Full text: Hessenland (9.1895)

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„Ach in Marburg ist's gar ?u schön!" 
Eine studentische Reminiscenz. 
Von Dr. A. in K. 
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Und wer wär's, der's nicht er - rieth Das alt - be - kann - te Lied, 
Vor viel' Jahren ge - setzt schon in See-ne: Ach in Marburg ist's gar so schöne! 
Wir glauben auf den Dank mancher unserer 
Leser, insbesondere aller der einstigen Marburger 
Musensöhne, rechnen zu können, wenn wir ihnen 
hier ein Lied in's Gedächtniß zurückrufen, das 
von Mitte der fünfziger bis Ende der sechziger 
Jahre wohl kaum eineni Marburger Studenten, 
er sei denn eilt geschworener Feind jeder feuchten 
Fröhlichkeit gewesen, unbekannt geblieben ist, ititb 
das insonderheit auf den Kneipen der Marburger 
Corps zum eisernen Liederbestande gehörte. Merk 
würdiger Weise scheint in späteren Jahren das 
heitere Lied in Vergessenheit gerathen zu sein, 
wenigstens konstatirten wir vor wenigen Monden 
gelegentlich eines mit eineilt jüngeren Frelinde 
gepflogenen Austausches alter studentischer Er- 
innerungen, daß diesem, einst flotten Corps 
burschen, das Lied ganz srentd war und in den 
siebenziger Jahren gerade auf der Kneipe des 
Corps, dem der Dichter des Poöms seiner Zeit 
angehört hatte, nicht mehr gesungen worden ist. 
Später ist es wieder bei der einen und anderen 
Verbindung aufgetaucht und erfreut sich unseres 
Wissens jetzt bei allen studentischen Korporationen 
der alma, mater Philippina einer bleibenden 
Stätte. 
Der Umstand, daß die eben gedachten Er 
innerungen ans einer über ein Menschenalter 
zurückliegenden Studentenzeit llach einer im Januar 
d. I. stattgefundenen Sitzung in Angelegen 
heiten des „Hessenlandes" geweckt wurden, 
legte es dem Einsender nahe, dem zur Frage 
stehenden Liede gerade hier einige Zeilen zu 
widmen, vor Veröffentlichung sich aber betreffs 
des von ihm nur gemuthmaßten Dichters sowie 
wegen des authentischen Wortlautes und mög 
lichster Vollständigkeit des Liedes sicher zu stellen. 
Daher die Anfrage im Briefkasteil des Hessen- 
landes 1895, Nr. 4, S. 56. Für die sehr- 
zahlreich uns zugekomntenen liebenswürdigen 
Antworten, die sowohl von hier wie aus weiten 
Fernen eingelaufen sind, vor Allem aber Herrn 
Dr. Br. in W., verfehleil wir nicht mit lands- 
mannschastlichem Gruße hiermit unseren besten 
Dank auszusprechen. 
Das Gedicht ist entstanden im Winter 1853—54 
und wurde zuerst von seinem Verfasser stuck, zur. 
Karl v. Hagen (geb. in Fulda am I.Mai 1831, 
Student geworden Ostern 1850, gest. als Amts 
gerichtsrath in Steinau am 23. November 1892) 
ans der Corpskneipe der Hasso-Nassoven, deren 
sehr flottes Mitglied H. war, in den Parterre- 
ränmen des alten steinernen Hauses am Steinweg 
(jetzigen Cafes Onenttn) als Leierkastenlied mit 
großer bildlicher Darstellung ä la „Morithaten- 
Tableau" vorgetragen. Der Originaltext ist der 
folgende: 
1. Ach in Marburg da ist's gar kurios, 
Allen Augenblick ist 'was los, 
Mit seinen Assembleen: 
Ach in Marburg ist's gar zu schön! 
2. In Marburg ist vor Allen der Herr Rektor 
Mit seiner Frau ein gewalt'ger Präceptor; 
Von ihr muß man Gnade erfleh'u: Ach rc. 
3. Und in Marburg hat jeder Lehrer 
Wie sich's gehört auch seine Zuhörer ’), 
Man nennt sie Mufensöhne: Ach rc. 
4. Und Herr Platuerst mit seinem Vix") 
Brilliren durch ihren Witz, 
In Politicis Herr v. Sybel0: 
Ach in Marburg ist's gar nicht übel! 
5. Und in Marburg kann man auch schauen, 
Wie man praktisch die Häuser soll bauen; 
Zum Dach muß man da hinein geh'n: Ach rc. 
') Das Tableau zeigte an der betreffenden Stelle ein 
Auditorium mit einem — schlafenden — Zuhörer. 
3 ) Der 1860 verstorbene Professor zur. I)r. E. P la tner; 
Vix (oder Fix, berühmt als Läufer) sein Sohn Viktor, 
Privatdozent, später Universitäts-Syndikus. 
9 Der bekannte Historiker und Politiker Heinrich 
v. Sybel, jetzt Direktor der preußischen Staatsarchive in 
Berlin, damals Professor in Marburg.
	        

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