Full text: Hessenland (9.1895)

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Marburg Privatdozenten Dr. Nebelthau ist 
die Amtsbezeichnung Oberarzt verliehen wor 
den. — Der frühere Privatdozent zu Marburg 
Dr. Ludwig Laß aus Kassel ist zum kaiser 
lichen Regieruugsrath und ständigen Mitglied des 
Reichsversicherungsamts zu Berlin ernannt worden. 
- Ter außerordentliche Professor der Staatswissen 
schaften zu Marburg Dr. Karl Rath gen wurde 
zum ordentlichen Professor daselbst befördert, wohin 
gegen der bisherige Ordinarius des gleichen Faches 
Geheimer Negierungsrath Professor Dr. Hermann 
Pansche zu Marburg mit der Abhaltung von 
Vorlesungen au der technischen Hochschule zu 
Charlottenburg beauftragt wurde. — Pfarrer Licentiat 
Cremer aus Lich erhielt eine außerordentliche 
Professur in der theologischen Fakultät zu Marburg. 
Ter Privatdozent Dr. phil. Tauget aus Wien 
tvird einem Rufe nach Marburg als Nachfolger 
des als Ordinarius nach Güttingen versetzten 
Professors Dr. Kehr Folge leisten und an dessen 
Stelle die Tirektion des Seminars für geschichtliche 
Hilfswissenschaften übernehmen. 
Todesfälle. In Limburg verstarb am 17. April 
ein ehemaliger kurhessischer Offizier, Oberstlieutenant 
z. T. und Bezirkskommandenr Christian Mehl 
burger, nach schwerem Leiden. Ter Ver 
blichene entstammte einer angesehenen hessischen i 
Ossiziersfamilie. — Am Herzschlage verschied zu 
Kassel am 18. April Amtsgerichtsrath a. T. 
Wilhelm Bo de im 81. Lebensjahre, Bode wurde 
nach vollendetem Studium 1846 Garnisonsauditeur 
in Kassel, 1849 Amtsrichter in Jesberg und 1870 ! 
als Amtsgerichtsrath nach Kassel versetzt, wo er bis 
1880 seines Amtes waltete, als ihn Krankheit 
nöthigte in den Ruhestand zu treten. Bode war 
ein Mann von hohen Geistesgaben und großer 
Herzensgüte, ein väterlicher Berather und Helfer 
Armer und Bedrängter. — Im 86. Lebensjahre 
verschied am 19. April zu Kassel der königliche, 
frühere kurfürstliche Hosschauspieler Friedrich 
Hesse, welcher von 1857—1887, also 30 Jahre 
lang, bis in sein hohes Alter, zunächst als Baß- 
buffo und Komiker, sodann aber in heiteren und 
ernsteren Väterrollen an der Kasseler Hofbühne 
mit großem Erfolge thätig war und seit 1887 
im wohlverdienten Ruhestande in Kassel lebte. 
Hesse's vielseitige Begabung und sein bescheidenes 
freundliches Wesen im Verein mit seinem unent 
wegten Streben nach echt künstlerischen Zielen 
sichern ihm bei allen Theaterfreunden ein bleibendes j 
Andenken. Aus Leipzig kommt uns die Nachricht, > 
daß in der Nacht vom 23. auf den 24. April ! 
Hessens großer Sohn, Geh. Rath Dr. Karl Friedrich ! 
Wilhelm Ludwig, Professor der Physiologie an j 
der Universität zu Leipzig, dahingeschieden ist. 
Ueber sein Leben und seine wissenschaftliche Be 
deutung enthält Nr. 2 des ersten Jahrgangs' des 
„Hessenlandes" einen Artikel von Dr. A., dem wir 
für heute entnehmen, daß der Dahingeschiedene 
am 20. Dezember 1816 zu Witzenhausen geboren 
worden, sich 1842 in Marburg als Privatdozent 
habilitirt hat, 1846 Professor wurde, bis 1849 
in Marburg verblieb, 1849 einem Rufe nach 
Zürich. 1855 einem solchen nach Wien folgte und 
von 1865 bis jetzt an der Leipziger Universität 
gewirkt hat. Tie Stadt Leipzig hat ihn schon vor 
vielen Jahren zu ihrem Ehrenbürger erwählt. Daß 
dem Verstorbenen bei der Beerdigung die größten 
Ehren erwiesen wurden, ist selbstverständlich. Sv 
kam der sächsische Kultusminister v. Seydewitz 
von Dresden, um im Auftrag des Königs einen 
Kranz auf das Grab zu legen. 
Hessische Bücherschau. 
Kun st denkm äler i m Großherzogthum Hessen. 
Jnventarisirnng und beschreibende Darstellung 
der Werke der Architektur, - Plastik, Malerei und 
des Kunstgewerbes bis zum Schluß des ^. Jahr 
hunderts. Provinz Oberhessen. Kreis Fried- 
tz erg von Dr. Rudolf Adamy. Darmstadt, 
A. Bergsträßer, 1895. 8" 309 S. 
Eine hocherfreuliche Gabe bietet dieser neueste*), 
aus berufenster Feder stammende Teil des grvßherzog- 
lich hessischen Denkmäler-Werkes. Überall zeigt das 
höchst anziehend geschriebene Buch tiefes Kunst 
verständnis und sorgfältiges Studium. Ter Kreis 
Friedberg, zum größten Teile dereinst dem Gau 
Wettereiba, zum geringsten dem Nidda-Gaue an 
gehörend, zeigt seit dem 12. Jahrhundert das 
bunteste Gemisch der Besitzverhältnisse. Aus allen 
Epochen der Kultur- und Kunstgeschichte aber 
finden wir Denkmäler in diesem Territorium. Zahl 
reich sind die altgermanischen Hügelgräber oder 
deren Spuren; Riugwälle entdecken wir im Ober- 
Erlenbacher Walde und aus dem Hausberge bei 
Hochweisel; in römischer Zeit umschloß der Limes 
den größten Teil des Kreises; überall begegnet 
man den Resten römischer Niederlassungen von 
größerem oder kleinerem Umfange, römischer Kastelle 
oder Heiligtümer. Auch aus fränkischer Zeit sind 
Spuren hinterlassen, Waffen, Schmuckgegeustände 
und Geräte verschiedener Art. Zwei hervorragende 
*) Über die früher erschienenen Teile dieses Denkmäler- 
Werkes (die Kreise Offenbach, Worms, Büdingen, 
Erbach) vgl. Hessenland. Jahrg. 1891, S. 148 und 
1892, S. 51. —
	        

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