Full text: Hessenland (9.1895)

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zu Uffeln unter betn Herzog von Braunschweig- 
Lüneburg hatte, desgleichen zu Oberlistingen seit 
1373, wenn der Besitz dort zunächst auch nur 
in einer Pfandschaft bestand, zu Obermeiser vor 
1382 begütert war. 
Wie es das Bestreben mittelalterlicher Adels 
geschlechter war, den Besitz im Zentrum ihres 
Machtbereiches mehr und mehr abzurunden und 
zu kräftigen, gleichzeitig aber nach verschiedenen 
Richtungen hin entlegenere Punkte in's Auge zu 
fassen, die etwa geeignet wären, zur Stütze von 
Neuerwerbungen zu dienen, und sich ihrer zn ver 
sichern, um dann Volt da aus durch stetige Neu 
erwerbungen nach mtd nach zu dem alten Besitz 
eine Brücke schlagen zn können, so verfuhren die 
vott Schartenberg bezw. deren einzelne Linien 
ebenfalls. Beispielsweise hatten die von Scharten 
berg seit 1291 von den Grafen von Ziegenhain 
die Schetntnermark (im Amte Spangenberg) zu 
Lehen, besaßen ferner ein Viertel des Dorfes 
Offenhausen bei Merxhausen, vier Hose zu Heinebach 
im Amte Melsungen, bte sie freilich schon 1269 
an das Kloster Heida veräußerten, tmb Zinsen 
zu Dittershausen an der Fulda, weiter nach ganz 
anderer Richtung den Zehnten zu Dudikessen (wüst) 
bei Bosseborn südwestlich von Höxter, der 1279 an 
Kloster Brenkhausen abgetreten wurde, als Leheit des 
Abtes vott Korvey, sowie den Zehnten zu Haversvorde 
(wüst) zwischen Forst- und Holzminden, ans den 
die von Schartenberg 1283 zu Gunsten des 
Klosters Amelungsborn Verzicht leisteten. Die 
von der Malsburg nahmen die Politik ihrer 
Verwandten in vollem Umfange ans. Schon 
zeitig besaßen sie die Hälfte des Zehntens zn 
Höringhausen östlich von Korbach, den sie 1286 
an Kloster Netze übertrugen, ferner von dem 
Grafen von Waldeck seit 1365 12 Mark 
Rente aus den Gefällen der Stadt Landau, sodann 
waren sie zu Naumburg vor 1387 reich begütert, 
wie aus der damals vollzogenen Gründung und 
Ausstattung eines Hospitals daselbst durch Werner 
von der Malsbnrg und seine Schwiegermutter 
Agnes voll Elben zu folgern ist. Oestlich von 
dem Schlüsselpunkt ihrer Stellung hatten sie von 
Braunschweig-Lüneburg Antheil an der Vogtei 
über Kloster Hilwartshausen bei Münden, seit 
1356 ein Burglehen auf dem Schöneberge und 
kaum später Besitzungen zu Haueda. Die Edlen 
von Schöneberg waren, wie bereits erwähnt wurde, 
schon früher ihre Lehnsherren, unter anderen ge 
hörte zu diesen Schöneberg'schen Lehen ein Talent 
jährlicher Hebung zu Ludenbeck, einer Wüstung 
südöstlich von Hombressen, das Konrad von 
Schartenberg und Stephan von Falkenberg (Mals 
bnrg) 1291 zn ihrem Seelenheil dem Kloster 
Lippoldsberg übertrugen. Elmarshausen und 
Eichenberg besaß die Familie im Mittelalter noch 
nicht, beide Güter sind vielmehr erst Erwerbungen 
des 16. Jahrhunderts. 
(Schluß folgt.) 
Alte Häuser in Fulda 
Von Joseph Schwank. 
IIe§ ist der Veränderung unterworfen; nichts 
ist beständig als der Wechsel. Dieses be- 
o] V wahrheitet sich auch bei den Gastwirthschaften 
in Fulda. Viele von ihneit gingen ein, neue 
entstanden, und während bei manchen noch Merk 
male an deren Bestand erinnern, fehlen bei 
anderen auch diese. Durch Verlegung der alten 
Handelsstraße in den sechziger Jahren des vorigen 
Jahrhunderts wurde diese Veränderung der Gast 
häuser vorzugsweise bewirkt. Die alte Straße 
verfolgte nämlich vordem ihren Weg von Fulda 
nach Hünfeld aus der südlichen Seite des Peters 
und Rauschenbergs, während sie jetzt nördlich 
vorbeiführt. Auch der Weg von Hünfeld nach 
Neuhof ließ Fulda rechts liegen, jetzt durchschneidet 
er Fulda von Norden nach Süden. Die Besitzer 
der Felder, durch welche die Straße früher führte, 
kannten deren frühere Richtung noch recht gut. 
Sie war bei ihnen unter dem Namen „der 
alte Fuhrmanns ln eg" bekannt. Bei Hünfeld 
kommt sie als „K^nigsstraße" vor. Woher 
diese Benennung kommt, können wir nicht sagen. 
Fraglich bleibt, ob die Frankfurt-Leipziger Land 
straße durch Fulda ging, und ob dieselbe nicht 
vielmehr von Hünfeld nach Fulda in der Nähe 
des Friedhofs in die Petersgasse, die von Frankfurt 
aber bei Fulda vorbeiführende, ebenwohl vor der 
Petersgasse abbiegend, in die Löhersgasse führte. 
Die letztere Straße wäre demnach die einzige 
gewesen, bei welcher bezüglich der Gasthäuser keine 
Veränderung eintrat. 
Dem von Hünfeld nach Fulda Kommenden fiel, 
nachdem er den erst in neuerer Zeit nicht mehr 
vorhandenen sehr engen Weg durchschritten hatte,
	        

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