Stadt Höxter*): 
Gerd habe den von Hagen unverwahrt seiner 
Ehre geschlagen, verwundet und ergriffen, und 
dermaßen gegen den Landfrieden gehandelt, daß 
der Abt von Korvei, „der ein Fürst des Reiches 
sein will, und dessen Amtmann Gerd ist, billig 
anders in der Sache thun sollte". Ferner ist 
in diesem Schreiben die Rede von Briefen, welche 
Gerd der Stadt ausgestellt, des Inhalts: daß 
er von dem Hause Blankenau keinen Zank mehr 
anrichten wollte; das scheine er nun vergessen zu 
haben. Hieraus geht hervor, daß unser Held 
mit dem Wegschleppen Johann's nicht zum ersten 
Male eine Fehde für seine Person geführt hat. 
Weiter wird den Bürgern ebenso wie Rabe von 
Falkenberg der Vorwurf gemacht, Gerd die 
Stange zu halten. Jene sollten sich mit ihrem 
Abte benehmen, daß Johann seines Gefängnisses 
ohne Lösegeld entledigt würde; etwaige Forde 
rungen Gerd's aber sollen dem Spruche Landgraf 
Philipp's und der Herzöge Heinrich und Erich 
von Braunschweig unterbreitet werden. Unter 
dem Briese stehen eine lange Reihe guter Namen: 
Friedrich von Hagen, Aschen von Kampe, Johann 
von Bellren, Brüning von Gronau, Johann von 
Gronau, Marschall, Hans von Hardenberg, 
Werner und Kurt von Mandelsloh, Reinhard, 
Hermann, Sylvester und Otto von der Mals- 
burg, Gerd und Kurt Spiegel, Konrad Rein 
hard und Rabe von Bomelburg, Hermann Hund, 
Philipp und Johann von Urs, Zilliakus von 
Linsingen, Georg von Buchenau. — Der Bürger 
meister von Höxter, sowie der Schreiber des 
Abtes begaben sich hieraus nach Kassel und 
stellten bett Räthen des Landgrafen, — Philipp 
! selbst befand sich gerade zu Melsungen —, vor, 
daß Rabe nicht bei der Gefangennahme des von 
Hagen mitgeholfen, sie hielten ihn für unschuldig 
und ebenso auch der Abt, der deshalb keinen 
Anlaß habe, jenem die Psandschast an Blankenau 
zu kündigen.**) Zwei Tage nach dieser Verhand- 
: lung erklärt der Landgraf brieflich den Räthen 
i sein Einverständniß und ordnet an, daß man 
die Freunde von Hagen's mahnen soll, den fried 
fertigen Rabe in Ruhe zu lassen.***) Das Jahr 
*) Mittwoch nach Martini (15. November) 1525. 
**) Donnerstag nach Lucie (14. Dezember) 1525. 
Bericht der Räthe an den Landgrafen. Act. Cassel. 
***) Samstag nach Lucie (16. Dezember) 1525. Schrei- 
! ben Philipp's an seine Räthe. Act. Melsungen.
	        

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