Full text: Hessenland (9.1895)

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Denkmäler romanischer Kunst sind hinterlassen in 
der Stiftskirche zu Ilbenstadt und in dem Palas 
von Münzenberg. Tie Stiftskirche zu Ilbenstadt 
ist eine Gründung der Grafen von Kappenberg 
aus der ersten Halste des 12. Jahrhunderts und 
ist unter den Einflüssen der sächsischen Bauschule 
entständen. Hier wäre ein Hinweis ans das Kloster 
Wirberg vielleicht erwünscht gewesen. Der Burg 
hof zu Münzenberg mit seinem sormenreichen 
Palas, mit seinen Wehrgängen, mit seinen ge 
waltigen Mauern von Buckelquadern führt uns 
zurück in die knustsiunige, poesievolle und ritter 
liche Zeit der Hohenstaufen. Auch die Gotik und 
spätere Zeiten haben an dieser stattlichen Burg 
gebaut. S. 202 sind zwei störende Druckfehler: 
„flehten" statt slegken, „Stogwisa" statt Stog- 
wisen. Als das bedeutendste Werk gotischen 
Kirchenbaues erscheint die Marien- oder Stadt- 
kirche zu Friedberg, ein dreischisfiger Hallenbau 
mit Querhaus, unmittelbar daran stoßendem Chore, 
zwei an der Westseite vor den Seitenschiffen vor 
springenden Türmen und vier Treppentürmeu. Reste 
der Gotik und Renaissance bietet die Burg Friedberg. 
Das S. 263 genannte Wappen am Schlosse zu Södel 
ist kein „Riedesel'sches", sondern ein Mans- 
feldisches, bezüglich aus Anna Sophie, Gräfin zu 
Mansfeld (si 1601), Gemahlin des Grafen Hermann 
Adolph zu Hohen-Solms. Die Gruft der Stadt 
kirche von Butzbach, ausgeführt vom Landgrafen 
Philipp III., ist ein bemerkenswertes Denkmal deutscher 
Kunst aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts. Das 
hervorragendste Werk der Rococozeit ist die Kirche 
zu Marienschloß. Friedberg, Butzbach und Ilben 
stadt bieten verschiedene Denkmäler mittelalterlicher 
Bildnerei; seltener sind Beispiele altdeutscher Tafel 
malerei. Viele und treffliche Erzeugnisse aus 
mehreren Epochen aber bietet das Kunsthandwerk, 
Holzschnitzereien, Eisen-, Bronze- und Goldarbeiten, 
Glasmalereien re. Besonders bemerkenswert ist ein 
Tympanon aus romanischer Zeit zu Rodheim 
v. d. Höhe. - Niemand wird das trefflich aus 
gestattete Werk, das durch 184 Abbildungen nach 
Zeichnungen von C. Bronn er und durch 13 Tafeln 
in Lichtdruck geziert ist, ohne reichen Genuß und 
Belehrung lesen. 
Lnubach, 13. April 1895. irr. Ä. Ii. 
Soeben erschien: Das Kasseler Bürgerbuch 
(1520—1699). Nach dem Originale des Kasseler 
Stadtarchivs herausgegeben und mit Anmerkungen 
versehen von Franz Gundlach. Zeitschrift des 
Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. 
Neue Folge. XI. Supplement. 225 S. und 
20 Tafeln. Wir verfehlen nicht heute schon aus 
diese werthvolle, überaus fleißige Arbeit hinzu 
weisen, deren Besprechung an dieser Stelle erfolgen 
wird. 
Wersonakien. 
Verliehen: dem Major Grafen Bvgdan von 
Hutten-Czapski zu Kassel das erbliche Recht ans Sitz 
und Stimme im Herrenhause; dem Regierungs- und 
Geheimen Baurath a. D. von Schumann in Kassel der 
rothe Adlerorden 3. Klasse init der Schleife; dem Provinzinl- 
schulrath Kannegießer zu Kassel der Charakter als 
Geheimer Regierungsrath; den Eisenbahnbetriebssekretären 
a. D. Winckel und Hahn zu Kassel der Kronenorden 
4. Klasse. 
Ernannt: der Sachsen-Meiningen'sche Forstassessvr 
von Baumbach zum Oberförster der Oberförsterei 
Haina-Ost; der Regierungsbaumeister Beruinger in 
Kassel zum Garuisonbauinspektor; der Regierungsbau 
meister Mettke in Kassel zum Kreisbauinspektor in 
Arnswalde N. M.; Koch, Ingenieur 1. Klasse von der 
Pulverfabrik Hanau, zum Oberingenieur im Kriegs- 
ministerium. 
Beauftragt: der Gerichtsassessor Dr. Bonatz in 
Kassel mit der einstweiligen Verwaltung der Spezial 
kommission Witzenhausen. 
Angenommen: der Rittergutsbesitzer Blume zu 
Wehrda als Oekonomiekommissionsanwärter bei der Spezial 
kommission t in Kassel. 
Entlassen: der Referendar von Deines auf seinen 
Antrag aus den: Justizdienst behufs Uebertritts zur 
allgemeinen Staatsverwaltung. 
Nehertragen: den: Gewerbeiuspektor Scheibel in 
Münster die Verwaltung, der Gewerbeinspektion in Fulda; 
dem Gewerbeiuspektor Steinbruck zu Altona die Ver 
waltung der Stelle eines Regierungs- und Gewerberathes 
zu Kassel; dem Thierarzt Arens in Hamburg die 
kommissarische Verwaltung der Kreisthierarztstelle in 
Schlüchtern; dem Postkassirer Älen mann zu Stralsund 
eine Pvstinspektorstelle für den Bezirk der Oberpostdirektion 
in Kassel, dem Oberpostdirektionssekretär Zeiger in 
Kassel eine Kassirerstelle bei dem Telegraphenamte in Köln. 
Uebernommen: der Referendar Hövel aus dem 
Bezirk des Oberlandesgerichtes zu Frankfurt a. M. in 
den des Oberlandesgerichts zu Kassel; 
Verseht: der Amtsgerichtsrath Wachsmuth von 
Jesberg nach Marburg; Amtsrichter Droste in Kirchhain 
als Landrichter nach Altona; der Gewerbeinspektor Förster 
von Fulda nach Münster; der Postdirektor Reich von 
Tondern nach Gelnhausen; der Oberpostsekretär Sattler 
von Barmen nach Marburg; der Postsekretär Ludwig 
von Berlin nach Kassel; die Landmesser Erd mann und 
Reichert von Wolfhagen nach Kassel. 
Pcnsionirt: die Postsekretäre Dedolph in Hanau 
und Lin du er in Eschwege; der Rentmeister Dörffler 
in Gelnhausen; der Oberlandmesser M a tth es zu Kassel. 
Geboren: ein Mädchen: Regierungsbaumeister 
Racke und Frau (Kassel, 22. April). 
Verlobt: Gertrud A lbra nd und Pastor Friedrich 
Möller (Intschede, 17. April). 
Gestorben: Fräulein Do rette Zahn, 85 Jahre alt 
(Kassel, 11. April); Banquier August Kogerup (Koburg, 
14. April); verwittwete Frau Appellationsgerichtsrath 
Franziska Engel geb. Bvbbe, 79 Jahre alt (Kassel, 
25. April); Oberstlieutenant z. D. und Bezirkskommandeur 
Christian Mehlburger, 51 Jahre alt (Limburg a. d.
	        

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