Full text: Hessenland (9.1895)

150 
Paragraphen bestehende Novelle, welche Mündlich 
keit nach dem Muster des altpreußischen Prozesses 
einführte. Durch die Gesetzgebung von 1863 
wurde dieses Verfahren in seinen Grundlagen 
zwar beibehalten, aber nach den gemachten prak 
tischen Erfahrungen wesentlich verbessert. Der so 
geschaffene Prozeß war einfach und natürlich und 
stellte doch die Parteirechte in hohem Maße sicher. 
Ein wesentlicher Vorzug der hessischen Rechtspflege 
war aber auch, daß die Kosten derselben nur 
mäßig waren, so daß jeder ohne allzugroße Be 
schwerniß einen Richterspruch erlangen konnte. 
Kurhessen erfreute sich also im Jahre 1866 einer 
durchaus befriedigenden Rechtsprechung 
Aus Heiirmtli und Fremde. 
Die Mitglieder des Vereins für hessische 
Geschichte un ^Landeskunde führten den schon 
für Mittwoch den 22. Mai beabsichtigt gewesenen, 
damals aber wegen der ungünstigen Witterung 
verschobenen Ausflug nach Wilhelmsthal am 
Sonnabend, den 25. v. M., Nachmittags, unter- 
zahlreicher Betheiligung aus. Nach der Ankunft 
am Bestimmungsort hielt Di-, med. S ch w arz - 
kops im Saal des dortigen Gasthauses den an 
gekündigten Vortrag über „Die Schlacht bei 
Wilhelmsthal am 27. Juni 1762" und erntete 
für seine formvollendeten, von warmer patriotischer 
Begeisterung getragenen Ausführungen, die ein äußerst 
anschauliches Bild von den Vorgängen des Kampfes 
gaben, stürmischen Beifall, worauf der Vorsitzende 
des Vereins, Landesbibliothekar Di-. Brunner, 
in dessen Namen Dr. Schwarzkopf den herzlichsten 
Dank anssprach. Wir sind durch das freundliche 
Entgegenkommen des Redners in die Lage gesetzt, 
unsern Lesern den Wortlaut des so gediegenen 
Vortrags unterbreiten zu können und werden in 
nächster Nummer mit dessen Abdruck beginnen. 
Nach Schluß des Vortrags durften sich die an 
wesenden Mitglieder bes Vereins, dank der gütigst 
ertheilten Erlaubniß der königlichen Regierung, 
unter den schattigen Bäumen des Parks zur Ein 
nahme eines gemeinschaftlichen Imbisses nieder 
lassen. Ein Theil der Gesellschaft nahm sodann 
die Räume des Schlosses, dieses Schmuckkästchens 
des Rokokostils, in Augenschein. Gegen Abend 
besichtigte man die im Park noch vorhandenen 
Gräber in der Schlacht gefallener Franzosen, doch 
wurde der Rundgang durch die Anlagen des Parks 
durch einen glücklicherweise schnell vorübergehenden 
Gewitterregen unterbrochen. Nach Abzug des 
Gewitters trat man den Rückweg nach Station 
Mönchehof an, von wo mit dem letzten fahrplan 
mäßigen Zuge die Rückfahrt nach Kassel erfolgte; 
der wohlverlaufene Ausflug wird seinen Theil- 
nehmern noch lange in guter Erinnerung bleiben. 
Am Sonntag, den 19. Mai, Nachmittags, hielt 
Major a. D. von Rogues im Habelffchen Gast 
hose zu Oberkaufungen vor mehreren hundert 
Personen einen überaus fesselnden Vortrag über die 
älteste Geschichte des Klosters Kausungen, 
der beifälligste Aufnahme fand. 
Notizen. „Konrad von Marburg", das 
im Königsstädter Theater zu Kassel bereits früher 
ausgeführte Drama des von dort gebürtigen Dichters 
L. Wolfs gelangte am Freitag, den 24. Mai 
im Nntionnltheater zu Berlin zur Aufführung und 
erzielte nach verschiedenen Zeitungsnachrichten einen 
großen Erfolg. — Dem Kasseler Maler Johannes 
Kleinschmidt wurde auf der Kunstausstellung 
im Krystallpalast zu London für sein daselbst 
ausgestelltes Bild: „Des Einen Leid, des 
Anderen Freud'" die silberne Medaille zu 
erkannt. 
Universitäts nach richten. Dr. med. Theo 
dor Axenfeld, bisher Assistent an der Augen 
klinik zu Marburg, hat sich daselbst als 
Privatdozent habilitirt. — Nach langem Siech 
thum verschied zu Marburg am Montag, den 
13. Mai der außerordentliche Professor der Physik 
an der Universität Dr. Adolf Elsas, geboren 
zu Elberfeld 1855, in Marburg habilitirt seit 
1882, außerordentlicher Professor seit 1891, be- 
kannt durch seine Forschungen aus dem Gebiet 
der Akustik. 
Todesfälle. Am Nachmittag des 23. Mai 
verschied nach imtgem schweren Leiden zu Wil 
helmshöhe Kaufmann Rudolf Scholl, 
Theilhaber der altbekannten Weingroßhandlung 
N. Gundelach in Kassel. Der Verstorbene 
erfreute sich in den Kreisen der Kasseler Bürger 
schaft wegen der Lauterkeit seiner Gesinnung 
und seiner steten Hilfsbereitschaft ungetheilter 
Wertschätzung und Hochachtung. — Nach nur 
kurzem Krankenlager, ein Opfer seines Berufes, 
verstarb zu Kassel am Nachmittag des 24. Mai 
der praktische Arzt Dr. med. August Voelker. 
Der Verblichene tvar nicht nur als tüchtiger Arzt 
angesehen, sondern auch in weiten Kreisen der 
Stadt wegen seiner liebenswürdigen Persönlichkeit 
überaus beliebt.
	        

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