Full text: Hessenland (9.1895)

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das diesem gerade gegenüberliegende Gasthaus 
„zum Mohren" in die Augen, das einen Mohren 
im Schild führte. Bis in die neue Zeit führte 
das Haus, welches als Gasthaus längst eingegangen 
ist, die Bezeichnung „die Mohrenmange", weil 
der spätere Hauseigenthümer ein Färber war. 
Das gerade gegenüber am schmalen Stadteingang 
gelegene Haus war das Wirthshaus „zur Hutzel". 
Erst in neuerer Zeit ist das Haus zwecks Ver 
breiterung des schmalen Weges abgebrochen worden. 
Welchem Umstand die Bezeichnung „zur Hutzel" 
ihre Entstehung verdankt, ist uns nicht bekannt. 
Den Weg von der Petersgasse in die Stadt in 
gerader Richtung fortsetzend kommen wir zum 
Gasthof „zum steinernen Hause", welches in 
alter Zeit das erste unter den Gasthäusern war. 
Dieses ganz aus Stein erbaute Gebäude war, 
ebenso wie das der „Englischen Fräulein", 
eine Kemnate. Beide gehörten zu beit größten 
der Stadt im Mittelalter wie in der späteren 
Zeit und wurden erst in den vierziger Jahren 
niedergelegt. Die auf der Höhe des „steinernen 
Hauses" seit langer Zeit heimisch gewesene Storch- 
familie verlor damit ihr Heim. Dieselbe hatte 
sich aber später aus dem Gebäude der „Englischen 
Fräulein" ihr Nest gebaut, woselbst man sie noch 
Ende der sechziger Jahre sehen konnte. 
Ehe wir nun die längst eingegangenen, am nahen 
Buttermarkt gelegenen Gasthäuser erwähnen, wenden 
wir uns in die Florengasse. An deren südlichem 
Ende treffen wir an Stelle des früheren Kapuziner 
klosters ein sehr geräumiges Gasthaus, aber nicht 
für Reisende und gesunde Personen, sondern für 
Kranke: das Anfang dieses Jahrhunderts ge 
stiftete Landkrankenhaus, während wir in der 
Mitte der Florengasse das Wirthshaus „zur 
Moschee" und weiter unten das frühere Sattler 
Schmitt'sche, später Kiekenap'sche antreffen. Das 
erstere hatte seinen Namen seinem Erbauer, der 
die Türkei bereist und in deren Hauptstadt sich 
aufgehalten, zu verdanken, während das letztgenannte 
wegen seiner vortrefflich hergerichteten gebratenen 
Gänse sich eines sehr guten Rufes erfreute. In 
der „Moschee" verkehrten früher regelmäßig Gäste 
aus den besseren Ständen, welche daselbst auch 
Bälle veranstalteten. 
Von der Florengasse < eigentlich Floragasse 
kehren wir zum Bnttermarkt zurück. Dort treffen 
wir zuerst den Gasthof „zum goldenen Löwen", 
welcher erst in neuerer Zeit gänzlich einging. 
Dessen Besitzer in den achtziger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts führte stets ein ausgezeichnetes 
Bier, welches er aber nicht über die Straße ver 
kaufte. Nur die Studenten der damals in Fulda 
bestehenden Universität hatten das Vorrecht, auch 
über die Straße Bier zti bekommen. Es holten 
denn auch immer zwei von ihnen den Gerstensaft 
zur Abendzeit in einer sogenannten Schleißlippe, 
die sie mit einer Stange auf den Schultern trugen, 
aus dem „Löwen" in die Wohnung eines ihrer 
Genossen, wo das Trinkgelage stattfand. Der 
Besuch der Wirthschaften war in Fulda bei den 
Musensöhnen damals nicht üblich. 
Ehe wir anderen Gasthöfen Aufmerksam 
keit schenken, biegen wir in die „der steinerne 
Weg" genannte Straße ein. Hier finden 
wir in dem früheren Holzverwalter Erb'schen 
Hause, der ehemaligen Kaserne gegenüber, das 
Gasthaus „zur W ander hexe". Die Ver 
anlassung dieser Bezeichnung entzieht sich unserer 
Kenntniß. In dem Kasernenbau befand sich 
früher das Jesuitenkolleg mit einem Seminar 
für etwa 60 adelige und 40 bürgerliche Jünglinge. 
Bis zum Jahr 1525 bestand an diesem Orte 
ein Minoritenklvster. Beide Anstalten waren aber 
gewiß Veranlassung zur Ankunft vieler Fremden, 
weshalb ein Gasthaus in der Nähe wohl ein 
Bedürfniß war. 
Doch kehren wir zum Buttermarkt zurück. 
Dort finden wir weiter einen längst eingegangenen 
Gasthof „zum schwarzen Bären". An beiden 
Ecken des Gebäudes befinden sich zwei Bären in 
> Stein ausgehalten. Ob das daneben gelegene 
l Haus „zum Lämmchen", das ein weißes 
! Lamm im Schilde führt, ein Wirthshaus war, 
! wollen wir dahingestellt sein lassen. Aber im 
zweiten Haus davon, dem früheren Hofkanzler 
Kaiser'schen, jetzt Arnd'schen Hause finden wir 
den „schwarzen Raben" mit einem schwarzen 
Raben in ovalem Feld in Stein ausgehauen. 
Vielleicht war es ehedem ein angesehenes Gasthaus. 
Gegenüber dem „schwarzen Bären" befand sich 
eine Weinstube im Hause des Hofbassisten Höfling, 
das später dem Doktor Ritzel gehörte. Dort 
> trug sich in der zweiten Hälfte des verflossenen 
! Jahrhunderts folgendes Ereigniß mit tödtlichem 
j Ausgang zu: 
Zwischen dem Wirth Höfling, der einen be- 
! deutenden Körperumfang hatte, und dessen Güsten 
; kam in Beisein eines Landmannes die Rede 
i auf den siebenjährigen Krieg und den General 
Laudon. Bei dem Aussprechen des Namens 
Laudon war es aber damals Sitte und Brauch, 
die Kopfbedeckung abzunehmen. Alle Anwesenden 
thaten dies auch, nur der Landmann nicht, der 
so wenig von Laudon als von der diesem zu er 
weisenden Ehrenbezeigung irgend welche Kenntniß 
hatte, vielmehr fragte: „Bär woar där Kuitz?" 
Der darüber äußerst aufgebrachte Wirth warf 
den Bauern zur Thür des Zimmers hinaus,
	        

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