Full text: Hessenland (9.1895)

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Die älteste Geschichte der Malstmrg und ihrer Bescher. 
Von W. Grotefend. 
(Schluß.) 
C% us der hier gegebenen nur lückenhaften Zn- 
sammenstellung ist zu ersehen, daß sowohl die 
oj v tzon Schartenberg, wie die Herren von der 
Malsburg, seit alter Zeit ausgedehnte Beziehungen 
zu vielen Klöstern und weltlichen Großen hatten, 
von denen außer den hier bezeichneten selbst 
verständlich vor allem die Erzbischöfe von Mainz 
als Lehnsherren des Malsburgischen Hofes Esebeck 
und des Kirchlehens daselbst hl 338) und später 
die Landgrafen von Hessen nicht zu vergessen 
sind. Während der Schartenbergische Zweig der 
.Familie seit dem Jahre 1294 dauernd in gutem 
Einvernehmen zu den Landgrafen stand, erfolgten 
die ersten Belehnungen von Mitgliedern des 
Zweiges von der Malsburg, soweit bekannt ist, 
nicht vor dem Jahre 1425 bezw. 1444. Am 
22.,November 1425 nahm Landgraf Ludwig der 
Friedsame die Brüder Johann und Hermann, 
Johannas Söhne, Heinrich, Werner's Sohn, sowie 
die Brüder Otto, Wolf und Johann, Stephan's 
Söhne, sämmtlich von der Malsburg, zu Erb 
mannen an und verlieh ihnen 50 st. Geldrente, die 
jährlich auf Palmsonntag in Kassel füllig waren. 
Am 6. November 1444 belehnte derselbe Landgraf 
dann Domherr Stephan zu Paderborn, seinen 
Bruder Hermann und Johann, ihren Vetter, alle 
von der Malsburg, mit drei Höfen und acht 
Kothhöfen zu Oberlistingen, zwei Freihäusern und 
zwei Kothhöfen zu Wettesingen, einer Mühle und 
einem Sechstel des Zehntens daselbst für die 
Dienste, die sie ihm bereits geleistet hätten und 
in Zukunft noch leisten sollten. 
Schon der Hinweis aus die in Zukunft noch 
zu leistenden Dienste gestattet den Schluß, daß 
die Herren von der Malsburg dem Landgrafen 
bis dahin noch nicht allzu diensteifrig zugethan 
gewesen waren. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist 
vielmehr deren Uebertritt von Mainz zu Hessen 
recht widerwillig vor sich gegangen; sie haben sich 
erst unterworfen, als es ihnen gar nicht mehr 
möglich war, dem steigenden Einflüsse der hessischen 
Macht sich länger zu entziehen. Andernfalls 
würde nicht zu berichten sein, daß der Landgraf 
ihnen im Jahre 1425 Besitzungen und Einkünfte, 
die sie bislang als Mainzische Lehen gehabt 
hatten, entzogen habe, wie die Kirchlehen zu Ersten 
und Rangen, die Gülte zu Rangen, Hof und 
Mühle zu Hever ('? = Heverscutte Eberschütz), 
ein Viertel des Zehnten zu Westuffeln, das 
Hagenland unter dem Schartenberg, einen Halb 
hos zu Obermeiser, einen Bauhof zu Niedermeiser, 
einen Halbhof zu Niederelsungen und einen Hos 
zu Schachten, Besitzungen, die, von anderem ab 
gesehen, schon wegen ihrer Lage im Mittelpunkt 
ihrer Stellung für die Familie sehr werthvoll 
sein mußten. Noch am 20. Januar 1427, also 
kurz vor der Schlacht von Englis, welche mit 
dem dauernden Niedergang der Mainzer Macht 
in Niederhessen so eng verknüpft ist, wurde ein 
Versuch gemacht, die alte Fühlung mit Mainz 
wieder aufzunehmen, indem die Vettern Hermann 
und Heinrich, nebst den Brüdern Otto, Wolf 
und Johann von der Malsburg in Erneuerung 
eines alten Abkommens Stephan's von der Mals 
burg, seiner Gattin Mathilde, ihrer Söhne 
Stephan, Hermann, Detmar, Johann, Heinrich, 
Gottschalk und Hildegard's, Stephan's des Jüngeren 
Gattin, mit dem Erzbischof Heinrich einen Ver 
trag abschlössen über Oeffnung des Hauses Mals 
burg für das Erzstist, dessen Freunde und die 
von Hofgeismar gegen jährliche Zahlung von 
85 Mark löthigen Silbers. 
Darnach gewinnt es das Aussehen, daß die 
Malsburg in den häufigen Fehden des 14. uitb 
15. Jahrhunderts zwischen Mainz und Hessen 
gewissermaßen als Vorwerk von Hofgeismar, dem 
Hauptstützpunkt des Erzstistes in Niederhessen, 
angesehen wurde und dementsprechend von den 
Kriegsstürmen der damaligen Zeit viel zu leiden 
hatte. Besonders arg ist die Malsburg in den 
dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts in Mit 
leidenschaft gezogen. Mainzische Rechnungen aus 
den Jahren 1334 und 1335 besagen, daß 1334 
für Ansbessernng der Burgwerke 85 Mark Silber 
und im folgenden Jahre gar über 364 Mark 
gezahlt worden sind, Ausgaben, die das Erzstist
	        

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