Full text: Hessenland (9.1895)

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Hessische Bücherschau. 
Franz Gundlach, Das Kasseler Bürgerbuch 
(1520 — 1699). Nach dem Originale des 
Kasseler Stadtarchivs herausgegeben und mit 
Anmerkungen versehen (Zeitschr. d. Vereins s. 
hessische Geschichte n. Landeskunde. N. F. 
XI. Supplement). Kassel 1895. 
Trotz den zahlreichen Verlusten, die das Archiv 
der Stadt Kassel im Laufe der Jahrhunderte und 
namentlich in der westfälischen Zeit betroffen, ist 
doch noch manch' für die Ortsgeschichte werthvolles 
Stück unter seinen Beständen. Wir rechnen hierher 
hauptsächlich das Kasseler „Bürgerbuch", das nun 
mehr in der sorgfältigen Ausgabe von Gundlach 
weiteren Kreisen zugänglich gemacht ist. Es enthält 
ein Verzeichniß der Personen, die von 1520 — 1699 
Bürger geworden sind. Der Herausgeber hat mit 
unermüdlichem Fleiße aus handschriftlichen liub ge 
druckten Quellen eine erstaunliche Mille biographischen 
und genealogischen Materials ausgezogen und in 
zahlreichen Anmerkungen und Stammtafeln ver 
arbeitet, er hat ferner ein nach Möglichkeit zu 
verlässiges Personenregister angefertigt, so daß er 
allen Anspruch aus die Dankbarkeit der Benutzer- 
seiner Publikation hat. Zu den letzteren werden 
besonders die Freunde der Stadt- und Familien 
geschichte zählen, für die ein reiches und nach den 
verschiedensten Seiten hin zu verwerthendes Material 
hier nutzbar gemacht ist. — Daß der Herausgeber 
nicht allen Ansprüchen in gleicher Weise genügen 
kaun, liegt bei einer solchen Arbeit auf der Hand: 
dem einen wird Manches von dem Gebotenen 
überflüssig erscheinen; der andere vermißt dagegen 
Einiges, was er für wichtig hält; der dritte ver 
langt vielleicht eine eingehende Prüfung und Er 
gänzung gewisser biographischer und genealogischer 
Daten, die der Verfasser seinen Quellen entnahm 
und die ohne die äußerst zeitraubende Heranziehung 
weiterer Hilfsmittel (insbesondere der Kirchenbücher) 
auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit nicht unter 
sucht werden konnten. Derartige Ausstellungen 
werden indeß den Werth der Arbeit in den Augen 
der billig denkenden Benutzer kaum wesentlich herab 
setzen können. Z». 
Schriften der Gesellschaft zur Beförderung der ge- 
sammten Naturwissenschaften zu Marburg, 
Bd. XII, sechste Abtheilung: Dr. F. Melde, 
ordentlicher Professor der Physik und Astronomie, 
Die wolkenlosen Tage, beobachtet in 
den Jahren 1866—94 rc. (6 S. mit 4 Tab.) 
Marburg, Elwert. 1895. 
Die meteorologische Station Marburg ist noch 
in kurhessischer Zeit, im Jahre 1865, und zwar 
aus Veranlassung des hochverdienten Direktors des 
physikalischen und astronomischen Institutes Ge 
heimen Raths Professors Dr. Melde nach dem 
Muster der preußischen Stationen gegründet worden. 
Die einschlägigen Beobachtungen werden nach den 
allgemein befolgten Normen vorgenommen: Ab 
lesung von Barometer, Thermometer und Hygro 
meter, Messung des Niederschlags, Registrirnng der 
Windrichtung, endlich Beobachtung der Himmels 
ansicht geschehen regelmäßig dreimal täglich. Die 
Resultate der letzteren bilden den Gegenstand der 
hier vorliegenden Abhandlung. Die angestellten 
Beobachtungen erstrecken sich über den immerhin 
schon beträchtlichen Zeitraum von 29 Jahren, eine 
Zusammenstellung derselben kann also wohl als 
hinreichend angesehen werden, sowohl für die Ab 
leitung von Mittelwerthen, als für die Erkenntniß 
gewisser Gesetzmäßigkeiten. Mit großem Geschick, 
wir möchten fast sagen Raffinement, finden wir 
das Beobachtungsmaterial nach den verschiedensten 
Gesichtspunkten gruppirt in vier Tabellen zusammen 
gestellt. Eine genauere Betrachtung derselben giebt 
sehr interessante Ergebnisse. 
Zunächst sehen wir, daß in Summa 386 wolken 
lose Tage vorhanden waren, für e iuJahr im Mittel 
also 386:29 = 13,3. Dabei konstatiren wir, 
daß es Jahre geben kann, in denen nicht ein 
einziger wolkenloser Tag vorkommt, wie, 
z. B. das Jahr 1878. Das Maximum der wolken 
losen Tage betrug 30 und fiel in das Jahr 1885. 
Damals war also */12 des ganzen Jahres wolken 
los. 0 bis 4 wolkenlose Tage weisen zwei, 5 bis 
9 sechs, 10 bis 14 neun, 15 bis 19 acht, 20 bis 
24 sowie 25 bis 30 wolkenlose Tage zwei Jahre 
aus. — Das Maximum von unmittelbar aus 
einander folgenden wolkenlosen Tagen ist 9; 
es trat in der gedachten Periode nur einmal aus, 
nämlich im Januar 1885 ; 7 solcher wolkenloser 
Tage kamen ebenfalls nur einmal vor (Dezember 1890, 
Januar 1891); 6 und 5 dagegen kamen je dreimal 
vor. — Von besonderem Interesse sind die Summen 
der wolkenlosen Tage für die einzelnen Monate. 
An der Spitze stehen hier die zwei Monate März 
und September mit einer fast gleichen und zwar 
ausfälligen Maximalzahl 51 bezw. 54, d. h. im 
Mittel pro Jahr 1,76 bezw. 1,86, während die 
zwei Monate Juni und Juli ausfallend wenige 
wolkenlose Tage ausweisen, nämlich 19 bezw. 15, 
im Mittel also 0,66 bezw. 0,52. Nächst März 
und September ist es der Januar, der die meisten 
Hellen Tage bietet, in Summa 42, im Mittel also 
1,45. Rechnen wir die Monate Dezember, Januar, 
Februar als Winter, die andern folgenden zu drei 
als Frühling, Sommer und Herbst, so entfallen 
aus die vier Jahreszeiten solgeweise 103, 125,
	        

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