Full text: Hessenland (9.1895)

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ein solches Wappen bis zu ihrem Anssterben. 
Tie von der Malsburg nahmen in Erinnerung 
ihrer Abstammung dies alte Stammwappen in: 
14. Jahrhundert in das ihrige anst indem sie 
aus ihren Siegeln den eben beschriebenen Manns 
kops unverändert als Helmzier (Kleinod) ver 
wendeten. 
Das Wappen der Herren von der Malsburg 
hat Berührungspunkte mit den Wappen anderer 
Geschlechter der Gegend, in der sie eingesessen 
waren. So ist der Löwe vermuthlich dem Wappen 
eines ihrer Lehnsherren oder verwandter Geschlechter 
entnommen, vielleicht dem der Edlen von Schöne 
berg. Der Edle Konrad von Schöneberg siegelte 
im Jahre 1290 in einer im 4. Bande des west 
fälischen Urkundenbuches abgedruckten Urkunde mit 
einem Siegel, das im getheilten Schilde oben einen 
halben Löwen, unten ein gegittertes Feld zeigt. Einen 
aufsteigenden Löwen führen die von Brakel 1256, 
einen aufsteigender: gekrönten Leoparden die von 
Oesede, einen rechts aufsteigender: Löwen int ge 
spaltenen Schilde führen Werner und Giso von 
Gndenberg 1255. Das Siegel des Rudolf von 
Erwitte, Vogts von Geseke, zeigt 1265 einen 
nach rechts schreitenden gekrönten Löwen, 1299 
das Ritter Werner's von Löwenstein einen rechts 
ausgerichteten gekrönten Löwen. Rosen finden 
sich in einer Reihe von Wappen der adligen Ge 
schlechter des sächsischen Hessens und angrenzender 
Gebiete, wie wir sie aus dem westfälischen Ur- 
kundenbnche in seinem neuesten Bande kennen 
lernen. Genannt seien in dieser Beziehung z. B. 
die von Dalwigk, welche 1290 ein mit vier Rosen 
bestecktes Büffelhorn, die von Padberg, welche 
1251 eine sünsblättrige Rose, und die der Familie 
von Schartenberg-Falkenberg (Malsbnrg) in allen 
Einzelzweigen nahe verwandten Gropeu von Gnden 
berg, welche 1263 eine Rose führen. Besonders 
zu bemerket: ist die Ähnlichkeit mit dem Wappen 
des Ritters Gerlach von Strünkede aus der Reck- 
lingshäuser Gegend von 125!, der im getheilten 
Schilde nutet: ebenfalls drei Rosen hat, ober: einen 
halben ausgerichteten Löwen. 
Die Lockerung bezw. Auflösung der alten großen 
Ganerbschaft bewirkte, daß die Angehörigen der 
im Besitze der Malsburg befindlichen Littie des 
Geschlechts von Schartenberg sich itttit ihrerseits 
durch Errichtung eines Burgfriedens für ihren 
Besitz aus der Malsburg und in deren nächster 
Umgebung mit den Ortschaften bezw. Höfen 
Sieberhausen, Esebeck, Bunichusen (jetzt wüst), Laar 
und Escheberg enger aneinander schlossen und damit 
für sich eine Ganerbschaft begründeten. Dies ge 
schah zuerst durch den Vertrag vom 8. September j 
1322, der 1345, 1388 und 1429 von neuem be 
stätigt wurde. Diese Verträge, über welche die ein- 
schlägiget: Urkunden in: Archiv zu Elmarshauset: 
ttoch fast ausnahmslos vorhanden sittd, enthalten 
nebet: Bestitnmungen über die Erhaltung der Mals 
burg in vertheidigungsfühigem Zustande und über 
das in ben Burgfrieden einbegriffene Gebiet Verbote 
jedweder Veräußerung einzelner Bestandtheile des 
ganerbschastlichenGutes. Wenn Edward Wipper- 
mann in seiner Abhandlung über die Ganerb 
schaft in seinen „Kleinet: Schriften juristischen 
Inhalts I" die Burgfrieden für Modifikationet: 
bereits zu Recht bestehender Ganerbschaften erklärt 
und bestreitet, daß sie sich aus die erste Errichtung 
von solchen sollen beziehen können, so verstehen 
wir jetzt, wie dies aufzufassen ist. Immerhin 
ist der hier erörterte Fall besonders charakteristisch 
und belehrend, weil die mittelalterlichen Quellen 
in der Regel tticht so reichlich fließen, um ein 
Verfolgen derartiger Einzelheiten zu erntöglichen. 
Jedenfalls lernen wir in den it: ben Burg 
frieden von 1322 einbezogenen Besitzungen einen 
wichtigen Theil des schon damals vorhandenen 
recht ansehnlichen Malsburgischen Gutes kennen. 
Wenngleich die Burg Malsburg selbst wohl erst um 
die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts dauernd 
in den Besitz des Geschlechts übergegangen sein 
wird, lag in deren Nähe doch bereits früher der 
Mittelpunkt der Alt-Schartenbergischen Macht. 
Voi: ben: Allod zu Zwergen, welches bereits vor 
1210 vorhanden war, ist oben die Rede gewesen, 
weiter wird in: westfälischen Urknndenbuch ein 
ausgedehnter Besitz zu Sieberhausen mit Salinen 
als Paderbornisches Lehen für dieselbe Zeit, des- 
gleicher: Besitz zu Rangen und Rorbach bei Zieren 
berg ebenfalls für die erste Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts überliefert. Zu Escheberg faßte die 
Familie von Schartenberg vermuthlich schon früh 
festen Fuß und zwar durch Vermittelung der 
verwandten Gropen von Grrdenberg, welche als 
Vögte des dort feit der Zeit Kaiser Heinrich's II. 
begüterten Klosters Kausungen walteten, ferner 
zu Ersten itttb zu Niederelsungen. Von dieser: 
alten Besitzungen ist rtranches aus die Herren vot: 
der Malsburg übergegangen, ohne daß aber noch 
ganz genau festzustellen wäre, in welchem Umfange 
dies geschehen ist. Bald ttach der ettdgültigen 
Scheidung der verschiedenen Linien des Geschlechts 
vott Schartenberg hören wir vor: Besitzungen des 
von der Malsburgischen Zweiges, der zu Breuna 
1333 eitt Achtel des Zehntens, in Oberelsungen 
vor 1368 Theile des Gerichts, in Ersten seit 
1361 bezw. 1389 das Patronat über die dortige, 
vordem mit der zu Meimbressen vereinigten und 
mit dieser Kausungen gehörigen Kirche und 
mindestens seit 1318 das Patronat über die Kirche
	        

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