Full text: Hessenland (9.1895)

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6. lind steht Mondschein ans dem Papier 
Im Akadem'schen Kalender allhier, 
Brennt von den Laternen nicht eene: Ach rc. 
7. Ach in Marburg, verzeiht mir die Phrase, 
Heißt der Pilgrimstein eine Straße, 
Obgleich keine Häuser da steh'n: Ach x. 
8. Und in Marburg ist jede Maid 
Konfirmirt vor nicht langer Zeit, 
Weil Schönheit dort nie thut vergeh'n: Ach rc. 
9. Und in Marburg zur Zeit der Fasten, 
Da erschollen vom Leierkasten 
Diese süßen Orgeltöne: Ach rc. 
10. Und in Marburg hat Herr von H . . . . 
Dem Fräulein dies vorgetragen, 
Mit 'nem Küßchen that sie ihm dafür denk: 
Ach in Marburg ist's gar zu scheene! 
Später hat das Lied mehrfache Fortsetzungen 
erfahren, gute und schlechte, witzige und ab- 
gefchlnackte. Die erste und gelungenste davon 
hat den niecl. 8tuä. (1859—64) Emil C . . . . 
aus Rosenthal, Mitglied des Corps Teutonia, 
jetzigen praktischen Arzt zu W , zum 
Verfasser. Sie ist einem schönen Marburger 
Mägdlein zugeeignet und lautet unter Weg 
lassung einiger Strophen also: 
Widmung: 
Andächtig wollen diese Reih'» 
Uewitzlich nicht gelesen sein. 
"Nur wenn den kleinen Rosenmund 
Ein heit'res Lächeln will umspielen. 
So werden sie beglückt sich fühlen. 
Seid jeßo mir wohl gewogen 
Und leiht eure gnädigen Ohren 
Den Tönen meiner Camöne: 
Ach in Marburg ist's gar zu schöne! 
Fürwahr ein gar liebliches Städtchen 
Und zählt so viel reizende Mädchen; 
Am Fenster sitzen sie so alleene: Ach rc. 
Dort sind sie von Bahnhofes Hentzen ') 
Bis 'naus zum Exexcellenzen 2 ) 
Hinter'm Glase immer zu sehn: Ach rc. 
Nur wenn mit des Liedes Melodiken 
Die Burschen die Straßen durchzieh':: 
Schaut heraus manch' Köpfchen so kleene: Ach rc. 
Doch höret und staunet verwundert: 
Den Geist vom 19. Jahrhundert 
Kann man auch hier wirken seh'n: Ach rc. 
Um ihre Bildung zu mehren 
Die Damen Vorlesungen 3 ) hören, 
Jn's Rathhaus sieht man sie geh'n: Ach rc. 
st Der damalige Bahnhofsrestaurateur, st Exminister 
Hassenpflug, am entgegengesetzten Stadtende, in der Barfüßer- 
allee wohnend, st Winter 1860—61 hielten einzelne 
Dozenten im Rathhaussaale populäre Vorlesungen, so 
Professor Waitz aus dem Gebiete der Philosophie, 
Dr. Wüllner ans dem der Physik u. A. 
Sie hören von Lichtstrahles Funkeln 
Und bleiben dabei doch im Dunkeln, 
Sie lernen Herrn Kant gar versteh'n: Ach rc. 
So werden sie drum auch viel weiser 
Dereinst die Frauen der Häuser. 
Den Kaffee verbrennt dann auch keene: Ach rc. 
In Marburg, verzeiht mir die Phrase, 
Giebt's selbst eine Bummelblase 
Nur los will nimmer sie geh'n: Ach rc. 
Auch sieht man zu Vilmarn laufen 
Einen großen weißen Haufen 
Den Teufel st alldorten zu sehen: Ach rc. 
Sie machen dereinst als Pastöre 
Dem Herrn gewiß alle Ehre, 
Zum Treubund sie alle dann geh'n: Ach rc. 
Selten gute, meist schlechte Schoppen 
Trinkt man beim Moritz wie Boppen st. 
Was der andre braut, braut auch der eene: Ach rc. 
Um uns zu verleiten zum , 
Die beiden den Rang sich ablaufen, 
Was der andre kann, kann auch der eene: Ach rc. 
Als Moritz durchbrochen die Wand hat. 
Der Bopp die Veranda zur Hand hat, 
Was der andre baut, baut auch der eene: Ach rc. 
Im Pfeifer, im Ritter — nicht ohne — 
Da speisen die Herren Barone, 
Auf der Kreide soll vieles da steh'n: Ach rc. 
Hingegen bei Zimmermann's Peter st 
Da ißt mehrstentheels wohl ein Jeder, 
Dem's Geld nicht so dick sitzt, das kleene: Ach rc. 
Auch giebt's hier ein Wirthshaus, „Pfui Kinn er!". 
Das heißt der „schmutzige Finger" st. 
Der Tellerrand zeigt den Daumen der Lene: Ach rc. 
Nirgends steht auch die Wissenschaft besser, 
Marburg hat ja den größten Professor st. 
So lange giebt es sonst keene: Ach rc. 
Und in Marburg da sieht mau sitzen 
Hoch zu Roß des Stalles Fritzen st. 
Er hat gar zierliche Beene: Ach rc. 
Beim Hobbch 'st war's beim Alten gebliwwe, 
Weil alleweil die Schaube geschriwwe, 
Sie wüll'n aus'm Logis nicht 'raus geh'n: Ach rc. 
st Der Theologie-Professor Vilmar glaubte und 
lehrte die Persönlichkeit des Teufels, st Zwei neben 
einander liegende Wirthschaften, von denen anfangs 
der sechziger Jahre erst die eine, bald darauf auch 
die andere je eine Veranda nach dem Lahnthal zu 
angelegt hat. st Damals eine sehr besuchte Speisewirth 
schaft, berüchtigt durch sog. Holothuriensuppe, Mogel 
sauce u. a. m., jetzt Eberhard'sches Haus in der Reitgasse, 
st Gewöhnlich digitus genannt, st Dr. Sonst ant in 
Z w enger, Professor der pharmaceutischen Chemie, 
Bruder des Begründers unseres „Hessenlandes". Er maß 
6 Fuß und etliche Zoll. st Stallmeister v. B., Lektor 
der Reitkunst, 'st Bergt, hierzu „Hessenland" Jahrg. 
1895, Nr. 1 und 3, S. 13 und 41.
	        

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