Full text: Hessenland (9.1895)

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Es dichtet je lieber, je länger 
Herr Weintraut, der Marburger Sänger"). 
Vom Musensitz Schwimmhosen weh'n: Ach re. 
Wer Sonntags wird haben 's Frischbacken"), 
Ruft Null aus mit vollen Backen, 
So Ausrufer giebt es sonst keene: Ach rc. 
Giebt er mit der Schelle sein Zeichen. 
Die Mägde am Brunnen selbst schweigen. 
Andächtig bleibt jedermann steh'n: Ach rc. 
Doch nunmehr ist's Zeit auch zu schweigen, 
Wie könnt' auch mit Worten man zeigen 
Was täglich gesetzt wird in Scene: 
Ach in Marburg ist's gar zu scheene! 
Zahllos sind die Verse, die dazu „gedichtet" 
worden sind, doch wir sehen von allen weiteren 
") Bekannter Marburger Dichter und Inhaber einer 
Badeanstalt an der Lahn. ") Bis 1866 durfte in Marburg 
nur eine kleine Anzahl Bäcker Sonntags backen. Allsamstag- 
lich rief der städtische Ausrufer Null mit Stentorstimme in 
den Straßen der Stadt aus: „Morgen haben das Frisch 
backen N. N. im ersten, X. U. im zweiten nnd Matthäi 
im dritten — Stadtviertel." 
Professor Dr. Karl Krause. — (K 
Zwei verspät 
Im Herbste v. I. verstarben fern von der 
hessischen Heimath zwei treue Söhne unseres 
engeren Vaterlandes, zwei Männer, deren Namen 
in den Wissenschaften einen guten Klang haben, 
nnd die wohl verdienen, daß ihrer in dieser Zeit 
schrift gedacht, bezw. etwas Näheres über ihr 
Leben hier mitgetheilt wird. 
Dr. Karl Krause, gestorben den 31. August 
1894 als Professor am Gymnasium Francisceum 
zu Zerbst, war eine wissenschaftliche Autorität 
ersten Ranges ans dem Gebiete der Geschichte des 
Humanismus. Er war geboren am 24. Sep 
tember 1835 zu Sontra, besuchte von Ostern bis 
Pfingsten 1844 das Gymnasium zu Marburg, 
von da bis Ostern 1853 das zu Hersseld. Auf 
den Universitäten zu Marburg unb Bonn studirte 
er Theologie und Philologie, legte in Marburg 
im Winter 1856—57 das theologische und ein 
Jahr darauf das philologische Staatsexamen ab. 
Ostern 1858 trat er am Marburger Gymnasium 
als Praktikant ein, wurde nach vollendetem Probe 
jahr zur Aushilfe nach Hanau geschickt, wo er 
neun Jahre lang als Gymnasiallehrer wirkte. 
1868 besuchte er die Zentralturnanstalt in Berlin, 
erhielt darauf eine Gymnasiallehrerstelle in Rinteln, 
von wo er Ostern 1871 an das Gymnasium zu 
Zerbst berufen wurde. 
Fortsetzungen ab und sprechen mit Schmuhl 
(Platen's „Verhängnißvolle Gabel"): 
„Gern hätt' ich manches wörtlich euch aus ihnen nach 
gewiesen. 
Doch ihre Verse sind zu schlecht, sie passen nicht zu diesen." 
Um noch einmal aus K. v. H. zurückzukommen, 
so wollen wir unter Hinweis auf den Nekrolog, 
den unser verewigter F. Zwenger seinem Freunde 
v. H. im Hessenland 1892, S. 255, gewidmet 
hat*), dem Wunsche Ausdruck geben, es möchte 
noch das eine oder andere scherzhafte Gedicht H.'s 
hier veröffentlicht werden. 
*) „In hohem Grade ausgezeichnet durch die Gabe des 
Witzes und der Satire, war ihm auch ein nicht gering 
zu schätzendes poetisches Talent eigen, davon giebt eine 
größere Anzahl Gedichte humoristischer Färbung aus der 
Jugendzeit Zeugniß, die heute noch unter seinen ehemaligen 
Marburger Kommilitonen und seinen Fuldaer Freunden 
in Abschrift kursiren und mit großem Beifall immer und 
immer wieder gelesen werden." 
-8° 
t)eintet Bergrath Eduard Danket. 
t e Nekrologe. 
Die erste Frucht seiner Studien über den 
Humanismus war eitle Biographie des hessischen 
Lehrers, Dichters und Arztes Euricius Cordus. 
Dann beschäftigte er sich mit Eobanus Hessus, 
dem Haupte des Erfurter Humanismus. Das be 
treffende Werk erschien 1879 und wurde von der 
Kritik überaus günstig ausgenommen. 1885 ließ 
er den Briefwechsel des Mutianus Rusus erscheinen 
tlnd fast gleichzeitig seine „Melanchthoniana“. 
1892 erschienen von ihm im 19. Heft der Jahr 
bücher der Erfurter Akademie die „Beiträge zum 
Texte, zur Chronologie und Erklärung der 
Mutianischen Briefe", sowie die „Epigrammata 
des Euricius Cordus". Für uns» Hessen ist es 
von Interesse tloch zu erfahren, daß der Ver 
storbene eine fast drucksertige Arbeit: „Satirische 
Dialoge des Eobanus Hessus" und eine ebenfalls 
fast vollendete Sammlung der Briefe des Eobanus 
Hessus hinterlassen hat. 
Drei Abhandlungen Krause's zieren das 
„Hessenland": Der fünfte Jahrgang (1891) 
brachte S. 114—119: „Zwei neue Gedichte des 
Euricius Cordus (1486—1535), mitgetheilt und 
übersetzt" mit den nöthigen Erläuterungen. Derselbe 
Jahrgang S. 152—154 enthält: „Vota Namen 
des Dichters Euricius Cordus", und „Neue Unter 
suchungen über den Namen und über die Schul-
	        

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